Der Mensch und das Wetter

Der Mensch und das Wetter

„Das Wetter ist so störrisch dieses Jahr.

Es ist nicht mehr, so wie es früher war.

Hat denn der blöde Himmel nichts gelernt?

Vom Guten ist das alles weit entfernt.

Im Winter darf es schneien, nicht zu viel.

Und wärmer dann im Sommer, wenn Mensch will.

Alles ganz ruhig und schön gemäßigt nur

Von Kapriolen woll’n wir keine Spur.“

So fing des Wetters Umerziehung an.

Mit Flugzeugen und Bomben es begann.

Die Menschen fluchten, schrien rundheraus:

 „Wir treiben dir die bösen Flausen aus!“

Das Wetter dachte sich: “Du armer Tropf.“

Es warf ihm dicken Hagel auf den Kopf.

Mit Blitz und Sturmflut machte es ihn weich.

„Ich hab‘ die Herrschaft auf dem Erdenreich.“

Coronagedicht

Lasst uns solidarisch sein

und im eignen Heim erfreun.

Draußen ist es kalt und nass –

zu Hause macht das Leben Spaß.

Immerfort die Heizung brummt,

wenn man will, zu jeder Stund.

Essen gibt es nur “to go”,

das macht alle Menschen froh.

Die Politik für jeden sorgt:

Dem Gastwirt wird viel Geld geborgt.

Reicht es nicht, hat er „gelost“.

Das erzeugt bei manchem Frust.

Erlaubt ist alles ohne Lust.

Das Volk säugt an der Mutterbrust.

Wie dem auch sei – es geht  vorbei.

Und der Bayer sagt: „Ja mei.“

Lasst uns solidarisch sein

und uns an dem Leben freun.

Coronagedicht von Berndt Baumgart

Grund zum Feiern

Zwei Dinge, die man besser lässt,
sind Ostern und das Weihnachtsfest.
Das religiöse Ritual
bedeutet vielen eine Qual.

Am besten ists mit Toleranz:
Der eine lässt das Feiern ganz,
der andre suhlt sich im Gewühl,
weil seine Seele es so will.

Zum dritten Weg ist es noch weit:
Zur Liebe und zur Menschlichkeit.
Ist diese auf dem Erdenrund,
gibt es zum Feiern jeden Grund.

Der arme Mann im Fango-Bett

In der Reha gibt es Fango,
ist gesünder noch als Tango,
bei dem man das Gelenk verdreht,
was bei der Reha gar nicht geht.

Du liegst auf einem Wasserbett,
gemütlich-warm und einfach nett,
verpackt in wohlig-weichen Decken,
kannst du nunmehr im Schlaf verrecken.

In der Kabine Nummer zwei,
da schnarcht ein fetter Mann, o wei.
Er wälzt sich hin und wälzt sich her,
die Schwestern schwatzen nebenher

in ihrem Raum mit ganz viel Zeit;
sie lieben die Gemütlichkeit,
die „Stress“ sie nennen. Nur warum?
Dem Dichter bleibt die Feder stumm.

Da, der Alte fällt vom Bett,
auf den Boden, gar nicht nett,
„Hilfe“, schreit er, „helft mir doch“,
Schwestern sind im Schnatterloch.

Hör’n nicht, wie der Alte schreit,
armer Mann, er tut mir leid,
doch das Notseil mir gebricht,
helfen kann ich deshalb nicht.

Mann liegt unten, Fango drauf,
er hört mit dem Schreien auf.
Die Decke liegt daneben,
ganz traurig ist das Leben.

Der Fango drauf verschmutzt ihn sehr,
die Schwestern schnattern immer mehr.
Jetzt ist die Fango-Zeit herum,
die Schwestern sagen nun ganz dumm:

„Solch eine große Sauerei,
und Hilfe rief er nicht herbei!“
Das war sein schönster Fango-Tag,
an den er nicht mehr denken mag.

Illustrierte Gedicht von Berndt Baumgart
Illustrierte Gedichte