Lied an den Jäger

Jäger mit dem Schießgewehr
macht dem Wild das Leben schwer.
Lautlos pirscht er durch den Wald;
dann macht er die Tiere kalt.

Was ist mit dem Menschen los?
Warum tut’s der Jäger bloß?
Für den Hunger und die Gier?
Ist das Töten sein Pläsier?

Jäger antwortet da nur:
„Es ist gut für die Natur.“
Leise schüttelt man das Haupt:
Dumm ist, wer dem Jäger glaubt.

Der arme Mann im Fango-Bett

In der Reha gibt es Fango,
ist gesünder noch als Tango,
bei dem man das Gelenk verdreht,
was bei der Reha gar nicht geht.

Du liegst auf einem Wasserbett,
gemütlich-warm und einfach nett,
verpackt in wohlig-weichen Decken,
kannst du nunmehr im Schlaf verrecken.

In der Kabine Nummer zwei,
da schnarcht ein fetter Mann, o wei.
Er wälzt sich hin und wälzt sich her,
die Schwestern schwatzen nebenher

in ihrem Raum mit ganz viel Zeit;
sie lieben die Gemütlichkeit,
die „Stress“ sie nennen. Nur warum?
Dem Dichter bleibt die Feder stumm.

Da, der Alte fällt vom Bett,
auf den Boden, gar nicht nett,
„Hilfe“, schreit er, „helft mir doch“,
Schwestern sind im Schnatterloch.

Hör’n nicht, wie der Alte schreit,
armer Mann, er tut mir leid,
doch das Notseil mir gebricht,
helfen kann ich deshalb nicht.

Mann liegt unten, Fango drauf,
er hört mit dem Schreien auf.
Die Decke liegt daneben,
ganz traurig ist das Leben.

Der Fango drauf verschmutzt ihn sehr,
die Schwestern schnattern immer mehr.
Jetzt ist die Fango-Zeit herum,
die Schwestern sagen nun ganz dumm:

„Solch eine große Sauerei,
und Hilfe rief er nicht herbei!“
Das war sein schönster Fango-Tag,
an den er nicht mehr denken mag.

Die Jagd

„Komm, heut gehen wir Menschen jagen“,
sagt das Zahntier zu dem Kind.
„Nach Menschenfleisch verlangt mein Magen,
schmeckt besser noch als Schaf und Rind.“

Das Kind erfreut dies Abenteuer,
es folgt den Spuren, macht es gut.
Da kommt ein großes Ungeheuer.
Frisst beide, und sie munden gut.

Das Skelett

Das Skelett, es geht nicht mehr.
Neue Knochen müssen her.
Aus Keramik und Titan,
Plastik oder Porzellan.

Neue Hüfte, neues Knie,
Bandscheiben mit Garantie.
Gelenke werden ausgetauscht;
voll Ehrfurcht man dem Doktor lauscht.

Kein Problem, die Medizin
kriegt das alles wieder hin.
Alles was dem Körper frommt,
und die Reha folgt dann prompt.

So geht es eine lange Zeit,
doch am Ende ist’s soweit:
Das Skelett ist noch in Schuss –
aber der Verstand macht Schluss.

Die defekte Motorschiene

Auf der neuen Motorschiene
liegt Herr B. mit froher Miene.
90 Grad sind eingestellt,
weil es dem Doktor so gefällt.
Der Pfleger legt das Bein darauf,
die Schiene nimmt die Arbeit auf.
Doch leider scheint das Ding defekt;
denn die Begrenzung ist verreckt.
Das Unglück ist gar schnell vollbracht,
und auch der Pfleger gibt nicht Acht.
130 Grad und flutsch –
Das Kunstgelenk, schon ist es futsch.

Der Mensch im Krankenhaus

Sehr wichtig ist das Krankenhaus:
Kaum bist du drin, schon willst du raus.
Du kriegst zu essen und Arznei
und denkst: „Gottlob ist‘s bald vorbei.“

Am Morgen kommt die Arzt-Visite.
Er fragt: „Wie geht’s uns heute bitte?“
Das fragt er aber überall.
Die Antwort ist ihm eher egal.

Der Chirurg, der Internist
wissen nicht, wie schlimm’s dort ist.
Die Schwestern und die Krankenpfleger
Sind freundlich und auch Wasserträger.

Sie waschen dich, ganz ohne Scheu,
und werden nicht mal rot dabei.
Vorm Essen fragt die Schwester nett,
was man denn morgen gerne hätt‘.

Am Nachmittag kommt der Besuch.
Von manchem hast du schnell genug.
Und zur Nacht denkst du ganz leis:
„Morgen gibt’s denselben Scheiß.“