Der alte Feldweg

Bin hier seit zwölfhundert Jahren,
vor mir war es ein Römerweg.
Kutschen sind auf mir gefahren,
hinten kommt aus Holz ein Steg.

Ritter, Bauern und Kanonen,
befuhren mich zu ihrer Zeit.
Heute fliegen oben Drohnen;
der Krieg bringt immer Menschenleid.

Wenn die Heutezeit vergangen,
werde ich nur ein Feldweg sein.
So, wie Tiere auf mir sprangen,
wird es im neuen Frieden sein.

Der alte Löwe

Ab 60 wird das Leben schön,
muss nicht mehr lang zur Arbeit geh’n.
Jetzt kommt die schöne, freie Zeit;
bis zu dem Tode ist’s noch weit.
Kann auf die Verwandtschaft pfeifen;
ein Rentnerleben, das muss reifen.
Ab 70 ist der Kampf vorbei.
Verwandtschaftskram ist einerlei.
Kann jetzt so leben, wie ich mag,
und freue mich auf jeden Tag.

Ein Arzttermin kommt ab und zu,
wenn es nicht schlimm ist, hab‘ ich Ruh‘.
Doch leider kommt es anders oft,
und nicht so schön, wie ich erhofft.
Der alte Löwe brüllt nicht mehr,
den Brüllen fällt ihm jetzt sehr schwer.
Die Zähne fallen ihm heraus –
mit Löwenmähne ist es aus.
Die Weiber schaun ihn nicht mehr an,
es ist vorbei, du Löwenmann.

Und bei dem ganzen Ach und weh,
recht glücklich durch die Tage geh‘.
Genieße das, was jetzt noch geht,
für Freude ist es nie zu spät.

Wahlkampf

Im Wahlkampf geht es feurig her,
wer hier denn nur der Beste wär.
Sie streiten sich, so ist es recht;
DIES ist sehr gut, und DAS ist schlecht.
DU weißt es nicht, doch ICH weiß, wie –
So lebt bei uns Demokratie.
Wir wählen gerne, dann und wann,
das ist es, was man machen kann.
Berlin, Europa, Kommunal,
viel Wahlen gibt es an der Zahl.
Am Ende ändert sich nicht viel –
Doch wir spielen gern dies Spiel!