Der Vermummte fährt fort:

Der Vermummte fährt fort:

„Wenn ich mit Gott spreche, frage ich: ‚Wie können wir uns Dich vorstellen? Du schufst uns nach Deinem Bilde. Wir sind ein Teil von Dir und Du bist ein Teil von uns?‘

Ist das nicht frevelhaft und gotteslästerlich?

‚Nein, mitnichten.‘

Stellt Euch das so vor:

Du, lieber und großer und gütiger Gott erfüllst uns ganz, wenn wir die menschlichen, die körperlichen Eigenschaften weglassen, wenn wir ‚leer‘ sind. Dann füllst Du uns mit Deinem göttlichen Wesen. Denn vor Gott gibt es kein Vakuum. Wenn etwas leer ist, füllt er es aus.

Dann sind wir Gott. Dann SIND wir.

Das ist das SEIN. Es ist nicht abhängig von Raum oder Zeit. Es ist ewig.

Andererseits aber sind wir nur eine Zelle von Gott, ein winziges Segment von ihm; denn er ist unendlich groß. Er ist umfassend und für uns Menschen unergründlich.

So können wir das für uns Menschen plausibel machen: Eine von Gottes Zellen sein zu dürfen, ist eine große Gnade. Denn Gott kümmert sich um jede seiner Zellen, sie sind ja Teile von ihm.

Es ist wie in unserem Körper, den uns Gott für die Dauer unseres Erdenlebens zur Verfügung gestellt hat. Er besteht aus Billionen von Zellen. Einzelne davon sterben schnell ab, die äußeren Hautzellen zum Beispiel. Sie fallen ab, werden abgewaschen oder abgeschnitten. Und trotzdem sind sie nicht sinnlos. Sonst wären sie nicht da. Manche existieren nur sehr kurz. Die meisten geben nur in großen Mengen Sinn. Eine einzige Zelle hat kaum Bedeutung. Manche Zellen kommen aus früherer Zeit. Wie zum Beispiel die Haare: In großen Gruppen können sie uns Wärme und Schutz geben, wenigstens ein bisschen. Aber wir brauchen sie heute eigentlich nicht mehr. Jedenfalls nicht so, wie die Vögel die Federn brauchen oder die Bisamratten oder Biber das Fell.

Manchen der heute lebenden Menschen sind für Gott vielleicht so überflüssig wie die Haare es bei uns sind, geworden sind.

Aber die Haare verleihen uns auch Schönheit. Wie der Bart dem Manne oder die langen Haare manchen Frauen oder Männern oder auch die Nägel und Kopf- und Barthaare bei den Sikhs. Sie erkennen wohl die Göttlichkeit der Haare. Jetzt fange ich an zu verstehen, warum die Sikhs ihre Haare nicht schneiden dürfen. Das trifft dort wohl für Männer und Frauen zu.

Lieber Gott, selbst wenn wir nur Haare oder Nägel von Dir sein dürfen, müssen wir dankbar sein, denke ich.

Manche Zellen von Dir sind aber vielleicht auch Organzellen, manche gehören zum Sehen, manche lassen das Herz schlagen, manche gehören zum Rückenmark, manche zum Gehirn. Manche sind wichtig, manche essentiell, manche überflüssig. Aber wir vermögen das nicht zu beurteilen.

Aber immer können es nur mehrere, viele Zellen sein, die eine Funktion erfüllen.

Eine einzelne Zelle von Dir kann kaum etwas ausrichten. – Höchstens vielleicht schreiben, singen, Dich loben oder zu Dir beten.

Ich danke Dir, dass ich eine Deiner Zellen sein darf.

Manche Gruppen von Menschen haben vielleicht so einen göttlichen Sinn.

Aber sie haben wohl keinen Sinn, wenn sie sich gegenseitig bekämpfen oder ausrotten.

Deshalb vermeiden es vielleicht die gläubigen Sikhs, dass sie mit ihren Händen oder Werkzeugen ihre Nägel und Haare abschneiden. Es ist für uns ‚Westler‘ oder ‚Christen‘ nur schwer nachvollziehbar, aber es ist verständlich.

Wir müssen und sollen unsere Zellen pflegen. Denn alle sind ein Teil von Gott.

Wenn wir aber mit unseren Händen und Werkzeugen beginnen, andere Menschen – oder auch Tiere – zu töten und zu vernichten, dann ist das eine Rebellion gegen Gott. Ausgenommen das ‚Einverleiben‘, das wir während unserer Lebenszeit benötigen. Vegan oder vegetarisch oder was auch immer: Wir müssen uns andere Zellen ‚einverleiben‘, um überleben zu können.

