Des Huhnes Problem

Illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart
Illustriertes Gedicht von Berndt Baumgart

Des Huhnes Problem

Auf einem alten Odelfass

saß ein Huhn und wurde nass,

denn es schüttete gar sehr.

Der Regen nahm kein Ende mehr.

„Was soll ich tun?“, das Huhn sich fragt.

Zitternd es sein Los beklagt.

„Im Hühnerstall, da wär es schön.

Ich brauchte nur hineinzugeh‘n.

Doch dort ist der geile Hahn,

den ich nicht ertragen kann“.

Das Huhn blieb sorgend auf dem Fleck.

Die dunklen Wolken zogen weg

und warme Sonne kam heraus.

Schon war des Huhnes Sorge aus.

Der arme Mann im Fango-Bett

In der Reha gibt es Fango,
ist gesünder noch als Tango,
bei dem man das Gelenk verdreht,
was bei der Reha gar nicht geht.

Du liegst auf einem Wasserbett,
gemütlich-warm und einfach nett,
verpackt in wohlig-weichen Decken,
kannst du nunmehr im Schlaf verrecken.

In der Kabine Nummer zwei,
da schnarcht ein fetter Mann, o wei.
Er wälzt sich hin und wälzt sich her,
die Schwestern schwatzen nebenher

in ihrem Raum mit ganz viel Zeit;
sie lieben die Gemütlichkeit,
die „Stress“ sie nennen. Nur warum?
Dem Dichter bleibt die Feder stumm.

Da, der Alte fällt vom Bett,
auf den Boden, gar nicht nett,
„Hilfe“, schreit er, „helft mir doch“,
Schwestern sind im Schnatterloch.

Hör’n nicht, wie der Alte schreit,
armer Mann, er tut mir leid,
doch das Notseil mir gebricht,
helfen kann ich deshalb nicht.

Mann liegt unten, Fango drauf,
er hört mit dem Schreien auf.
Die Decke liegt daneben,
ganz traurig ist das Leben.

Der Fango drauf verschmutzt ihn sehr,
die Schwestern schnattern immer mehr.
Jetzt ist die Fango-Zeit herum,
die Schwestern sagen nun ganz dumm:

„Solch eine große Sauerei,
und Hilfe rief er nicht herbei!“
Das war sein schönster Fango-Tag,
an den er nicht mehr denken mag.

Illustrierte Gedicht von Berndt Baumgart
Illustrierte Gedichte

Das gar unordentliche Schnabeltier

Nicht jeder kennt das Schnabeltier,
es ist nun mal kein Fabeltier
und selten nur im Zoo zur Hand,
wo manche Tierart Zuflucht fand.

Es ist ein lebendes Fossil,
kein Vogel und auch kein Reptil,
und wenn man es genau beäugt,
wird klar, dass es die Jungen säugt.

Nun wendet gleich der Kenner ein:
„Es wird ein Säugetier wohl sein.“
Doch falsch, Herr Zoologe Meier:
Das Schnabeltier legt nämlich Eier.

Dazu es einen Schnabel hat,
recht entenähnlich, breit und platt;
kurz, dass im Tiersystem es man
nicht richtig unterordnen kann.

Was nicht sein darf, das kann nicht sein:
Schnell ordnete das Tier man ein
als Teil der Monotremata –
denn schließlich ist es nun mal da.

Gar manche hassen wie die Pest,
was sich nicht eingruppieren lässt;
sie halten es voll Abscheu nur
für einen Fehler der Natur.

Ganz wurscht ist dies dem Schnabeltier,
viel älter ist es schon als wir,
lebt ordnungslos, doch vielleicht weit
noch nach des Menschen Erdenzeit.

Gedichte von Berndt Baumgart - Illustriert von Nadia Baumgart
Das gar unordentliche Schnabeltier – Illustrierte Gedichte

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