Franz und der Pfarrer

Bei Mariä Himmelfahrt

ward dem Franz der Pimmel hart.

Drum lief er schnell zum Pfarrer hin

und beichtete mit frommem Sinn.

Der Pfarrer greift ihm ans Gemächt:

„Für dein Alter gar nicht schlecht.“

Dem Franz ging’s besser augenblicklich;

denn solch ein Priesterlein macht glücklich.

Werbeanzeigen

Herr von Hagen im Bett

Herr von Hagen kam zu Bette
in der Nacht, so gegen vier.
Dort empfing ihn seine Nette.
Glücklich war er nur mit ihr.

Sie hatte lange schon geschlafen
und ihn dabei nicht vermisst,
weil im alten Ehehafen
das nun mal nicht anders ist.

Dennoch sie sich sehr empörte:
„Du bist ein böser, schlechter Mann.“
Weil sich das halt so gehörte,
fing sie laut zu keifen an.

Herr von Hagen ward ganz stille,
lächelte leis innerlich:
„Meine Liebe, meine Gute,
was wär ich bloß ohne dich.“

Verschiedene Sichtweisen

Der Gläubige wird Atheist,
der Ketzer gerne predigt.
Der Asoziale wird sozial,
der Soziale asozial.
Vernunft ist lang erledigt.
Die Natur braucht viel Zement,
und Plastikzeug kommt ungehemmt.
Vom Wasser haben wir genug.
Menschenmüll, ein schöner Zug.
Die Waffen sind ganz wichtig.
Alles läuft sehr richtig.
Die Politik wird menschlich.
Begreifen wir es endlich?

Die Menschen am Fluss

Die Menschen an dem Flusse sitzen;
ganz träge fließet er dahin.
Sie haben Durst und müssen schwitzen,
und fragen nach dem großen Sinn.

Einer springt auf: „Ich hab‘s gefunden.
Wir sind nur hier, um stets zu dienen.“
Andere das aber nicht bekunden:
Ihr „Nein“ spricht aus des Zweifels Mienen.

Der Zweite ist schon etwas schlauer.
„Wir sind gern hier, um gut zu leben.“
Die Menschen hören hin, genauer.
Denn das klingt gut, so ist das eben.

Der Letzte sagte ganz am Ende:
„Ich bin nur hier, um jetzt zu sterben.“
Die Andren rieben sich die Hände:
Sie wollten nämlich alles erben.

Die Menschen

Sie sind der „Schöpfung Krone“.
Ihr Anspruch ist nicht ohne.

Sie schlagen mit den Keulen.
Vor Selbstmitleid sie heulen.

Sie lügen und betrügen.
Der Schwache muss sich fügen.

Sie fressen und sie prassen.
Und faseln von den „Rassen“.

Sie reden von der „Reinheit“.
Die Worte sind Gemeinheit.

Sie haben Angst vor allem.
Und fürchten sich, zu fallen.

Sie würden gerne helfen.
Den Kobolden und Elfen.

Sie kippen den Planeten.
Dabei sie manchmal beten.

Sie schreiben und sie lesen.
Als wäre nichts gewesen.

Sie sind nicht alle einerlei.
Es gibt auch Bessere dabei.

O Gott, gib ihnen Frieden.
Im Himmel und hinieden.

Das Grillfest

Leere Bierfässer rollen im Wirtshaus herum,
beim Grillfest gibt’s ein wüstes Geschrei.
Das Leben verrinnt, bald ist es vorbei.
Erst ist es recht laut, und dann wird es stumm.

Drum lasst uns alle fröhlich sein,
lustig und auch trallala.
Noch ein Bier, noch einen Wein;
denn bald sind wir nicht mehr da.

Müde kriechen wir ins Bette,
wachen morgens wieder auf.
Jeder hat, was er gern hätte:
Das ist ein schöner Lebenslauf.

Geber und Nehmer

Wir wandern gemeinsam mit anderen. Sind schon etwas älter, aber noch gut drauf. Sie erzählen stets dasselbe. Wie es früher war. Von Vater und Mutter. Den früheren Berufen und dem Krieg (bei dem sie noch Säuglinge, Kleinkinder oder Jugendliche waren). Sie erzählen, weil sie denken, dass sie wichtig sind.
Andere hören zu.
Sie reden von Krankheiten, Kochrezepten, Urlaubszielen, Ärzten, Kindern, Enkeln, Tieren.
Und andere hören zu.
Ihre Sätze beginnen mit „Ich…“.
Jetzt versuchen auch die anderen, zu reden.
Aber sofort kommen wieder die Besseren mit „Ich…“.
So ergeben sich die Lager.
Die einen geben, die anderen nehmen.
Beide verlieren.
Es kommt dabei nichts Neues heraus.
Wir trinken Bier oder Wein.
In der kommenden Woche kommt dasselbe.
Hilfe.
Wo sind diejenigen, die denken? Die HEUTE leben?
Wo finden wir sie?
Wo sind die Geber und wo die Nehmer?
Wir könnten eigentlich beides.
Das Internet ist voll – die Menschen scheinen leer zu sein.
Wir suchen.
Ist das wirklich das Schicksal nach 50, 60, 70,…?
In Asien, Südeuropa, Südamerika oder Afrika scheint es noch neugierige, wissensdurstige Menschen zu geben.
Vielleicht auch bei uns?