Jürgen und Rosa

„Lieber Jürgen“, sprach die Rosa,
„schreib mir bitte was in Prosa!“
Jürgen sagt: „Ich armer Wicht,
was ich auch mach, wird ein Gedicht.“

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Der Helfer

Die Menschen waren verzweifelt. Es gab kaum noch etwas zu essen und zu trinken. Eine große Dürre herrschte. Trotz allen technischen Mitteln ging nichts mehr. Ständig gab es Streit und Kämpfe. Viele Tote waren an jedem Tag zu beklagen. Die Regierung konnte nicht helfen. Polizei, Justiz und auch das Militär waren machtlos.

Da kam ein Fremder und sprach: „Liebe Menschen, ich kann Euch helfen. Vertraut mir. Ich habe große Kräfte. Es wird regnen. Eure Wiesen und Wälder werden wieder grün. Es wird Nahrung im Überfluss geben. Ihr braucht Euch nicht mehr zu bekämpfen und gegenseitig zu töten. Wenn Ihr einig seid und mir vertraut, wird es Euch nicht reuen. “

Die Menschen wurden still und hörten zu. Die Ältesten wurden zusammengerufen und berieten sich. Manche zweifelten. Aber die Not war groß. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagten einige. „Schlimmer kann es nicht mehr werden. Er soll es halt versuchen. Wenn es nicht klappt, jagen wir ihn fort oder schlagen ihn tot.“ Sie gingen zu ihm und sagten, dass sie prinzipiell einverstanden seien.

„Sehr gut“, sagte er. „Das ist eine kluge Entscheidung. Aber ich habe eine Bedingung, bevor ich Euch helfe. Ich werde Euch nur an Werktagen helfen, sechs Tage in der Woche. Alles wird bestens sein. Aber am siebten Tage will ich meinen Spaß haben. Ich werde einiges wieder zerstören; denn ich besitze auch Vernichtungskräfte, die ab und zu herauswollen. Ich kann helfen und aufbauen, aber ich habe auch eine Seite, die Ihr ‚böse‘ nennt. Diesen Teil werde ich am siebten Tage ausleben. Danach werde ich wieder ‚gut‘ sein. Aber entscheidet Euch wie Ihr wollt. Ich will Euch nicht beeinflussen.“

Das klang nicht mehr so gut. Wieder traten die Ältesten zusammen. Sie waren sehr nachdenklich geworden. Lange wurde gestritten. Viele hatten Angst vor dem siebten Tag. Aber sechs Tage lang sollte ja alles gut gehen. Sie wollten endlich wieder essen und trinken und nicht mehr streiten. Sie brauchten endlich wieder Regen . Was sollte der „Helfer“ schon an einem Tag, dem siebten, ausrichten? Es könnte sintflutartig regnen, er könnte einiges zerstören. Aber sie würden sich schon gegen ihn wehren, wenn es zu schlimm käme. Und danach würde er ja wieder ‚gut‘ sein. Das habe er selbst gesagt.

Also stimmten sie zu; denn die Not war sehr groß. Und schlagartig änderte sich ihre Welt.

Es regnete ganz leise, und dennoch schien die Sonne sanft. Die Bäcker hatten viel Mehl und buken fleißig Brot. Die Märkte waren gefüllt. Alle Menschen schauten fröhlich und lachten. Überall herrschte gute Laune. Die Kinder spielten. Auch den Tieren ging es gut. Die Wälder und Wiesen waren grün, und viele bunte Blumen blühten. Es war wie im Paradies. Alle Sorgen waren vergessen.

Dann kam der sechste Tag, der Samstag. Er begann mit strahlendem Wetter. Viele feierten das erste schöne Wochenende seit langem. Aus wolkenlosem Himmel strahlte eine milde Sonne. Die Familien machten Ausflüge und genossen den Tag.

Am Abend zog sich der Himmel langsam zu. Es donnerte in der Ferne, aber vor einem Gewitter hatten die meisten Menschen keine Angst. Die Sonne schien blutrot. „Abendrot, Gutwetterbot“, sagten die Älteren. „Morgen wird es wieder schön“.
Fast sofort kam die Nacht, ohne richtige Dämmerung, viel früher als gedacht. Ein starker Wind kam auf, der sich bald zum Sturm und dann zum Orkan steigerte. Die Luft jaulte. Blitze und Donner kamen immer schneller. Die Kinder bekamen Angst. Das Vieh brüllte. Und dann gab es keinen Strom mehr. In keinem Dorf, in keiner Stadt. Alle Lichter, elektrischen Maschinen, die Tankstellen- und die Wasserwerkpumpen fielen überall aus, wo es keine Notstromanlagen gab. Es schüttete sintflutartig. Das Heulen in der Atmosphäre klang wie das bösartige Lachen eines Dämons.

Am Sonntag, dem siebten Tag, kam das Grauen. Der Himmel war fast schwarz, und es zuckten Blitze. Der Regen hatte nachgelassen. Es gab immer noch keinen Strom. Die Kühlschränke und Tiefkühler tauten auf. Die Notstromanlagen in den Krankenhäusern liefen mit voller Kraft. Es gab keine Internetverbindung, keinen Handyempfang, die Fernsehsender waren tot, und auch aus dem Radio kam bei batteriebetriebenen Geräten nur Rauschen.

