Friedhofsgedanken

Auf dem großen Friedhof liegen
viele, die am Leben hingen.
Wären lieber hier geblieben,
aber doch von hinnen gingen.

Manche waren ziemlich wichtig;
kaum jemand verstand sie richtig.
Unterm Marmormonumente
fand ihr Lebenslos ein Ende.

Gute Männer, treue Frauen,
denen manche doch nicht trauen;
ihre Hände ruhen stille.
Man sagt, es sei Gottes Wille.

Böse Nörgler, schlimme Leute
hat der Tod auch gern zur Beute.
Gestern eklig noch und kräftig,
heute tot, das ist schon heftig.

Für Mütter und Politiker
ist das Jenseits ziemlich bitter.
Wollten noch viel Gutes machen,
aber früh kam Charons Nachen. .

Hundertjährige nicht weinen,
lächelnd gehen sie durchs Leben.
Mit dem Schicksal ganz im Reinen,
ewig durch die Zeiten schweben.

Zeitgeist

Sorgen, Kriege und Probleme;
überall gibt es Extreme.
Die ganze Welt ist ungerecht,
den Besten geht es oft sehr schlecht.

In den Medien kommt es täglich,
Terror, schlimm und unerträglich.
Was die Journalisten sagen,
das kann kaum ein Mensch ertragen!

Mein Sorgenpensum, es ist voll.
Ich sag es still und ohne Groll.
Will friedlich leben, jeden Tag,
dies ist mein Ziel und was ich mag.

Small Talk im Café

Bei nettem Small Talk im Café,
in das ich gerne öfter geh‘,
musst‘ ich mich zusammenreißen,
dauernd auf die Lippen beißen.

Andere sich ständig lobten,
lügend sich die Balken bogen.
Heldentaten sie erzählten,
und die Leute dabei quälten.

Dann zwei Stunden so vergingen,
gräuslich mir die Ohren klingen,
und der Kopf tat mir sehr weh,
bei meinem Small Talk im Café.

Hoffnung

Am Himmel sieht man Vogelschwärme.
Bei mir, da rumpeln die Gedärme.
So hat die Welt stets zwei Gesichter,
und voller Sorgen ist der Dichter.

Solange noch die Vögel schwärmen
und alles flutscht in den Gedärmen,
wenn alle Kriege endlich enden,
wird sich die Welt zum Guten wenden.

Friedhof der Erinnerungen

Auf diesem Friedhof ist begraben
das, was man früher einmal dachte.
Viel, was wir längst vergessen haben,
alles vermodert hier ganz sachte.

Der Sozialismus, Kommunismus,
Demokratie und Religionen.
Am Ende kommt der Terrorismus.
Das Sterben soll sich wieder lohnen.

Ganz schaudernd wir die Gräber schauen.
Ein Riesen-Grabstein steht ganz hinten.
Wir lesen drauf mit großem Grauen:
„Die Zukunft ist im Grab zu finden. „

Roulade

Heute gibt es Rindsroulade,
die ist gut und schmeckt nicht fade.
Schöne Knödel, dunkle Sauce,
und das Rotkraut aus der Dose.

Delikates Seelenessen;
Politik will ich vergessen.
Gut gefüllt ist jetzt der Magen.
Einen Schnaps könnt ich vertragen.

Nicht, dass man mich falsch verstehe;
es geschieht das, was geschehe.
Völkermord und Bomben fallen.
Hoffnungslosigkeit bei allen.

Bei vielen kommt die Frage hoch:
Ist Krieg und Tod des Menschen Joch?
Dichter hat die Schreibblockade.
Manchmal hilft die Rindsroulade.

Die Libellen

Schmetterlinge und Libellen,
sie schwirren über uns umher.
Vieles könnten sie erzählen;
doch sie verstehen, fällt uns schwer.

Unsre Leben sind verschieden,
jeder tut, was ihm beschieden.
Sie leben kurz, wir leben lang,
doch ziehen wir am gleichen Strang.

Diese Erde wir uns teilen;
doch so lang wir hier verweilen,
sollten wir in Frieden leben.
Über uns Libellen schweben.

Überlebensglück

In dem Käse kriechen Maden.
Fliege hängt am Spinnenfaden.
Der Fliege Leben ist vorbei.
Den Maden ist das einerlei.

Sie leben im Schlaraffenland.
Die Not ist ihnen unbekannt.
Sie krabbeln hin und wimmeln her,
Ihr Leben ist ohne Beschwer.

Bei den Menschen ist es ähnlich.
Es ist gar nicht ungewöhnlich.
Der eine frisst, der andre stirbt.
Ein schwaches Wesen bald verdirbt.