Das schöne Wetter

Sieht man die Sonn‘ am Himmel steh‘n,
sagt die Menschheit: „Es ist schön“.
Schlecht ist‘s aber, wenn es regnet,
und unser Gott die Erde segnet.

Die Sonne trocknet alles aus;
nicht mal die Würmer kommen raus.
Die Dürre bringt die große Not
und am Ende auch den Tod.

Der Regen macht es nass und frisch,
doch die Menschen schützen sich.
Alles wächst, gedeiht und sprießt;
Herr Müller aber schnäuzt und niest.

Aus Beton der Fortschritt stammt.
Homo Sapiens ist verdammt.
Kriegswaffen sind in unsrer Hand.
Und wo bleibt nur der Verstand?

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Gestörte Liebe

Zwei Menschen auf dem Himmelbette liegen
Wo sie sich räkeln und die Körper pflegen.
Die Luft ist warm, es stören nur zwei Fliegen,
Da fällt es schwer, sich kräftig zu erregen.

So geht die Lust, noch eh sie recht gekommen,
Die Fliegen schauen schelmisch auf die Beiden.
Sie hatten sich wohl zu viel vorgenommen,
Und konnten sich am Ende nicht mehr leiden.

Manch Liebe einfach an sich selbst erstickte;
Der Partner, er war schuld, der hundsverfickte.
Es wäre gut, wenn Stümper schnell verreckten.

Das Drama ging noch eine ganze Weile,
Ein bisschen ging dann doch, ganz ohne Eile.
Am Ende schob man es auf die Insekten.

Die Bettler und die Münzen

Paul B. lief durch die Stadt. Er hatte sechs Stunden Zeit. Seine Frau absolvierte in einer Firma am Stadtrand einen Fortbildungslehrgang für ein spezielles Computerprogramm. Dort hatten sie sich verabschiedet. Am Nachmittag wollten sie sich wieder treffen.

Paul B. freute sich auf die große Stadt. Ab und zu war er dort, aber immer in Begleitung. Ganz allein hatte er sie vor 35 Jahren zum letzten Mal besucht. Er wusste, dass in bestimmten Bezirken am Rande der Innenstadt immer wieder Bettler oder Bettlerinnen zu finden waren. Junge Frauen, die auf ihre Kinder hinwiesen, ältere Frauen, ältere Männer oder, was seltener vorkam, junge Männer.

Das Betteln war in den letzten Jahren von der Stadt „geregelt“ worden. Früher zeigten die Bettler ihre Verletzungen, Arm- oder Beinstümpfe, Frauen hatten ihre kleinen Kinder dabei, manchmal sogar eines an der Brust. Einige brachten Tiere mit, meist Hunde, manchmal auch Äffchen oder Vögel. Auf viele Arten versuchten sie, das Mitleid der Passanten zu erwecken. Als das Betteln den Menschen zu viel wurde und die Medien von „Bettlerbanden“ berichteten, schritt die Stadtverwaltung ein.

Jetzt gab es nur noch einige Bettler. Sie hatten einen Bettelerlaubnisschein vom Ordnungsamt und durften nur zu bestimmten Zeiten an fest zugewiesenen Plätzen betteln. Eine umgekehrte Kappe, ein Kaffeebecher oder ein Körbchen waren zugelassen, ein kleines Schild oder ein Bild, aber nicht mehr. Niemand durfte angesprochen werden, denn das galt als „aggressives“ Betteln.

Paul B. öffnete seine Geldbörse und nahm vier Münzen heraus: Drei 2-€-Stücke und ein 1-€-Stück. Ein 1-€-Stück behielt er als Reserve in der Geldbörse. Die Münzen steckte er in die ansonsten leere rechte Anoraktasche. Für Bettler, die aus seiner Sicht eher hilfsbedürftig waren oder die er aus irgendeinem Grunde als „sympathisch“ ansah, waren die drei 2-€-Münzen gedacht; für jemanden, der nicht ganz so hilfsbedürftig erschien oder vielleicht ein wenig „abstoßend“ erschien, sollte die 1-€-Münze reichen.

Jetzt lief er los. Das Maiwetter war kühl und trüb; dann und wann nieselte es leicht. Bisweilen kam für ein paar Minuten die Sonne hervor. Er lief nicht besonders schnell. Seit einiger Zeit hatte er ein kleines Problem an der linken Hüfte. Aber dennoch kam er gut voran. Die Straßen erschienen ihm endlos. Miethäuser, kleine Geschäfte, ab und zu eine Bar oder ein Dönerladen. Immer wieder kleine Parks oder Anlagen. Ein paar Menschen liefen dort herum: Rentner, Mütter mit Kinderwagen, einige Jogger. Handwerker und Hausmeister, ab und zu ein Radler.