Überall auf den Straßen lagen Flugblätter. „Menschen, bewaffnet Euch“, stand darauf. „Eine unheilbare Viruskrankheit ist gekommen. Sie hat schon alle Tiere und auch die meisten Kinder der Menschen befallen. Tötet die Tiere und die Kinder! Das ist Eure einzige Rettung. Nur Feuer kann die Viren zerstören. Verbrennt alles, was brennen kann. Nehmt Kraftstoff und flüssiges Gas. Verbrennt die Wälder, die Holzhäuser, alle Bücher. Nur das Feuer kann retten. Auch mit Waffen und Sprengstoff könnt Ihr die Tiere und die Kinder töten. Notfalls hilft auch Gift. Tötet, wenn Euch Euer Leben lieb ist.“

Die meisten Menschen waren entsetzt. Sie konnten das alles nicht glauben und versuchten, zu fliehen. Stiegen in die Autos und einige Busse, die noch fuhren. Manche rannten einfach davon, nahmen ein bisschen Geld und auch ihre Kinder mit. Aber sie kamen nicht weit. Banden hatten sich bewaffnet und schossen auf alles, was sich bewegte. Vor allem auf Kinder. Alle Straßen waren verstopft. Plötzlich tauchten Millionen von Waffen auf, die in den Häusern und Behörden verborgen gewesen waren. Und dann kamen die Polizei und das Militär. Sie drangen in die Häuser ein und suchten nach Tieren und Kindern, welche sie dann töteten.

Die Menschen schossen aufeinander. Jeder auf jeden. Es gab keinen Freund und keinen Feind mehr. Die Häuser, Dörfer und Städte brannten. Und auch die Wälder und die Felder. Vieles wurde gesprengt.

Am Himmel erschienen seltsame Lichter. Sie schauten auf die Erde hinunter und formten das Gesicht einer hässlichen Fratze. Der Wind heulte.

Am Montag regnete es ganz leise, und dennoch schien die Sonne sanft. Es gab keinen Bäcker mehr und keinen Markt. Und es gab kaum noch Menschen. Die wenigen Überlebenden irrten fassungslos und verloren herum. Es war fast wie früher. Nur ein bisschen schlimmer.

Herr von Hagen im Bett

Herr von Hagen kam zu Bette
in der Nacht, so gegen vier.
Dort empfing ihn seine Nette.
Glücklich war er nur mit ihr.

Sie hatte lange schon geschlafen
und ihn dabei nicht vermisst,
weil im alten Ehehafen
das nun mal nicht anders ist.

Dennoch sie sich sehr empörte:
„Du bist ein böser, schlechter Mann.“
Weil sich das halt so gehörte,
fing sie laut zu keifen an.

Herr von Hagen ward ganz stille,
lächelte leis innerlich:
„Meine Liebe, meine Gute,
was wär ich bloß ohne dich.“

Verschiedene Sichtweisen

Der Gläubige wird Atheist,
der Ketzer gerne predigt.
Der Asoziale wird sozial,
der Soziale asozial.
Vernunft ist lang erledigt.
Die Natur braucht viel Zement,
und Plastikzeug kommt ungehemmt.
Vom Wasser haben wir genug.
Menschenmüll, ein schöner Zug.
Die Waffen sind ganz wichtig.
Alles läuft sehr richtig.
Die Politik wird menschlich.
Begreifen wir es endlich?

Die Menschen am Fluss

Die Menschen an dem Flusse sitzen;
ganz träge fließet er dahin.
Sie haben Durst und müssen schwitzen,
und fragen nach dem großen Sinn.

Einer springt auf: „Ich hab‘s gefunden.
Wir sind nur hier, um stets zu dienen.“
Andere das aber nicht bekunden:
Ihr „Nein“ spricht aus des Zweifels Mienen.

Der Zweite ist schon etwas schlauer.
„Wir sind gern hier, um gut zu leben.“
Die Menschen hören hin, genauer.
Denn das klingt gut, so ist das eben.

Der Letzte sagte ganz am Ende:
„Ich bin nur hier, um jetzt zu sterben.“
Die Andren rieben sich die Hände:
Sie wollten nämlich alles erben.

Die Menschen

Sie sind der „Schöpfung Krone“.
Ihr Anspruch ist nicht ohne.

Sie schlagen mit den Keulen.
Vor Selbstmitleid sie heulen.

Sie lügen und betrügen.
Der Schwache muss sich fügen.

Sie fressen und sie prassen.
Und faseln von den „Rassen“.

Sie reden von der „Reinheit“.
Die Worte sind Gemeinheit.

Sie haben Angst vor allem.
Und fürchten sich, zu fallen.

Sie würden gerne helfen.
Den Kobolden und Elfen.

Sie kippen den Planeten.
Dabei sie manchmal beten.

Sie schreiben und sie lesen.
Als wäre nichts gewesen.

Sie sind nicht alle einerlei.
Es gibt auch Bessere dabei.

O Gott, gib ihnen Frieden.
Im Himmel und hinieden.