Friedhof der Erinnerungen

Auf diesem Friedhof ist begraben
das, was man früher einmal dachte.
Viel, was wir längst vergessen haben,
alles vermodert hier ganz sachte.

Der Sozialismus, Kommunismus,
Demokratie und Religionen.
Am Ende kommt der Terrorismus.
Das Sterben soll sich wieder lohnen.

Ganz schaudernd wir die Gräber schauen.
Ein Riesen-Grabstein steht ganz hinten.
Wir lesen drauf mit großem Grauen:
„Die Zukunft ist im Grab zu finden. „

Überlebensglück

In dem Käse kriechen Maden.
Fliege hängt am Spinnenfaden.
Der Fliege Leben ist vorbei.
Den Maden ist das einerlei.

Sie leben im Schlaraffenland.
Die Not ist ihnen unbekannt.
Sie krabbeln hin und wimmeln her,
Ihr Leben ist ohne Beschwer.

Bei den Menschen ist es ähnlich.
Es ist gar nicht ungewöhnlich.
Der eine frisst, der andre stirbt.
Ein schwaches Wesen bald verdirbt.

Rezept zur Freude

Sei freundlich stets zu jedermann;
denn so man nur gewinnen kann.
Zeig‘ deine Zähne, weiß und schön.
Sei brav und lass dich niemals gehn.

Wenn alle sagen „Der ist lieb“,
bist du ein rechter Herzensdieb.
Es geht dir gut auf dieser Welt,
auch, wenn dir manches nicht gefällt.

Du hast nur Freunde, keinen Feind,
und jeder gut es mit dir meint.
Dann sinkst du fröhlich in das Grab.
So gut wie dich es keinen gab!

Der Coach

Ich zeige dir den Weg zum Glück.
Geh‘ stets nach vorn und nie zurück.
Mein Ratschlag ist Millionen wert.
Dem geht es gut, der auf mich hört.

Sei nur du selbst, dann geht’s dir gut.
Ich geb‘ dir täglich neuen Mut.
Weiß ganz genau, was gut, was schlecht.
Meine Empfehlung ist stets recht.

Ich werde immer bei dir sein.
Bezahlst du mich, dann bin ich dein
mit gutem Rat an jedem Ort.
Bezahlst du nicht, dann bin ich fort.

Gedankenallergie

Bin allergisch gegen Denken.
Dieses Werk will ich mir schenken.
Die Zeilen fließen von allein.
Ich bin Genie, so muss es sein.

Gedankenlos schreib ich mein Buch,
denn zu viel Denken ist ein Fluch.
Gedankens Blässe muss nicht sein.
Die Verse flattern leicht herein.

Wenn ein Gedanke mich sehr stört,
dann finde ich das unerhört.
Schiebe ihn weg, ganz ohne Scheu,
und fühle mich sehr wohl dabei.

Fertiggedanken nehm‘ ich gern,
denn sie berühren mich im Kern.
Nicht alles, was von andern kommt,
dem guten Werke schlecht bekommt.

Ich schreibe täglich, unverwandt,
und dadurch werde ich bekannt.
Kommt ein Gedanke zu mir her,
dann schreib‘ ich ihn, das ist nicht schwer.

So schreibe ich an jedem Tag.
Es lese, wer es lesen mag.
Schicksal mag mein Schreiben lenken.
Bin allergisch gegen Denken.

Der Waldbrand

Aus heiterem Himmel kommt ein Blitz.
Ich dachte erst, es sei ein Witz.
Ganz dunkelrot der Wald erglüht,
so wie man es im Film nur sieht.

Am Himmel grinst der Höllenhund,
es tut sich auf ein Feuerschlund.
Das Haus verbrennt, scharf sticht die Luft.
Der Menschen Reichtum ist verpufft.

Des Waldes Boden, dunkelbraun,
sehr traurig ist er anzuschaun.
Doch nächstes Jahr zur Frühlingszeit,
sprießt neues Leben weit und breit.

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