Der Gänsesäger

Kaum jemand kennt den Gänsesäger,

denn Gänse sägen kann nicht jeder.

Sein Schnabel ist gesägt und spitz,

und Fische frisst er – ohne Witz.

Der Schnabel vorn nach unten geht,

was beim Hinschaun man versteht.

Des Weibchens Schopf ist bräunlich-wild,

wie man es sieht auf manchem Bild.

Das Männchen schwimmt in stolzer Pracht:

Kopf, Rücken, schwarz – so wie die Nacht.

Unten weiß, ganz wie ein Schwan,

wir mögen dich, du Sägemann.

Des Fischers Klage

Heute will ich Fische fangen,
hab nach ihnen viel Verlangen.
Denn Makrele und auch Harung
sind eine Bio-Supernahrung.

Bin ein guter Fischehäscher,
schwing die Angel, halt den Kescher.
Leider beißt heut‘ keiner an,
was ich nicht begreifen kann.

Liegt’s am Klima, liegt’s am Dreck,
weiß ich nicht, der Fisch bleibt weg.
Tut mir auch das Herz weh-
nun gibt’s Fisch von „Nordsee“.

Blick nach vorn

Größer, weiter, länger, mehr:

Die Welt verneigt sich vor Rekorden.

Normales zählt heut nicht so sehr.

Immer schriller schrein die Horden.

Wo wird das alles hin uns führen?

Was ist noch wert das kleine Glück?

Das, was wir in uns selber spüren,

gibt uns die Menschlichkeit  zurück.

Ich will froh in die Zukunft schauen,

lass mir das Leben nicht versauern.

Auf Träumen meine Brücken bauen,

und so mag es noch lange dauern.

Thomas, der Regenwurm

In einem kalten Herbstessturm

kroch Thomas, unser Regenwurm

an sein Erdloch schnell heran.

Um sein Leben ward’s ihm bang.

Der Wind war stark und auch sehr kühl.

Thomas hatte im Gefühl:

„Gleich kommt der Tod, ach wie gemein.“

Er kam ans Loch, kroch flugs hinein.

In dem milden Frühjahrswind

kroch heraus ein Wurmeskind.