Und wie ist es bei Dir, großer Gott? Verleibst Du Dir auch Zellen ein für Dein ewiges Überleben? Verleibst Du Dir Sterne und Galaxien ein?

Diese Gedanken übersteigen unseren menschlichen Rahmen. Wir haben allenfalls eine Ahnung davon, aber mehr auch nicht.

Ich fasse also noch einmal zusammen:

Wir alle sind Zellen von Dir, lieber Gott.

Und Du erfüllst uns ganz, wenn wir unsere menschlichen Eigenschaften verlieren. Vor und nach unserem irdischen Leben sind wir von Dir erfüllt. JE LEERER WIR SIND, UMSO VOLLER SIND WIR VOR GOTT.

Deswegen brauchen wir keine Angst zu haben.

Aber während unserer von Dir gegebenen Lebenszeit sollen wir Dich loben, preisen und auch die anderen Wesen, die anderen Zellen, tierische und pflanzliche, pflegen, so gut wir können.

Zum Teil natürlich uns auch einverleiben, aber nur so weit, wie wir das für unser Leben brauchen.

Aber wir dürfen keine Zellen aus anderen Gründen vernichten oder töten.

Dann leben wir in Frieden miteinander und in Frieden mit Gott.

Wir sind Zellen Gottes und Gott erfüllt uns ganz.“

 

Die anderen Mitreisenden waren jetzt erst recht sprachlos und wußten eine ganze Zeitlang nicht, was sie entgegnen sollten.

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Berndt ergreift das Wort

Berndt ergreift das Wort

„Ich glaube, wir sind an einem toten Punkt angelangt. Vielleicht sollten wir unsere Bootsfahrt abbrechen. Alle haben gesagt, was sie denken, glauben und fühlen. Jedenfalls so ungefähr. Wenn ich es recht sehe, sind dabei letztlich nur Fragen herausgekommen.

Aber wir haben ja von Anfang an gesagt, dass wir nichts wissen und dass wir suchen.

Was wollen wir denn in diesem Boot? Es gibt keine Antworten, nur Vermutungen und Behauptungen. Wir reden uns miteinander die Köpfe heiß. Aber es bringt nichts.

Ich fühle mich ganz elend. Warum? Ich war wohl von Anfang an nicht ganz aufrichtig. Ich habe euch alle zu dieser Reise eingeladen. Warum? Was soll diese Reise bringen?

Kann mir jemand helfen?“

 

Der Vermummte vom Bootsrand redet

„Ihr könnt mich alle für einen Fanatiker halten. Mein Name tut nichts zur Sache. Ich bin ein Einsamer. Ich bin eigentlich nur in dieses Boot gestiegen, um zuzuhören.

Aber, nachdem hier alles zum Stillstand kommt, will ich doch ein paar Worte sagen.

Ich glaube, dass ich ab und zu traumähnliche Visionen habe. Und dann glaube ich, Gott sprechen zu hören. – Ja, Ihr könnt darüber lächeln. Ist mir egal.

In einem meiner Träume sagte Gott zu mir: ‚Ohne das Böse kann es kein Gutes geben. Ohne den Zweifel gibt es keinen Glauben. Ich will, dass die Menschen sich aus Überzeugung, aus freiem Willen, zu mir, zu dem Guten, zur Liebe und nicht zum Hass und zum Egoismus bekennen. Erst durch die Überwindung des Bösen, des Satans, kann ein Mensch wirklich gläubig lieben und edel werden.

Also braucht es das Böse, den Satan, um letztlich Gutes tun zu können.

Und warum wurde Hiob, der Gerechte, so gequält, fragen manche?

Gerade diejenigen, die glauben, gut und edel zu sein, müssen die härtesten Prüfungen bestehen.

Vom Satan lasse ich mich nicht bequatschen und mir nichts einreden. Meine Prüfungen denke ich mir selbst aus; denn ich bin Gott.

Aber ich habe dem Satan große Macht gegeben; denn ohne den Filter des Bösen kann ich die Guten nicht erkennen. Das ist der Preis des freien Willens, den ich den Menschen selbst gewährt habe.

Alles hat seinen Preis, auch für mich.

Also müssen die wahrhaft Guten (Hiob, Jesus) die härtesten Prüfungen bestehen.

