Der Bootsführer antwortet

Der Bootsführer antwortet:

„Die Atheisten oder Ungläubigen aller Art haben es einfach. Ihre Gedanken drehen sich ums Diesseits. Sie leben hier und heute. Was davor oder danach war, ist ihnen nicht so wichtig. Die Naturwissenschaften geben ihnen viele Erklärungen. Was sie heute noch nicht erklären können, können sie vielleicht in Zukunft lösen. Irgendetwas war zwischen Urknall und Urknall. Oder wird sein. Vielleicht noch davor oder danach oder in einer anderen Dimension, die wir heute zwar noch nicht verstehen, aber leicht berechnen können. Die Mathematik macht vieles möglich.

Und was das Leben betrifft, so ist es eine Ansammlung spezieller Moleküle, die wieder zerfallen. Die ‚Seele‘ ist eine Erfindung dieser Moleküle.

Diese Menschen haben offenbar kein Problem mit den Grenzen ihrer heutigen Erkenntnismöglichkeit. Alles lässt sich berechnen, früher oder später. Vielleicht gibt es auch ein ‚Nichts‘, wenn es sich denn irgendwann mal berechnen lässt.

Manche von ihnen meinen, dass sie schon ein bisschen, aber vielleicht insgesamt – noch – nichts wissen. Aber das wird schon kommen. Irgendwann werden sie wissen. Oder vielleicht auch nicht. Auch der Atheismus macht vieles möglich.

Vielleicht werden sie ja mehr wissen, wenn sie tot sind. Aber das ist, naturwissenschaftlich gesehen, aus heutiger Sicht unbeweisbar.

Ein bisschen graust es mir vor diesen Menschen.

Jetzt aber zu den Gläubigen:

Wer wirklich ‚glaubt‘, ist sich seiner Sache ja sicher. Wer aber sicher ist, braucht nicht mehr zu suchen.

Also sind gläubige Menschen keine suchenden Menschen mehr. Oder?

Vielleicht müssen wir dabei differenzieren:

• Die Festigkeit des Glaubens
• Der Inhalt des Glaubens
• Glauben nach dem Wort
• Glauben an Symbole

Es gibt ja, extrem gesagt, Menschen, die an ‚Gott den Vater‘, ‚Allah, den Allmächtigen‘ oder ‚Jahwe, den Ewigen‘ glauben und diesbezüglich keinen Zweifel haben. oder auch an Außerirdische oder Engel oder Naturgeister, kosmische Energien, Seelenmeere und Seelenwanderungen, Inkarnationen oder irgendwelche Götter und sich dabei ihrer Sache so ‚sicher‘ sind, dass sie gar versuchen, andere zu überzeugen oder zu bekehren.

Ihre Überzeugungen nehmen sie von Priestern, aus Büchern, von den Eltern oder Lehrern, Missionaren, Heilkundigen, Sehern, Mönchen und Gurus aller Art, oder sogar aus dem Internet oder dem Fernsehen.

Manche studieren sogar Philosophie, Theologie oder Religionswissenschaften und beten dann passiv das daher, was ihnen davon am plausibelsten ist oder bauen auf der Grundlage des von ihnen Erlernten aktiv neue Gedankengebäude auf.

Diese Menschen sind teils Gläubige, teils Ungläubige, aber alle haben sie eines gemeinsam:

Sie wissen nichts.

Der Unterschied zwischen diesen Menschen besteht lediglich darin, dass die Naiven davon glauben, ‚dass sie etwas wissen‘, die Scharlatane oder Heuchler ‚so tun, als ob sie etwas wüssten‘, die Klügeren aber zugeben oder zumindest einräumen, dass sie ‚eigentlich nichts wissen‘.

Den wirklich Gläubigen aber ist das völlig egal, ob sie etwas wissen oder nicht. Sie haben ihren Seelenfrieden gefunden.

Hier fällt mir das Wort ein ‚Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich‘ (Matth. 5, 1-3).

Abgesehen von den verschiedenen Deutungen dieser Passage, vom griechischen Wortlaut her oder aus lutheranischer oder katholischer Sicht, bleibt eines festzuhalten:

Die angehenden Seligen wissen nichts, wollen nichts wissen, wenn überhaupt, dann wissen sie, dass sie nichts wissen, aber sie brüsten sich nicht damit und stellen sich auch niemals über andere.

Die aber glauben, etwas zu wissen und andere zu überzeugen versuchen, stellen sich damit über andere. Solche Menschen sind nach dieser Definition keine ‚Gläubigen‘, sondern eher ‚arme Seelen‘.

