Dialog mit dem Spiegel

„Ich bitt‘ dich, Spiegel, schau‘ mich an“.
„Scher‘ dich doch fort, du alter Mann.
Hab‘ schon viel bessere geseh’n,
intelligent und wunderschön“.

„Rahmen aus Gold, den schenk‘ ich dir!“
„Ach Mann, du bist so gut zu mir.
Entschuldige den bösen Ton;
ich liebe dich doch, immer schon“.

Gedankenallergie

Bin allergisch gegen Denken.
Dieses Werk will ich mir schenken.
Die Zeilen fließen von allein.
Ich bin Genie, so muss es sein.

Gedankenlos schreib ich mein Buch,
denn zu viel Denken ist ein Fluch.
Gedankens Blässe muss nicht sein.
Die Verse flattern leicht herein.

Wenn ein Gedanke mich sehr stört,
dann finde ich das unerhört.
Schiebe ihn weg, ganz ohne Scheu,
und fühle mich sehr wohl dabei.

Fertiggedanken nehm‘ ich gern,
denn sie berühren mich im Kern.
Nicht alles, was von andern kommt,
dem guten Werke schlecht bekommt.

Ich schreibe täglich, unverwandt,
und dadurch werde ich bekannt.
Kommt ein Gedanke zu mir her,
dann schreib‘ ich ihn, das ist nicht schwer.

So schreibe ich an jedem Tag.
Es lese, wer es lesen mag.
Schicksal mag mein Schreiben lenken.
Bin allergisch gegen Denken.

Der Waldbrand

Aus heiterem Himmel kommt ein Blitz.
Ich dachte erst, es sei ein Witz.
Ganz dunkelrot der Wald erglüht,
so wie man es im Film nur sieht.

Am Himmel grinst der Höllenhund,
es tut sich auf ein Feuerschlund.
Das Haus verbrennt, scharf sticht die Luft.
Der Menschen Reichtum ist verpufft.

Des Waldes Boden, dunkelbraun,
sehr traurig ist er anzuschaun.
Doch nächstes Jahr zur Frühlingszeit,
sprießt neues Leben weit und breit.

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Bach und Biber

Der Bach mäandert durch das Tal.
Die Tiere dort in großer Zahl.
An seinem Ufer Büsche steh’n.
Als Kinder fanden wir ihn schön.

Die Sonne gibt ihm Spiegelbild.
Mal fließt er sanft und manchmal wild.
Ich denke an die Kinderzeit,
die lang vorbei, das tut mir leid.

Ein Biber fraß die Bäume auf!
Der Bach verändert seinen Lauf.
So ist er immer wieder neu.
Der Biber macht das Wasser frei.

Der alte Feldweg

Bin hier seit zwölfhundert Jahren,
vor mir war es ein Römerweg.
Kutschen sind auf mir gefahren,
hinten kommt aus Holz ein Steg.

Ritter, Bauern und Kanonen,
befuhren mich zu ihrer Zeit.
Heute fliegen oben Drohnen;
der Krieg bringt immer Menschenleid.

Wenn die Heutezeit vergangen,
werde ich nur ein Feldweg sein.
So, wie Tiere auf mir sprangen,
wird es im neuen Frieden sein.

Wahlkampf

Im Wahlkampf geht es feurig her,
wer hier denn nur der Beste wär.
Sie streiten sich, so ist es recht;
DIES ist sehr gut, und DAS ist schlecht.
DU weißt es nicht, doch ICH weiß, wie –
So lebt bei uns Demokratie.
Wir wählen gerne, dann und wann,
das ist es, was man machen kann.
Berlin, Europa, Kommunal,
viel Wahlen gibt es an der Zahl.
Am Ende ändert sich nicht viel –
Doch wir spielen gern dies Spiel!