Doch nicht jeder Gute soll (oder kann) heilig werden. Das verlange ich von den Menschen gar nicht. Sie sollen nur erkennen – deshalb haben sie den Verstand – was gut und was böse ist. Dabei sollen sie das Böse ohne meine Hilfe überwinden und an mich glauben.

Das ist schon alles.

Dann kommt auch das Gute zu den Menschen, die Liebe, das Glück und das Paradies. In mir ist das Paradies. Und mein Licht ist so hell, dass es alles andere überstrahlt.

Aber Ihr Menschen könnt es noch nicht sehen und erkennen; denn sonst würdet Ihr erblinden. Ich zeige mich Euch nur von hinten (wie in der Bibel), oder im Traum. Folgt mir einfach, dann ist Satan besiegt und Ihr gehört zu mir.

Aber Ihr habt mehrere Chancen (Inkarnationen). Die Religionen des Ostens verstehen das besser als die Juden oder die Christen. Die wollen alles schon in einem einzigen Leben erreichen und deshalb quälen sie sich so. Aber es ist ihr Wille, und viele schaffen es auch von dort zu mir; denn ich bin gnädig und barmherzig. Keiner muss Angst haben, der sich ehrlich bemüht.

Hauptsache, es gibt für Euch keine anderen Götter oder Nebengötter.‘“

 

Michaels Probleme mit der Frageliste

Michael bittet um Entschuldigung

„Lieber Klaus, lieber Berndt, auch bei Dir, Carlos und bei Dir, Julia, bitte ich um Vergebung für meine sogenannte ‚Liste‘.

Wenn ich mich recht erinnere, ging es vorher um den ‚freien Willen‘ und die Frage der ‚Schuld‘. Ich habe nur daran erinnern wollen, dass wir diesen Problemen nicht mit ‚praktischen Beispielen‘ beikommen können. Noch keinem der bisherigen Philosophen, Theologen oder Schriftsteller ist es gelungen, diese Probleme zu lösen. Hierfür wären allgemeine Antworten nötig, die es aber ganz offenbar nicht gibt.

Und dann zählte ich – nur beispielhaft – ganz viele Fragen auf, die aus meiner Sicht bisher unbeantwortet sind. Es ist mir klar, dass diese spontan gestellten Fragen von unterschiedlichem Gewicht sind und sich zum Teil auch überschneiden.

Wenn jetzt Klaus beginnt, diese ‚Frageliste‘ Punkt für Punkt abzuarbeiten, dann bekomme ich ein ganz seltsames Gefühl. Ich fühle mich schuldig; denn ich wollte dieses Gespräch nicht dominieren und in eine bestimmte Richtung bringen. Wer bin ich, dass ich mit meiner Frageliste die Probleme der gesamten Welt, des Universums und der Schöpfung insgesamt aufzählen und erfassen könnte?

Ich finde die Argumente von Klaus sehr interessant und scharfsinnig, aber – mit Verlaub – auch hier und da ein wenig flach.

Vom ‚guten oder bösen‘ Gott kommt er zu der Überlegung, ob die Menschen vielleicht Gehilfen Gottes bei der Bekämpfung des Satans sein könnten. ‚Satan‘ hat er zwar nicht explizit gesagt, wenn ich mich recht erinnere, aber es war so gemeint.

Dann war er müde, was ich nach solch komplizierten Ausführungen gut verstehe.

Und nach einem Einwand von unserem Bootslenker hat er dann am nächsten Tag die ‚Wahrheit‘ und die ‚Wirklichkeit‘ problematisiert und seine ganz persönliche Kurzdefinition dazu gegeben.

Weiterhin gibt es nach seiner Auffassung weder Raum noch Zeit; das scheinen alles Erfindungen ‚Gottes‘ zu sein, um den Menschen das Leben zu erleichtern. So ähnlich habe ich das verstanden.

Und dann gipfelte es in der Frage, ob es neben dem ‚Diesseits‘ und dem ‚Jenseits‘ noch ein ‚Anderes‘ gebe. Was immer das sein soll.

Jetzt soll es im Eilverfahren zu ‚Schuld‘ und ‚Sühne‘ gehen.

Wobei wir dann bei Dostojewski wären…

Lieber Klaus, bei allem Respekt, so kann das doch nicht gehen. Du hast selbst gesagt, dass Du froh bist, dass wir anderen auch da sind. Ich habe den Eindruck, wir müssten erst einmal alle tief Luft holen.

