Gedankenallergie

Bin allergisch gegen Denken.
Dieses Werk will ich mir schenken.
Die Zeilen fließen von allein.
Ich bin Genie, so muss es sein.

Gedankenlos schreib ich mein Buch,
denn zu viel Denken ist ein Fluch.
Gedankens Blässe muss nicht sein.
Die Verse flattern leicht herein.

Wenn ein Gedanke mich sehr stört,
dann finde ich das unerhört.
Schiebe ihn weg, ganz ohne Scheu,
und fühle mich sehr wohl dabei.

Fertiggedanken nehm‘ ich gern,
denn sie berühren mich im Kern.
Nicht alles, was von andern kommt,
dem guten Werke schlecht bekommt.

Ich schreibe täglich, unverwandt,
und dadurch werde ich bekannt.
Kommt ein Gedanke zu mir her,
dann schreib‘ ich ihn, das ist nicht schwer.

So schreibe ich an jedem Tag.
Es lese, wer es lesen mag.
Schicksal mag mein Schreiben lenken.
Bin allergisch gegen Denken.

Der Waldbrand

Aus heiterem Himmel kommt ein Blitz.
Ich dachte erst, es sei ein Witz.
Ganz dunkelrot der Wald erglüht,
so wie man es im Film nur sieht.

Am Himmel grinst der Höllenhund,
es tut sich auf ein Feuerschlund.
Das Haus verbrennt, scharf sticht die Luft.
Der Menschen Reichtum ist verpufft.

Des Waldes Boden, dunkelbraun,
sehr traurig ist er anzuschaun.
Doch nächstes Jahr zur Frühlingszeit,
sprießt neues Leben weit und breit.

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Der alte Feldweg

Bin hier seit zwölfhundert Jahren,
vor mir war es ein Römerweg.
Kutschen sind auf mir gefahren,
hinten kommt aus Holz ein Steg.

Ritter, Bauern und Kanonen,
befuhren mich zu ihrer Zeit.
Heute fliegen oben Drohnen;
der Krieg bringt immer Menschenleid.

Wenn die Heutezeit vergangen,
werde ich nur ein Feldweg sein.
So, wie Tiere auf mir sprangen,
wird es im neuen Frieden sein.

Der alte Löwe

Ab 60 wird das Leben schön,
muss nicht mehr lang zur Arbeit geh’n.
Jetzt kommt die schöne, freie Zeit;
bis zu dem Tode ist’s noch weit.
Kann auf die Verwandtschaft pfeifen;
ein Rentnerleben, das muss reifen.
Ab 70 ist der Kampf vorbei.
Verwandtschaftskram ist einerlei.
Kann jetzt so leben, wie ich mag,
und freue mich auf jeden Tag.

Ein Arzttermin kommt ab und zu,
wenn es nicht schlimm ist, hab‘ ich Ruh‘.
Doch leider kommt es anders oft,
und nicht so schön, wie ich erhofft.
Der alte Löwe brüllt nicht mehr,
den Brüllen fällt ihm jetzt sehr schwer.
Die Zähne fallen ihm heraus –
mit Löwenmähne ist es aus.
Die Weiber schaun ihn nicht mehr an,
es ist vorbei, du Löwenmann.

Und bei dem ganzen Ach und weh,
recht glücklich durch die Tage geh‘.
Genieße das, was jetzt noch geht,
für Freude ist es nie zu spät.

Wahlkampf

Im Wahlkampf geht es feurig her,
wer hier denn nur der Beste wär.
Sie streiten sich, so ist es recht;
DIES ist sehr gut, und DAS ist schlecht.
DU weißt es nicht, doch ICH weiß, wie –
So lebt bei uns Demokratie.
Wir wählen gerne, dann und wann,
das ist es, was man machen kann.
Berlin, Europa, Kommunal,
viel Wahlen gibt es an der Zahl.
Am Ende ändert sich nicht viel –
Doch wir spielen gern dies Spiel!

Endloser Winter

Der Herbst war schön, das Wetter mild;
im Garten wurde noch gegrillt.
Die Menschen waren wirklich froh,
es war ja schon seit Jahren so.

Die weiße Weihnacht gab es nicht;
das ist auch nicht des Wetters Pflicht.
Wir wanderten im grauen Wald.
Das Herz war froh, die Füße kalt.

Dann kam ein rauer Januar;
gefroren war das Schnurrbarthaar.
Es fiel der Schnee, und immer mehr.
Eisregen macht das Leben schwer.

Die Sonne schien nur sehr gequält.
Vitamin D den Menschen fehlt.
Ach komme bitte, Frühlingszeit!
„Ich bin fast da, bald ist’s so weit!“

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