Die Gläubigen aber unterscheiden sich grob gesagt in zwei Kategorien:

• Die einen sind mit ihrer Unwissenheit zufrieden und folgen Vorbildern
• Die anderen fragen, wozu sie ihren Verstand haben und fangen an zu suchen. Auch sie können sich an Vorbildern orientieren, aber eben nur zum Teil. Deshalb gehen sie auf diese Bootsreise.“

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Erster Test für die Bootsreise

Der Bootsführer erzählt:

„Die Dunkelheit der menschlichen Geschichte ist die Dunkelheit, die allen gemeinsam ist. Sie reicht vom Land der Toten bis an das sonnige Land des diesseitigen Lebens und geht nach unserem kurzen Dasein als Mensch sofort wieder nahtlos weiter bis in die Unendlichkeit, wieder als Land der Toten, zu dem ich dann auch gehören werde.

Im Grunde sind wir fast immer nur im Land der Toten. Es ist viel größer als unser diesseitiges Leben.

Vielleicht sind wir sogar immer nur im Land der Toten, merken es nur nicht, wenn die blendende Sonne des Lebens auf uns scheint. Dann fangen wir an, wie kältestarrende Würmer, Insekten oder Reptilien erst langsam und dann immer wilder hin- und herzuzappeln, fangen an zu leben, suchen uns selbst, suchen Partner, versuchen, uns fortzupflanzen, bis die helle Sonne im Land der Toten weiterwandelt und die nächste Generation zum Zappeln bringt.

Aus diesem Gesichtspunkt ist es gar kein Leben an sich, sondern nur eine kurze Unterbrechung des Todes, die wir ‚Leben‘ nennen.

Oder: anders ausgedrückt, die riesige Zeit des Todes wäre das eigentliche Leben, unser Zappeln unter der Sonne ist nur ein vorübergehender Zustand, der uns alle einmal (oder vielleicht auch mehrfach) trifft.

Was sich in dieser kurzen Sonnenzeit abspielt, ist vielleicht eine Metamorphose, wie wir sie von den Insekten kennen: Geburt, Leben und Tod sind Stadien wie Raupe – Puppe – Imago (z.B. beim Schmetterling), und dann geht es weiter zur nächsten Insektengeneration.

Das Eigentümliche dabei ist, dass wir uns während der Raupen- und Puppenzeit nicht mehr an die Zeit des vollentwickelten Insekts erinnern können und die Zeit des Schmetterlings gleichzeitig ersehnen und fürchten. Denn wenn wir als Schmetterling voll aufgeblüht sind, geht die Sonne des Lebens weiter, und ganz schnell folgt der Tod.

Aber was kümmert uns das, solange wir im Diesseits leben?

Damit sind wir auch schon bei der persönlichen Dunkelheit.

Unser persönliche Dunkelheit, also unser Gelerntes aus dem uns unbekannten Dunkel davor, ist sozusagen nur ein Spezialfall der geschichtlichen Dunkelheit, die jeden Einzelnen betrifft.

Vor dem Leben hat also jeder seine eigene, pränatale Dunkelheit: die Toten vor ihm haben ihn in die Metamorphose geschickt. Nach dem Tode geht es selbst erneut ins Totenreich, mit oder ohne Betrachtung der nächsten Generation.

So interessant dieser Vergleich aus dem Insektenreich auch ist, so wirft er sofort auch zahlreiche neue Fragen auf:

– Was geschieht mit den alten, abgestorbenen Schmetterlingen?

Sie zerfallen zu Staub, so wie auch die neuen zu Staub zerfallen werden.

Demnach wären nur die Stadien ‚Raupe, Puppe, Schmetterling‘ das ‚Leben‘. Der Rest wäre Staub.

– Woher kommt der organische Staub?

– Welche Rolle aber spielt die Sonne, die das alles erst ermöglicht?

Uns als Insekten könnte das natürlich egal sein. Wir sind ja nur Insekten. Das ‚Reich der Toten‘ interessiert viele nicht. Für sie gibt es nur Staub.

Aber seltsamerweise reicht das vielen von uns nicht; denn wir haben einen fragenden und suchenden Verstand mitbekommen.