Niemand von uns scheint momentan irgendwie weiter zu kommen. Vielleicht hätte ich meine ‚Frageliste‘ niemals erwähnen sollen.“

Der Bootslenker Berndt fragt nach

Berndt fragt nach:

„Lieber Klaus, ganz vielen Dank für Deine Worte. Sie klingen sehr aufregend. Fast schon hört es sich an wie eine ‚Lösung‘. Denn es klingt, als ob Du letztlich alle ‚Erkenntnisse‘ des aufgeklärten Menschen in Frage stellst. Du lehnst offenbar eine ‚rationale Welt‘ ab, die Du mit wenigen Worten demontierst.

Ist denn seit Aristoteles alles nicht mehr wahr? Sind die Erkenntnisse der Naturwissenschaft Unfug? Die Newtonschen Gesetze, die Relativitätstheorie, die Quantenphysik?

Verrennst Du Dich jetzt nicht ein wenig? Raus aus der Wissenschaft und hinein in einen mystischen ‚Spekulationsglauben‘?

Ist das nicht reine Esoterik? Genau das, was wir auf dieser Bootsreise eigentlich nicht haben wollen? Klaus, bei allem Respekt vor der Schärfe Deines Denkens, wir können doch nicht im Ernst Raum und Zeit ablehnen. Oder? Und die Menschen zu ‚Gehilfen‘ Gottes machen, bei dem Kampf gegen ‚das Böse‘? Ich gestehe, da komme ich nicht mehr ganz mit!“

 

Klaus antwortet:

„Danke für Deine Geduld, für Eure Geduld. Zugegeben, es ist sehr schwierig, das in Worte zu fassen, was mir durch den Kopf geht. Es ist so viel und auch sehr kompliziert.

Zunächst noch einmal zu Deiner Frage, ob alles seit Aristoteles nicht mehr ‚wahr‘ sei. Nein, natürlich ist es ‚wahr‘; denn die Naturwissenschaftler lügen ja nicht (jedenfalls meistens). Alle ‚aufgeklärten‘ Menschen denken, dass das, was die Wissenschaften erklären, nicht nur ‚wahr‘ sondern auch ‚richtig‘ sei.

Bitte entschuldigt meine Definitionsversuche. Über das, was ‚wahr‘ oder ‚nicht wahr‘ und was ‚richtig‘ oder ‚nicht richtig‘ ist, sind schon viele Bücher geschrieben worden. Wissenschaftler und Philosophen haben sich mit diesen Begriffen befasst. Es gibt so viele Erklärungen.

Ich sage nochmals: ‚Wahr‘ ist für mich all das, was wir als ‚wahr‘ ansehen. ‚Richtig‘ ist für mich hingegen das, was ‚ist‘, wobei es nicht darauf ankommt, ob wir das als ‚wahr‘ oder ‚unwahr‘ ansehen, ob es für uns ‚logisch‘ oder ‚unlogisch‘ ist. Ich glaube also an eine ‚Richtigkeit‘, an eine ‚Wirklichkeit‘, die unabhängig von unserem Denken und unseren Empfindungen ist. Das ist gewissermaßen die ‚absolute‘, die ‚göttliche‘ Wirklichkeit oder Richtigkeit.

Wir leben hier und jetzt. In unseren Körpern. Aber das ist nur ein von uns so empfundener Umstand. Was ‚wirklich‘ ist, können (und sollen wir wohl) nicht wissen. In Wirklichkeit (nicht: in ‚Wahrheit‘) gibt es kein ‚hier‘ und ‚jetzt‘, weil es keinen Raum und keine Zeit gibt.

Ich weiß, lieber Bootslenker Berndt, lieber Michael, lieber Carlos, liebe Julia, dass ich damit Eure Geduld sehr strapaziere, aber ich ‚weiß‘ ja nichts. Ich denke und glaube. Und ich denke, dass es vielleicht so sein könnte.

Vielleicht sind alle unsere sogenannten ‚Erkenntnisse‘, unsere Naturwissenschaften und die ihnen zugrunde liegenden ‚Gesetze der Mathematik‘ zwar ‚wahr‘, aber eben nicht unbedingt ‚richtig‘. Vielleicht erklären sie uns das ‚Diesseits‘, auch die ‚Historie‘ unseres Diesseits, aber eben niemals das ‚Ganze‘.

Ich frage mich eben, ob es vielleicht nicht noch ein ‚Anderes‘ gibt.
Und ich habe festgestellt, dass unser Denken, wenn es einmal die Fesseln von Raum und Zeit abgelegt hat, wunderbar frei wird, dass sich uns ganz neue Dimensionen erschließen.

