Roulade

Heute gibt es Rindsroulade,
die ist gut und schmeckt nicht fade.
Schöne Knödel, dunkle Sauce,
und das Rotkraut aus der Dose.

Delikates Seelenessen;
Politik will ich vergessen.
Gut gefüllt ist jetzt der Magen.
Einen Schnaps könnt ich vertragen.

Nicht, dass man mich falsch verstehe;
es geschieht das, was geschehe.
Völkermord und Bomben fallen.
Hoffnungslosigkeit bei allen.

Bei vielen kommt die Frage hoch:
Ist Krieg und Tod des Menschen Joch?
Dichter hat die Schreibblockade.
Manchmal hilft die Rindsroulade.

Rezept zur Freude

Sei freundlich stets zu jedermann;
denn so man nur gewinnen kann.
Zeig‘ deine Zähne, weiß und schön.
Sei brav und lass dich niemals gehn.

Wenn alle sagen „Der ist lieb“,
bist du ein rechter Herzensdieb.
Es geht dir gut auf dieser Welt,
auch, wenn dir manches nicht gefällt.

Du hast nur Freunde, keinen Feind,
und jeder gut es mit dir meint.
Dann sinkst du fröhlich in das Grab.
So gut wie dich es keinen gab!

Der Coach

Ich zeige dir den Weg zum Glück.
Geh‘ stets nach vorn und nie zurück.
Mein Ratschlag ist Millionen wert.
Dem geht es gut, der auf mich hört.

Sei nur du selbst, dann geht’s dir gut.
Ich geb‘ dir täglich neuen Mut.
Weiß ganz genau, was gut, was schlecht.
Meine Empfehlung ist stets recht.

Ich werde immer bei dir sein.
Bezahlst du mich, dann bin ich dein
mit gutem Rat an jedem Ort.
Bezahlst du nicht, dann bin ich fort.

Dialog mit dem Spiegel

„Ich bitt‘ dich, Spiegel, schau‘ mich an“.
„Scher‘ dich doch fort, du alter Mann.
Hab‘ schon viel bessere geseh’n,
intelligent und wunderschön“.

„Rahmen aus Gold, den schenk‘ ich dir!“
„Ach Mann, du bist so gut zu mir.
Entschuldige den bösen Ton;
ich liebe dich doch, immer schon“.

Kochen oder nicht

Ich schneide jetzt die Zwiebel,
doch dabei wird mir übel,
und meine Tränen fließen.
Jetzt muss ich auch noch niesen.

Gut kochen für das Leben,
es ist mir nicht gegeben.
Warum soll ich mich stressen?
Ich geh‘ im Gasthaus essen.

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Wahlkampf

Im Wahlkampf geht es feurig her,
wer hier denn nur der Beste wär.
Sie streiten sich, so ist es recht;
DIES ist sehr gut, und DAS ist schlecht.
DU weißt es nicht, doch ICH weiß, wie –
So lebt bei uns Demokratie.
Wir wählen gerne, dann und wann,
das ist es, was man machen kann.
Berlin, Europa, Kommunal,
viel Wahlen gibt es an der Zahl.
Am Ende ändert sich nicht viel –
Doch wir spielen gern dies Spiel!

Max, der Hund

„Gib Pfötchen, Max,“ Frau Brummer sagt,
weil ihr die Dominanz behagt.
„Dein Max ist aber wirklich lieb,
vergisst ganz seinen Mannestrieb,“
lobt sie die Ann, lang Witwe schon,
und krault ihn frech in dem Salon.
Als Max das rechte Beinchen hebt,

Frau Brummers Schrei im Raume schwebt.

Das Zitieren

Heute wird sehr viel zitiert –
und die Meinung scheint fundiert.

Einstein, der ist sehr beliebt;
denn den klugen Hauch er gibt.
Shakespeare, Dante und Rousseau
funktionieren ebenso.

Mao, Lenin, Seneca,
auch Picasso war schon da.
Charlie Chaplin mit viel Lust,
Plato, Goethe und auch Proust.

Eh man den Verstand verliert,
nimmst du den, der grad regiert.
Wer die Schule hat geschwänzt,
heute so beim Smalltalk glänzt.

Andre denken, du seist klug
Du zitierst – das ist genug.

Neulich war ich sehr verwirrt,
da hat jemand mich zitiert!

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#gedichte