Der Gänsesäger

Kaum jemand kennt den Gänsesäger,

denn Gänse sägen kann nicht jeder.

Sein Schnabel ist gesägt und spitz,

und Fische frisst er – ohne Witz.

Der Schnabel vorn nach unten geht,

was beim Hinschaun man versteht.

Des Weibchens Schopf ist bräunlich-wild,

wie man es sieht auf manchem Bild.

Das Männchen schwimmt in stolzer Pracht:

Kopf, Rücken, schwarz – so wie die Nacht.

Unten weiß, ganz wie ein Schwan,

wir mögen dich, du Sägemann.

Blick nach vorn

Größer, weiter, länger, mehr:

Die Welt verneigt sich vor Rekorden.

Normales zählt heut nicht so sehr.

Immer schriller schrein die Horden.

Wo wird das alles hin uns führen?

Was ist noch wert das kleine Glück?

Das, was wir in uns selber spüren,

gibt uns die Menschlichkeit  zurück.

Ich will froh in die Zukunft schauen,

lass mir das Leben nicht versauern.

Auf Träumen meine Brücken bauen,

und so mag es noch lange dauern.

Gedichte von Berndt Baumgart

Einfache Lösung

Wir flüchteten in die Natur.

Vom Himmel sah‘n wir keine Spur.

Es war trübe und auch kalt.

Wir fühlten müde uns und alt.

Da, schau mal hin, was ist denn das?

Ein Rotkehlchen sitzt auf dem Gras.

Es blinzelte uns freundlich zu.

Verflogen war  der Frust im Nu.

Gedicht von Berndt Baumgart – Illustration von Nadia Baumgart

Der Problemwolf

Ein Wolf aus den Karpaten

zum Mittelmeer wollt wandern.

Die Bären waren Paten.

Ihn lockte es nach andern

kleinen Wölfen im Revier;

denn er war ein Neugiertier.

So lief er viele Tage,

die Menschen wollt‘ er meiden;

sie war‘n ihm eine Plage

und konnten Wolf nicht leiden.

Die Alpen überquert er,

kam danach in Spanien an.

Seine Wölfin liebt er sehr,

und zwei Welpen kamen dann.

Die Jäger von den Farmen,

sie waren ohne Gnade

und hatten kein Erbarmen.

Ums Wölflein war es schade.

Doch schon im nächsten Jahre,

da wanderten die Jungen

bis hin zu den Karpaten.

Die Bären wurden Paten.

Das Problemschaf

Ein kleines Schaf lief frei herum

im schönen Ort  Bad Bürgersbrunn.

Der Menschen Angst war ziemlich groß:

Was will das weiße Schaf denn bloß?

 

Vielleicht unsre Katzen quälen,

sich mit einem Hund vermählen?

Warum ist’s nicht auf der Weide?

Ist es christlich oder Heide?

 

Schäflein  brachte viele Fragen.

Keiner wusste recht zu sagen,

wofür im Ort es nütze sei.

Es lief herum, war einfach frei.

 

Am Kinderwagen schnüffelt’s gar-

die Mutter voller Panik war.

Und so hat der Rat beschlossen:

Dieses Schaf gehört erschossen.

Illustration von Nadia Baumgart