Na klar, dieses Denken ist mystisch und beinhaltet viele Gefahren. Wie schnell kann man anfangen, zu spinnen und in die Esoterik abgleiten. Dessen bin ich mir bewusst, und darum bin ich sehr froh, dass Ihr bei mir seid.

Wenn ich also noch einmal zusammenfassen darf: Von Michaels Frageliste ausgehend, habe ich versucht, einige mögliche Antworten zu finden und bin zuletzt bei der Frage von dem ‚guten‘ oder dem ‚bösen‘ Gott angelangt. Und was unsere Aufgabe dabei ist? Gibt es eine Aufgabe für uns?

Die nächsten Frage nach Michaels Liste wären: Gibt es ‚Werte‘? Gibt es ‚Schuld‘ und ‚Sünde‘?“

Klaus fährt fort

Klaus fährt fort:

„Das ist ja nur der Anfang. Wenn es in Wirklichkeit weder Raum noch Zeit gibt, erübrigen sich auch die Fragen nach ‚davor‘ und ‚danach‘ und ‚außerhalb‘.

Alles ist.

Und auch die Frage nach der ‚Dunklen Materie‘, nach ‚Materie und Energie‘ kann uns ziemlich egal sein. Wenn Gott alles erschaffen hat, dann ist alles eben so, wie es ist.

Und die ‚Cartesische Frage‘ kann uns auch nicht irritieren. Wir sind nicht, weil wir denken, sondern weil Gott uns geschaffen hat. Und er hat uns eben als ‚Denkende‘ geschaffen.

 

Die Frage, ob wir eine ‚besondere Art von Tieren‘ seien, stellt sich nicht. Gott hat uns als Menschen, und die Tiere als Tiere geschaffen. Es ist müßig, irgendwelche ‚Unterschiede‘ zu analysieren. Jedem ist klar, was ein Tier und was ein Mensch ist. Die Primaten, die uns am nächsten kommen, sind Affen und keine Menschen. Wer hat in den Jahrhunderten, in denen die Welt erforscht wurde, jemals einen vernünftigen Zweifel daran gehabt, ob die Angehörigen der entdeckten Spezies ‚Affen‘ oder ‚Menschen‘ waren?

 

Wie wir mit den Tieren umgehen, ist eine ganz andere, eine ethische Frage. Und da sieht es momentan sehr übel aus; denn Gott hat uns Menschen bestimmt nicht den Auftrag gegeben, die Tiere und die Lebensgrundlagen für diese (und für uns) zu vernichten.

Was uns unklar ist, ist ab ‚wann‘ Gott die Menschen gemacht und von den Tieren getrennt hat. Funde deuten auf eine viel längere Zeit hin, als man früher dachte Es mag so etwa eine Million Jahre her sein.

 

Aber wenn wir uns die ‚Zeit‘ wegdenken, ist auch das ziemlich egal. Gott hat uns ja das Gefühl für die Zeit nur gegeben, damit wir im ‚Diesseits‘ besser zurecht kommen.

 

Worauf es ankommt, ist nur, dass uns Gott als Menschen geschaffen hat. Und dafür sollten wir dankbar sein und ihn loben. Ob es ‚Leben‘ und ‚Tod‘ gibt, ist unerheblich. Alles ist.

 

Mit ‚Inkarnationen‘ brauchen wir uns auch nicht zu befassen. Ohne ‚Zeit‘ bedarf es keiner solcher Konstrukte.

Sehr unklar ist für mich die Frage nach dem ‘Freien Willen‘. Hier geht es ums Ganze. Was will Gott von uns? Ich kann mir das nur mit der Bekämpfung und der Überwindung des ‚Bösen‘ erklären.

Ist Gott ‚gut‘ oder ‚böse‘? Oder beides nebeneinander? Und hat er uns wie seinesgleichen gemacht, nur ein wenig kleiner? Und vergänglich? Im Gegensatz zu ihm, der unvergänglich, ewig, ist. Warum haben wir diesen lästigen, vergänglichen Körper mit seinen Bedürfnissen?

Gibt es noch einen zweiten Gott, einen Rivalen zum ‚guten Gott‘, der uns verführen will? Braucht Gott uns als seine Helfer, um diesen Rivalen zu besiegen?

Ich gebe zu, dieser Gedanke ist sehr reizvoll: Wir als Gehilfen des lieben Gottes.

 

Jetzt bin ich müde. Lasst uns morgen weiter diskutieren”.

