Der Mensch im Krankenhaus

Sehr wichtig ist das Krankenhaus:
Kaum bist du drin, schon willst du raus.
Du kriegst zu essen und Arznei
und denkst: „Gottlob ist‘s bald vorbei.“

Am Morgen kommt die Arzt-Visite.
Er fragt: „Wie geht’s uns heute bitte?“
Das fragt er aber überall.
Die Antwort ist ihm eher egal.

Der Chirurg, der Internist
wissen nicht, wie schlimm’s dort ist.
Die Schwestern und die Krankenpfleger
Sind freundlich und auch Wasserträger.

Sie waschen dich, ganz ohne Scheu,
und werden nicht mal rot dabei.
Vorm Essen fragt die Schwester nett,
was man denn morgen gerne hätt‘.

Am Nachmittag kommt der Besuch.
Von manchem hast du schnell genug.
Und zur Nacht denkst du ganz leis:
„Morgen gibt’s denselben Scheiß.“

Der Landtagsabgeordnete

Ich bin im Landtag, ich bin wichtig.
Speise teuer und auch richtig.
Bin in der richtigen Partei;
das andre ist mir einerlei.

Trink vom Besten, doch mit Maß.
Kunstvoll führe ich das Glas
zum Mund, der immer etwas sagt,
nie kräftig jammert, selten klagt.

Small Talk ist Passion von mir,
oft mit ihm und auch mit ihr.
Immer bin ich mittendrin,
manchmal ohne, mal mit Sinn.

Vieles hab ich im Gehirn,
den Feinden biete ich die Stirn.
Die Freunde halt ich mir vom Leib –
das ist mein schönster Zeitvertreib.

Das Leben ist ein Kabarett,
der Mann wird dick, die Frau wird fett.
Und am End‘, das weiß man schon:
kommt der Tod nach der Pension.

Die Weisheit

Jugendzeit, die übervolle:
Die Weisheit spielt noch keine Rolle.

Erwachsnenalters Blütezeit:
Die Weisheit ist noch ganz, ganz weit.

Im Abendsonnenschein des Lebens:
Die Weisheit suchst du stets vergebens.

In des Todes düstrer Stunde
tritt die Weisheit in die Runde.

Sie fragt: „Warst du im Leben glücklich?
Dann komm zum Himmel – augenblicklich!“

Waldgedanken

Oktobersonne am Waldessaum.
Heiß ist es, man glaubt es kaum.

Hat das Klima sich erhitzt?
Fragen manche ganz gewitzt.

Nein, es war schon immer so.
Klimawandel? Ach, i wo!

Wer hat Recht, wir werden sehn –
doch heute ist die Welt sehr schön!

Späte Pilze stehen stumm
in dem feuchten Moos herum.

Äschen in dem Kraftwerksgraben,
die sich an Herbstes Fliegen laben.

Lieber Gott, lass diese Sonne
auf uns scheinen noch ein Weilchen,
dann ist das Leben eine Wonne.
Vom Ganzen sind wir nur ein Teilchen.