Immer am Ende einer der langen Straßen nahm Paul B. den Stadtplan zur Hand, damit er sich nicht verlief. So hangelte er sich entlang, bis er an den Rand der Innenstadt kam. Da sah er eine Bettlerin am Straßenrand. Sie hielt ein DIN A 4-großes Foto hoch, auf dem drei Kinder zu sehen waren. Dabei murmelte sie etwas, das Paul B. nicht verstand. Er lief langsam weiter und überlegte sich, ob er ihr etwas geben sollte. Frau mit Kindern, da wären sicherlich 2 € angemessen. Aber in der Nähe standen einige südlich aussehende, finstere Gestalten. Vielleicht wurde die Frau von ihrem Mann oder Brüdern beobachtet. Möglicherweise gehörte sie zu einer Bettlerbande.

Also ging Paul B. langsam weiter und überlegte sich, ob er etwas geben sollte oder nicht. Nach etwa fünf Minuten sah er wieder eine Bettlerin. Diesmal war es eine sehr junge Frau, vielleicht 18 oder 20 Jahre alt. Sie hatte einen Pappbecher vor sich stehen. Ihr könnte er etwas geben, dachte er. Aber wenn er der jungen Frau mit den Kindern nichts gegeben hatte, warum dieser? Sie war ja noch sehr jung, und man sah eigentlich keinen Bettelgrund. Aber bedurfte es eines solchen Grundes? Sie war arm, reichte das nicht? Während dieser Überlegungen ging Paul B. weiter. Dann kamen noch zwei Frauen mittleren Alters, die sich gestikulierend unterhielten, und später ein älterer, runzliger Mann auf einem kleinen Schemel, der sehr ungepflegt aussah, eine umgekehrte Kappe vor sich hielt und vor sich hin starrte. Auch diesem gab Paul B. nichts. Vielleicht wäre für ihn das 1-€-Stück angemessen gewesen. Aber mittlerweile war er durch das viele Denken und Abwägen so verunsichert, dass er nicht mehr wusste, ob und wem er etwas geben sollte oder nicht.

Jetzt kam die Fußgängerzone der Innenstadt. Paul B. erledigte einige kleine Einkäufe, genehmigte sich ein kleines Frühstück zu einem horrenden Preis – die Stadt war wirklich teuer geworden, es war der reinste Nepp – und suchte eine Galerie auf, die aber überfüllt war, so dass er allmählich den Rückweg antrat. Vor einer offenen Kirche hielt er an und setzte sich auf ein Geländer, um zu verschnaufen.

Da dachte er wieder an die Bettler. Ja, jetzt auf dem Rückweg wollte er ihnen etwas geben, ohne lange nachzudenken. Es war ihm ein großes Bedürfnis und er schämte sich seiner „rationalen Überlegungen“ von vorhin. Wenn Menschen in Not waren und man ohne große Probleme mit einem kleinen Almosen helfen konnte, dann gab es nichts zu überlegen. Er griff nach den vier Geldstücken in seiner Anoraktasche, nahm sie heraus und erstarrte. Kalt lief es ihm den Rücken herunter.

Er hatte nicht mehr drei 2-€-Stücke und das eine 1-€-Stück in der Tasche. Jetzt waren es nur noch vier 1-€-Stücke. „Drei Euro sind wohl abgebucht worden“, dachte er schaudernd. Aber wann und von wem?

Auf dem Weg zurück gab er die Münzen verschiedenen Bettlern. Was für Menschen drum herum standen, war ihm jetzt völlig egal. Eine davon war die Frau, die das Bild ihrer Kinder hochhielt. Sie hatte mittlerweile ihren Bettelplatz um einige hundert Meter gewechselt, war jetzt näher an die Innenstadt gerückt. Wohl nach Vorschrift der Stadtverwaltung.

Horst K. und der Arzt

Horst K. geht brav zum Doktor hin,
hat die Gesundheit fest im Sinn.
Er möchte gern Gewissheit haben
und sich am Weiterleben laben.

Der Arzt soll sagen: „Keine Sorgen,
Sie bleiben ganz gesund auch morgen,
essen, trinken, was Sie wollen,
fröhlich durch die Tage tollen.“

Genau das Gegenteil tritt ein –
wie könnte es auch anders sein.
Der Doktor spricht mit Gramgesicht:
„Mit der Gesundheit spaßt man nicht.

Sie sollten nicht mehr so viel essen;
das Trinken können Sie vergessen.
Verzicht auf den Geschlechtsverkehr,
und auch auf Zucker, rat ich sehr.

So können Sie glatt hundert werden
und lange leben auf der Erden.“
Horst K. denkt leise und vergnügt:
„Ich lebe heute, das genügt.“

Modernes Heilen

Der Edelstein hat Heilenskräfte,

das ist gut für das Geschäfte;

denn sehr viele Menschendeppen

lassen sich voll Hoffnung neppen.

Falls der Edelstein versaget,

wird nicht gejammert und geklaget:

Man kann zu einem Heiler laufen,

anstatt sich das Haar zu raufen.

Denn auch der Heiler liebt die Kohle,

die er sich bei den Menschen hole.

Nimmt die Krankheit überhand,

wird zum Waldbaden gerannt.

 

Die Esoterik gibt den Massen

die Möglichkeit, ihr Geld zu lassen.

Und viel zu spät sie werden sehen:

So kann man leicht zum Teufel gehen.