Klaus versucht zu vermitteln

Klaus gibt Antworten

„Ich weiß, dass wir nichts wirklich wissen. Aber dennoch haben wir einen Verstand, und so können wir darüber nachdenken, was sein könnte. Entweder  ist das Ergebnis dann falsch oder richtig oder nur zu einem gewissen Teil falsch oder richtig.

Ich benutze meinen Verstand teilweise rational, teilweise aber auch intuitiv. Dabei sind mir die bei uns akzeptierten Gesetze der Logik nicht so wichtig.

Wenn wir uns die Welt anschauen, dann sehen wir, dass unsere den Gesetzen der Logik und der Mathematik folgenden Naturwissenschaften immer stärker zur Zerstörung der Welt und der Lebensformen darauf beitragen. Das kann nicht ‚gut‘ sein, mir sträubt sich bei dem Denken daran alles. Meine Seele schreit, könnte ich auch sagen.

Daraus folgt für mich, dass die Naturwissenschaften nur sehr bedingt dafür taugen, diese Welt zu erklären. Abgesehen davon geben ja auch viele Wissenschaftler zu, dass sich bei einem ‚gelösten‘ Problem sofort ein Dutzend neue, ungelöste, ergeben.

Weil uns aber die Naturwissenschaften keine Erklärungen geben können, müssen wir woanders suchen. Doch das ist sehr gefährlich. Esoterische Spinner und Verschwörungstheoretiker warten nur darauf, alles zu ‚erklären‘. Und immer mehr Menschen fallen auf solche Scharlatane herein.

Und jetzt komme ich zu den Fragen, die Michael gestellt hat. Ich will versuchen, wenigstens die ersten davon, so gut es geht, aus meiner Sicht zu beantworten. Mit dem Stellen von Fragen allein kommen wir nicht weiter. Ich jedenfalls möchte nicht sterben und dabei denken: ‚Ich habe mein Leben lang immer nur Fragen gestellt, aber nichts verstanden. Ich habe Gutes tun wollen, aber nichts getan, weil ich nicht wusste, was Gutes ist‘.

Ich denke und glaube also, dass

  • Es eine Schöpfung gibt. Das muss nicht ausschließen, dass es hier und da auch ‚Zufälle‘ geben mag und auch nicht, ob wir an den Verläufen etwas ändern können. Es hängt davon ab, wie ‚festgelegt‘ die Schöpfung ist. Aber auch das wissen wir natürlich nicht.
  • Es einen Schöpfer gibt. Für mich ist das Gott. Der eine, der einzige Gott. Es gibt keine anderen ‚Götter‘ neben ihm. Aber es gibt viele Bezeichnungen für diesen Gott.
  • Es Raum und Zeit nur im Diesseits, nur aus unserer Sicht, gibt. Gott hat uns Raum und Zeit nur als Orientierungshilfe für das Diesseits gegeben.

 

In Wirklichkeit gibt es kein ‚War‘ und ‚Wird sein‘. Alles ‚ist‘. Ich weiß, dass das für uns Lebende kaum vorstellbar ist. Wir kennen ja z.B. die Saurierknochen, und unsere Ahnen sind auch schon lange ‚weg‘, zumindest ihre Körper (außer vielleicht bei einigen alten Mumien). Aber könnte nicht dennoch alles ‚gleichzeitig‘ ‚sein‘? Stellen wir uns ein breites Band vor, das zusammengenäht, also ‚rund‘ ist. Und markieren wir auf diesem ganz viele Stellen als Punkte in zwei Farben, die einen blau und die anderen rot. Die Roten sind ‚außen‘ und die blauen ‚innen‘. Dann nehmen wir das Band in die Hände und verdrehen es. Mit der rechten Hand ein wenig nach rechts und mit der linken ein wenig nach links. Schon haben wir eine verdrehte Schlinge. Und plötzlich sind die ‚Innenpunkte‘ außen und die ‚Außenpunkte‘ innen.

 

Beide Farben sind nun ‚gleichzeitig‘ ‚innen‘ und ‚außen‘.

 

Ich weiß, das ist kein ‚Beweis‘ dafür, dass es keinen Raum und keine Zeit gibt. Aber es zeigt dennoch, dass unsere subjektive Sicht zu fehlerhaften Ergebnissen führt.

 

Eine weitere Möglichkeit bieten unsere Träume. Wir träumen uns manchmal an irgendeinen Platz und reden mit Menschen, die eigentlich schon ‚tot‘ sind. In unseren Träumen sind Raum und Zeit offenbar unerheblich.

