Abendtraum

Illustriertes Gedicht über Todesflucht
Abendtraum – Ein Gedicht von Berndt Baumgart

Abendtraum

An einem alten Eichenstamm

saß ich in einem Traume.

Gedanken flogen sanft heran

in einer Abendlaune.

Ich sah den dunklen Himmel an.

Die Sterne funkelnd hell.

Es zog der Mond die alte Bahn.

Der Tag verging so schnell.

Des Baumes Wipfel raunt mir zu:

Du lieber, dummer Narr!

Dein Leben, das vergeht im Nu –

Doch ich bleib länger da.

Nein, rief ich in des Baums Geäst –

Ich komm zu dir geschwind.

Wenn du mich auf dich klettern lässt,

der Tod mich dort nicht find‘t.

Und als die Kron‘ erreicht ich fast,

ein spöttisch Lied im Sinne,

da saß der Tod auf einem Ast

und sprach mit leiser Stimme:

Ich dachte schon, du kommst nicht mehr.

Nun ist es doch geschehen.

Mein lieber Freund, ach komm nur her,

lass uns gemeinsam gehen.

Schreiben heute

Schreiben heute


Die Journalisten treffen sich:

Was ist unsre Meinung heute?

Das Schreiben ist jetzt fürchterlich.

Woran glauben heut die Leute?

Was war denn gestern im TV?

Wie ist die Clickrate FB?

Weiß das denn jemand ganz genau?

Was schreiben wir, o weh, o weh?

Hören wir auf die Entscheider!

Meinung wird stets neu geboren.

Das ist dumm, so ist es leider.

Und die Freiheit ist verloren.

Auf ein Neues

Gedicht von Berndt Baumgart
Illustrierte Gedichte

Auf ein Neues

Große Ziele nicht erreicht.

Ein klein wenig nur vielleicht.

Häufig nebens Tor getroffen.

Oft vergeblich war das Hoffen.

So verging gar manches Jahr.

Ausgefallen ist sein Haar.

Jetzt, am letzten Stück des Lebens

kämpft er noch einmal, vergebens

oder nicht, wer weiß das schon?

Leise kommt der Englein Ton.

Die Kugel rollt der Sisyphos.

Der Rest des Lebens geht jetzt los.

Unser König

Wir Menschen brauchen einen König.

Die Vernunft bedeutet wenig.

Als Führer geht er vorneher.

Uns Kindern fällt das gar nicht schwer.

Er sagt, was gut und richtig sei.

Das andere ist einerlei.

So schützt er uns  vor Angst und Not

Vor der Krankheit und dem Tod.

Und am Ende heißt es noch:

Unser König lebe hoch.

Grund zum Feiern

Zwei Dinge, die man besser lässt,
sind Ostern und das Weihnachtsfest.
Das religiöse Ritual
bedeutet vielen eine Qual.

Am besten ists mit Toleranz:
Der eine lässt das Feiern ganz,
der andre suhlt sich im Gewühl,
weil seine Seele es so will.

Zum dritten Weg ist es noch weit:
Zur Liebe und zur Menschlichkeit.
Ist diese auf dem Erdenrund,
gibt es zum Feiern jeden Grund.

Die Menschen

Sie sind der „Schöpfung Krone“.
Ihr Anspruch ist nicht ohne.

Sie schlagen mit den Keulen.
Vor Selbstmitleid sie heulen.

Sie lügen und betrügen.
Der Schwache muss sich fügen.

Sie fressen und sie prassen.
Und faseln von den „Rassen“.

Sie reden von der „Reinheit“.
Die Worte sind Gemeinheit.

Sie haben Angst vor allem.
Und fürchten sich, zu fallen.

Sie würden gerne helfen.
Den Kobolden und Elfen.

Sie kippen den Planeten.
Dabei sie manchmal beten.

Sie schreiben und sie lesen.
Als wäre nichts gewesen.

Sie sind nicht alle einerlei.
Es gibt auch Bessere dabei.

O Gott, gib ihnen Frieden.
Im Himmel und hinieden.

Die alte Mauer

Auf einer alten Mauer,
wo ich vor Jahren saß,
sitz‘ ich auch heut‘ voll Schauer
neben verdorrtem Gras.

Die Farben längst verschwunden,
alles bleich, feucht und schwer,
Visionen leichter Stunden,
wo kommen sie nur her?

Die Lieder längst verhallten,
manch liebe Stimme auch,
aus dunklen Mauerspalten
dringt modrig-dumpfer Hauch.

Er steigt, die Erde fliehend,
denn seine Zeit ist knapp,
und fällt, als Nebel ziehend,
dann matt und leer herab.

Einzelne Blätter fallen,
verbraucht und welk und braun,
es ist das Los von allen,
ich wag‘ nicht hinzuschau‘n.

Wie viele mussten sühnen
ein Leben lang, voll Schmach,
und mancher ward beschienen
vom Glück – auch er zerbrach.

Ein kühler Wind erhebt sich,
und ich sitz‘ hier –allein.
Bitterkeit überfällt mich,
der Abend bricht herein.

Dort bei der alten Mauer,
wo er vor Jahren saß,
ja, sieh nur hin, genauer:
Über ihm wächst schon Gras.

 

Rückblick aus dem Altersheim

Früher war alles viel besser,
das Essen, das Leben, der Krieg.
Wie plätscherten klar die Gewässer,
und stolz kämpfte man für den Sieg.
Man floh noch des Schullehrers Rute
und träumte so froh in der Not;
die Schurken bekamen die Knute,
man ehrte, weil hungrig, das Brot.
Man achtete noch die Gesetze
und diente stets treu und loyal,
verschloss seine Ohren der Hetze
von links, wie’s der Führer befahl.
Und dann ging es hart an das Aufbau’n,
fest nahm man die Schippe zur Hand;
mit ihr könnte heute man draufhau’n,
sieht man das Gesindel im Land.
Im Kopf haben sie hohle Flausen,
sind rot oder grün nebenbei;
zu zwölft sie in Bruchbuden hausen,
sie stinken, sind dreckig und frei.
Und dann erst die ganzen Kanaken,
der farbige Abschaum im Land,
man sollte am Kragen sie packen,
dann stellen wir sie an die Wand.
Wenn Krieg kommt, so muss es ihn geben,
wir werden ihn schon übersteh’n;
die Kinder, falls sie es erleben,
sie werden nach hinten dann seh’n;
denn:
Früher war alles viel besser,
das Essen das Leben, der Krieg.
Wie plätscherten klar die Gewässer,
und stolz kämpfte man für den Sieg.