Wir fragen uns immer nach dem ‚Woher‘ und ‚Wohin‘, nach den Ursachen, dem Sinn und nach einem ‚Urgrund‘ – oder auch nach einem Schöpfer.“

Woher- Wohin

Eine Einladung zum – gemeinsamen – Reisen ins Ungewisse

Begonnen in Bad Birnbach im August 2016

Unsere Grundlagen sollen sein:

1. Ich weiß nichts
2. Ich suche

Wer also meint, er wisse etwas und wer meint, er müsste nichts mehr suchen:

Bitte nicht einsteigen!

Warum nicht?

a) Wer etwas weiß und wer nichts sucht, braucht diese Reise nicht.

b) Die Anderen brauchen einen solchen Reisegefährten nicht; denn: was sollen wir mit einem Reisegefährten , der bereits angekommen ist, bevor wir uns auf die Reise begeben? Und was soll er mit uns anfangen?

c) Wer allerdings meint, er könne vielleicht schon etwas wissen und meint, er könne vielleicht dennoch etwas Neues finden, bitte einsteigen: der gefahrlose Ausstieg ist bei dieser virtuellen Reise ja jederzeit möglich.

Also, nun geht’s los:

Schon seit jeher gingen die Menschen auf Reisen: Zu Fuß oder mit einem Hilfsmittel. Lassen wir die „modernen“ Hilfsmittel wie das Auto, den Zug oder das Flugzeug außer Betracht und betrachten wir die Tiere als Lebewesen mit eigener Seele und nicht als domestizierte „Hilfsmittel“ für den Menschen , so bleibt eigentlich neben unseren Füßen nur das Boot.

Stellen wir uns unsere Reise daher am besten als eine Schiffsreise vor: Nicht auf einem großen Ozeanriesen, dem man fälschlicherweise Unsinkbarkeit zutraut, aber auch nicht auf einem Flussschiff mit bequemen Kabinen und ständigen Schlemmangeboten, sondern als eine Reise auf einem kleinen oder auch größeren Holzboot, das flach auf dem Wasser liegt, wenigen oder auch vielen Reisenden Platz bietet, auf einem Fluss dahingleitet, mit Stromschnellen und Untiefen kämpft oder auch auf einem See oder dem Meer irgendeinem Ufer zustrebt. Angetrieben wird das Boot vom Wind und mit Segeln oder mit Rudern und unserer Kraft.

Bevor das Boot ablegt, sollten wir einige Regeln für die Fahrt festlegen:

a) Jeder Reisende sollte versuchen, so ehrlich zu sein, wie er kann.

b) Jedes Wort, jede Behauptung kann und sollte nach Möglichkeit hinterfragt werden. Nichts ist selbstverständlich.

c) Das Boot steht jedem offen. Jeder kann jederzeit zu- oder wieder aussteigen.

d) Kritik ist gewollt und ausdrücklich erlaubt.

e) Beschimpfungen anderer sind möglich und zulässig –das Verachten anderer jedoch nicht.

 

Erster Test für die Bootsreise

Ein Mitreisender fragt

Der Bootsführer antwortet

Der Erste Mitreisende erwidert

Der Kohldampf

Sie sagte ihm ganz liebevoll,
dass er sie immer lieben soll.
Er hat sie nicht mal angeblickt,
war auf dem Stuhle eingenickt.
Das nahm sie ihm gar übel sehr,
und kochte ihm kein Essen mehr.
Die Beine blieben auch geschlossen,
das hat ihn dann noch mehr verdrossen.
Am Schluss dann, nach zwei Hungerwochen,
da kam er wieder angekrochen.
Er sprach: „Ich will dich immer lieben,
nur lass‘ mich nicht mehr Kohldampf schieben.“

Kindererziehung in der Bahn

Das Kind blickt trotzig, zornig, wollend,
die Mutter hält es sanft zurück.
Nun tritt es noch, die Augen rollend,
rutscht gar von ihrem Schoß ein Stück.
Doch sieh‘ nur an, was jetzt geschieht,
wie sie das wilde Ding erzieht:
Ein Mutterwort ins Ohr hinein
-schon strahlt das Kind wie Sonnenschein.

Drei Limericks

Nach langem und gründlichem Wählen
tat sich Bauer Toni vermählen.
Die liebliche Frau
ist hübsch und auch schlau
nur kann sie Kartoffeln nicht schälen.

 

Im Isartal liegt ohne Hose
so manches Pärchen im Moose.
Man lernt dort zu zwein
Physik und Latein
und trinkt dabei Bier aus der Dose.

 

Es gab eine Ehe in Stade
die war schon verbraucht und auch fade.
Der Mann dann entwich,
indem er verblich.
Die Frau fand das blöd, doch nicht schade.