 

Hier sind wir wieder an dem Problem von ‚Wahrheit‘ und ‚Wirklichkeit‘. Unsere Träume sind gewiss nicht ‚unwahr‘; denn im Traum lügen wir ja nicht. Aber sind unsere Träume auch ‚wirklich‘?

‚Nein‘, sagen die Rationalisten. ‚Träume‘ sind nicht real, sondern ‚nur‘ geträumt. Aber wie können die Realisten so sicher sein? Könnte es nicht sein, dass unsere ‚Realität‘, die wir im sogenannten ‚wachen‘ Zustand erleben, ‚unwirklich‘ ist, und die Welt, die wir im Traum erleben, die ‚richtige‘ ist?

 

Aber das nur am Rande.

 

Im Übrigen können wir uns auch im ‚wachen‘ Zustand, wenn wir wollen, an jeden beliebigen Ort und in jede beliebige Zeit hineinversetzen. Wir können sogar im Binnenland das Meer ‚riechen‘ und die Stimme eines Menschen, sei er lebend oder tot, ‚hören‘. Ist das wirklich alles ‚unwirklich‘?

 

Aber wie ist das mit den ‚Saurierknochen‘? Die sind doch da und nicht wegzuleugnen. Und die Saurier sind weg. Oder? Hüpfen sie vielleicht noch in einer anderen Dimension herum, die aber nicht unsere Dimension ist? Und könnte es nicht sein, dass Gott, wenn es ihn gäbe und wenn es für ihn keinen Raum und keine Zeit gäbe, zwischen den Sauriern und den Saurierknochen sich ‚bewegen‘ könnte? Und können wir das vielleicht auch einmal, wenn wir ‚tot‘ und nicht mehr an ‚Raum‘ und ‚Zeit‘ gebunden sind? Wir wissen es nicht.

 

  • Alternativ können wir auch ‚ganz rational‘ davon ausgehen, dass es keinen Gott, keinen Schöpfer, gibt und Raum und Zeit ‚real‘ sind.

 

Aber was soll das? Der Kosmos ist aus ‚Nichts‘ entstanden? Das Leben hat sich ‚selbstständig‘ aus einer ‚Ursuppe‘ entwickelt? Am Anfang gab es einen ‚Urknall‘? Davor war ‚irgendetwas‘? Am ‚Ende‘ wird alles wieder ‚verschwinden‘? In der Unendlichkeit? Oder sich ‚auflösen‘? Und neben dem Kosmos gibt es vielleicht andere ‚Kosmosse‘? Niemand steuert, niemand lenkt? Es gibt nur ‚Zufälle‘ oder ‚Naturgesetze‘? Oder ein ‚Chaos‘?

 

Lieber Gott, in einer solch ‚rationalen‘ Welt möchte ich nicht leben.

 

  • Weil ich somit denke und glaube, dass es in Wirklichkeit weder Raum noch Zeit gibt, erübrigen sich die Fragen nach ‚davor‘, ‚danach‘ und ‚außerhalb‘. Alles ‚ist‘.

Michaels Fragen

Michael versucht zu vermitteln

„Ich bin ja für meine Kritik bekannt“, sagt er. „Aber dieses Gerede vom ‚freien Willen‘ und der ‚Schuld‘ geht mir wirklich auf den Geist. Damit haben sich so viele Philosophen befasst, und ihr glaubt, diesen Fragen mit sogenannten ‚praktischen Überlegungen‘ näher zu kommen. Glaubt mir, so einfach ist das nicht. Befasst euch zum Beispiel mit Dostojewski oder Kierkegaard. Die haben ganze Bücher darüber geschrieben.

Es geht doch um so viele Fragen:

