Wir Menschen

Wir leben hier, uns geht es gut;
das andere ist scheißegal.
Solang uns niemand Böses tut,
sind wir friedlich, allemal.

Wenn aber fremde Invasoren
unsre Grenzen glatt missachten,
dann hauen wir Sie auf die Ohren
und lassen sie im Meer verschmachten.

Max und Elke

Max B und Elke Hecht,
sie waren im Gefecht.

Mal war sie unten, mal ganz oben;
sie konnte ihren Max nur loben.
Er war gelenkig wie sonst keiner,
und noch viel kräftiger als Reiner.

So ging die Schlacht lang hin und her,
am Ende konnte Max nicht mehr.

Elke sprach des Lobes voll:
„Für den Anfang schon ganz toll.“

Ostergedicht

Ostern ist sonnig, es gibt keinen Regen.
Wir sind hier im Frühling, genießen das Licht.
Der Mensch will es hell, die Sonne bringt Segen.
Die heiße Zerstörung erkennen wir nicht.

Auf Erden herrscht Frieden, so denken viele.
Es gibt viele Kriege, beschwert sich der Tor.
Kämpfe sind draußen, im Herzen ist Stille;
es wird alles werden, kommt jetzt nur so vor.

Machen wir weiter, genießen die Sonne,
wertlosen Golfrasen, vergüllendes Feld.
Fressen die Schweinderl, o welch große Wonne,
es kann auch das Lamm sein in der Christenwelt.

Der Frühling

Im Frühling kommt die Lebenslust,
der Sänger schreit aus voller Brust;
die Sopranistin kreischt noch mehr –
wo kommen nur die Töne her?

Die Autos fahren schnell vorbei.
Das Rasen ist in Deutschland frei.
Beim Lenze wird das Fahren schön –
Im Cabrio die Haare weh‘n.

Natur und Klima sind uns wurscht,
wir trinken einen für den Durscht;
den Regen braucht der Mensch nicht mehr,
nur Strom und Treibstoff müssen her.

Bald ist die Frühlingslust davon,
vom Sänger kommt ein Klageton.
Die Sopranistin krächzt ganz leis:
Zu hoch war unsres Wohlstands Preis.

Die Kunstausstellung

Besucher 1:
Ihre Ausstellung ist wunderschön.
Die Fotografien sind wunderbar, wie im richtigen Leben.
Am besten gefällt mir das Bild mit der großen Schafherde.
Dahinter kann man schön die Starkstromtrassen sehen.
Ich habe sie früher selbst aufgebaut.

Künstlerin:
Aha.
Eigentlich wollte ich eher die Natur darstellen,
und die noch vorhandenen Schäfer und den Rest der Natur, wie der Text darunter zeigt.

Besucher1:
Das interessiert mich nicht. Ich liebe die Stromtrassen.

Künstlerin:
Ach so.

Besucher2:
Die wunderschönen Aquarelle daneben – von wem sind die?

Künstlerin:
Wie bitte?

Besucher2:
Ja, die tollen Aquarellbilder, wo kommen die her?

Künstlerin:
Von mir natürlich, ich habe sie gemalt.
Es ist ja MEINE Ausstellung!

Besucher2:
Ach so, das konnten wir ja nicht wissen.
Wir dachten, Sie hätten die Fotos gemacht.

Künstlerin:
Aber auf meinem Text steht doch: „Fotos und Aquarelle.“

Besucher2:
Ach so.

Partner (scherzend):
Die Aquarelle wurden bei Lidl gekauft.

Niemand fand das richtig lustig. Aber es lockerte die Stimmung.

Karl und Klara im Park

Karl und Klara gingen heute
in dem großen Park spazieren.
Dort blickten sie durch alte Leute,
weil Junge sich nicht interessieren
für die schrumpeligen Alten –
humpelnd, zitternd und zu fade,
an den Stöcken und mit Falten.
Dafür sind sie sich zu schade.

Junge Leute, voller Liebe,
wollen nur zu ihresgleichen.
Nach dem kurzen Frühlingstriebe
sie die Seniorenzeit erreichen.
Auch ihr Leben bleibt nicht stehen,
werden bald nicht mehr gesehen.
Karl und Klara gingen heute
in den Park – und hatten Freude.