Der Beschützer

Im Café zur Sommerzeit
sitzt sie in einem schönen Kleid.
Nebenan hockt ihr Galan,
der strengt sich ganz erheblich an.
Er legt den Arm sehr sanft um sie,
will sie beschützen, weiß nicht, wie.
Besitzergreifend greift er zu,
sie schüttelt sich. “Lass‘ mich in Ruh“,
so denkt sie, sagt es aber nicht,
drum wird er frecher, dieser Wicht.
Sie fragt sich, ob sie glücklich war.
Mit diesem nicht, das wird ihr klar.
Die Frau guckt zweifelnd und verdattert,
in ihrem Hirn es knirscht und rattert.
Er jagt fort einen Wesperich,
mit der Speisekart‘ vom Tisch.
Sie will’s nicht haben, will nur weg,
wie es ihm sagen, diesem Zeck?
Ihre Arme sind verschränket nun,
was kann sie denn jetzt nur noch tun?
Sie lacht und sagt ganz fröhlich dann:
„Ich geh‘ und such‘ mir einen Mann“.

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Allerheiligen (inspiriert von Alex)

An Allerheiligen am Grabe
bringt die Familie schöne Gabe.
Riesengroße Grabgestecke,
damit jeder schnell entdecke,
sichtbar für die Nachbarschaft,
wen der Tod hat hingerafft.
Arme Leute war’n es nicht,
denen es am Geld gebricht.
Nein, hier gibt’s nur reiche Leute,
die sich am Friedhof treffen heute.
Im Wirtshaus wird alsdann gespeist,
von weither kamen sie gereist,
nicht zum Streiten und zum Zanken
sie sich in die Arme sanken.
Die Fetzen werden morgen fliegen,
aber heute herrscht nur Frieden.
Alles ist ganz wunderbar,
auf Wiederschaun im nächsten Jahr.

Und die Seelen schauen stumm
auf dem Gräberfeld herum.

Meine Frau

Ich liebe meine gute Frau,
warum, das weiß ich nicht genau,
ich liebe ihren tiefen Schlaf,
wahrscheinlich bin ich nur ein Schaf.
Ich liebe ihren schönen Po,
ein Schwein bin ich ja sowieso.
Auch liebe ich ihren Verstand,
der mich stets auf das Neue bannt.
Und jeden Tag ich frage mich:
„Warum, warum nur liebt sie mich?“

Das Alter

So viele alte Menschen rauchen,
sind zu nichts mehr zu gebrauchen.
Die dünne Haut wird welk und schrumplig,
die Schritte werden zäh und humplig.
Der Gang wird langsam immer schlimmer,
und auch im Bett, da geht es nimmer.
Den Appetit hat man verloren,
die ganze Welt hat sich verschworen.
Hüfte, Knie sind beschädigt;
der alte Mensch ist fast erledigt.
Die Gesundheit wird nun wichtig –
saufen kann man nicht mehr richtig.
Die Nieren hören auf zu schaffen,
und auch die Muskeln, sie erschlaffen.
Die Bäuche werden immer fetter,
die Alten werden nicht mehr netter.
Sie glotzen gern mit offnem Munde,
doch bald naht ihre letzte Stunde.
Sie können nicht mehr richtig sehen,
und dann bleibt ihr Herzchen stehen.

Doch dem Klugen wird’s nicht bange:
Mit Freude währt das Leben lange.

Der Misthaufen

Ich bin auf dem Misthaufen groß geworden,
ich kann euch sagen, was gut und was schlecht,
mir ist die Welt einfach, ob Süd oder Norden,
drum glaubet mir alles, was ich sag‘, ist recht.

Ihr geht in die Irre, müsst mich einfach hören,
doppelt ist dreifach und zehnfach ist vier.
Ihr müsst mir nur den großen Eid schwören,
und dann geht zur Hölle, ihr dummes Getier.