  • Gibt es eine Schöpfung, oder ist alles nur Zufall?
  • Falls alles nur Zufall ist, warum ist das so?
  • Können wir an den Verläufen etwas ändern?
  • Falls es eine Schöpfung gibt, gibt es dann auch einen Schöpfer?
  • Gibt es Raum und Zeit?
  • Falls es Raum und Zeit gibt, gibt es auch etwas außerhalb des Raumes und außerhalb der Zeit?
  • Gibt es etwas ‚davor‘ und ‚danach‘ und ‚außerhalb‘?
  • Falls es etwas ‚davor‘ und ‚danach‘ oder ‚außerhalb‘ gibt, was könnte das sein? Gibt es irgendwelche erkennbare Hinweise dafür oder können wir das mit unserem Verstand ergründen?
  • Gibt es Materie? Gibt es eine ‚Dunkle Materie‘? Falls ja, was ist das? Oder ist alles Energie? Falls ja, was ist das? Gibt es ‚Leere‘? Gibt es ein ‚Nichts‘?
  • Gibt es überhaupt ‚etwas‘? Oder bilden wir uns alles nur ein? Aber wenn wir uns etwas einbilden, dann muss es ja zumindest ‚uns‘ geben, sonst könnten wir uns ja nichts einbilden. (So sieht es Descartes).
  • Aber falls es uns tatsächlich gibt, was sind wir? Sind wir nur eine besondere Art von Tieren oder etwas Besonderes?
  • Was bedeutet ‚Leben‘ überhaupt? Gibt es ein Gegenteil von ‚Leben‘? Leben auch Steine? Lebt das Wasser?
  • Was bedeutet ‚Tod‘? Gibt es einen Tod? Ist er nur ‚Abwesenheit von Leben‘? Oder etwas anderes?
  • Was kommt nach dem Tod? Kommt nach dem Tod das ‚Nichts‘ oder etwas anderes? Wie können wir das erfahren?
  • Falls etwas anderes kommt, was ist das? Sind die Wesen, die vor uns gelebt haben, noch da? Und die, die nach uns kommen, vielleicht schon da?
  • Oder stammt alles Leben nur aus einer ‚Ursuppe‘, aus der alles herauskommt, und in die alles wieder verschwindet?
  • Gibt es sogenannte ‚Inkarnationen‘?
  • Haben wir einen freien Willen? Können wir überhaupt etwas ‚wollen‘?
  • Falls es einen Gott gibt, hat er alles vorbestimmt? Oder experimentiert er nur? Ist er ein Spieler? Oder hat er einen Feind, den Teufel? Ist er mächtiger als das Böse oder nicht? Ist Gott wirklich allmächtig? Warum gibt es dann das Böse? Oder gibt es gar kein Böses? Ist alles gut? Auch das, was wir mit unserem beschränkten Menschenverstand als ‚böse‘ empfinden?
  • Gibt es überhaupt ‚Werte‘? Was sind ‚Werte‘?
  • Gibt es ‚Sünde‘ oder ‚Schuld‘? Oder wird uns das nur eingeredet?
  • Woher kommt das ‚Gewissen‘? Ist das eine Einbildung, etwas Anerzogenes oder etwas, das aus der Erfahrung stammt? Falls es ein Gewissen gibt, haben alle Menschen ein solches oder nicht? Falls nicht, warum haben manche kein Gewissen? Sind sie böse, verkümmert, unterentwickelt oder krank?
  • Falls es Gott gibt: Sind wir seine Kinder? Oder sind wir seine Ebenbilder? Sind wir selbst Gott? Oder können wir es werden? Was war mit Jesus? War dieser Gottes Sohn oder nur ein Prophet? Oder ein Scharlatan? Was bedeutet ‚Gott‘ überhaupt?
  • Was bedeutet die ‚Seele‘ (darüber haben wir ja schon gesprochen). Aber mir ist immer noch nicht klar, was die ‚Seele‘ denn sein soll. Trennt sich die Seele vom Körper? Wo ‚fliegt sie hin‘?
  • Haben auch Tiere oder Pflanzen oder Steine eine Seele?
  • Die Wahrheit ist ja bekanntermaßen etwas, das wir mit unseren Sinnen erkennen können, etwas, das uns ‚logisch‘ erscheint (über die Probleme der ‚Logik‘ haben wir allerdings schon gesprochen). Das, was nicht wahr ist, ist also unwahr, oder? Oder gibt es viele ‚Wahrheiten‘, je nach Blickpunkt?
  • Was ist aber die Wirklichkeit, die Realität? Gibt es überhaupt eine Realität oder gibt es viele Realitäten?
  • Gibt es neben der Realität, dem Universum, das wir zu sehen glauben, noch mehrere, andere, Paralleluniversen, die uns verschlossen sind, über die wir aber nachdenken können?
  • Können uns die Mathematik und die Wissenschaften überzeugende Antworten auf all diese Fragen geben? Oder stoßen die Wissenschaften immer mehr an Grenzen, die sie nicht überwinden können? Warum tauchen nach einer angeblich ‚wissenschaftlich bewiesenen‘ Sache dutzende neue Fragen auf?
  • Gibt es eine Lösung für all diese Fragen? Und falls ja, wo können wir die finden? In diesem Leben oder erst danach?

 

Entschuldigt diesen Monolog. Das war jetzt erstmal das, was mir so spontan einfiel. Es sind einfach nur Fragen über Fragen…“