Ostergedicht

Ostern ist sonnig, es gibt keinen Regen.
Wir sind hier im Frühling, genießen das Licht.
Der Mensch will es hell, die Sonne bringt Segen.
Die heiße Zerstörung erkennen wir nicht.

Auf Erden herrscht Frieden, so denken viele.
Es gibt viele Kriege, beschwert sich der Tor.
Kämpfe sind draußen, im Herzen ist Stille;
es wird alles werden, kommt jetzt nur so vor.

Machen wir weiter, genießen die Sonne,
wertlosen Golfrasen, vergüllendes Feld.
Fressen die Schweinderl, o welch große Wonne,
es kann auch das Lamm sein in der Christenwelt.

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Der Frühling

Im Frühling kommt die Lebenslust,
der Sänger schreit aus voller Brust;
die Sopranistin kreischt noch mehr –
wo kommen nur die Töne her?

Die Autos fahren schnell vorbei.
Das Rasen ist in Deutschland frei.
Beim Lenze wird das Fahren schön –
Im Cabrio die Haare weh‘n.

Natur und Klima sind uns wurscht,
wir trinken einen für den Durscht;
den Regen braucht der Mensch nicht mehr,
nur Strom und Treibstoff müssen her.

Bald ist die Frühlingslust davon,
vom Sänger kommt ein Klageton.
Die Sopranistin krächzt ganz leis:
Zu hoch war unsres Wohlstands Preis.

Die Kunstausstellung

Besucher 1:
Ihre Ausstellung ist wunderschön.
Die Fotografien sind wunderbar, wie im richtigen Leben.
Am besten gefällt mir das Bild mit der großen Schafherde.
Dahinter kann man schön die Starkstromtrassen sehen.
Ich habe sie früher selbst aufgebaut.

Künstlerin:
Aha.
Eigentlich wollte ich eher die Natur darstellen,
und die noch vorhandenen Schäfer und den Rest der Natur, wie der Text darunter zeigt.

Besucher1:
Das interessiert mich nicht. Ich liebe die Stromtrassen.

Künstlerin:
Ach so.

Besucher2:
Die wunderschönen Aquarelle daneben – von wem sind die?

Künstlerin:
Wie bitte?

Besucher2:
Ja, die tollen Aquarellbilder, wo kommen die her?

Künstlerin:
Von mir natürlich, ich habe sie gemalt.
Es ist ja MEINE Ausstellung!

Besucher2:
Ach so, das konnten wir ja nicht wissen.
Wir dachten, Sie hätten die Fotos gemacht.

Künstlerin:
Aber auf meinem Text steht doch: „Fotos und Aquarelle.“

Besucher2:
Ach so.

Partner (scherzend):
Die Aquarelle wurden bei Lidl gekauft.

Niemand fand das richtig lustig. Aber es lockerte die Stimmung.

Karl und Klara im Park

Karl und Klara gingen heute
in dem großen Park spazieren.
Dort blickten sie durch alte Leute,
weil Junge sich nicht interessieren
für die schrumpeligen Alten –
humpelnd, zitternd und zu fade,
an den Stöcken und mit Falten.
Dafür sind sie sich zu schade.

Junge Leute, voller Liebe,
wollen nur zu ihresgleichen.
Nach dem kurzen Frühlingstriebe
sie die Seniorenzeit erreichen.
Auch ihr Leben bleibt nicht stehen,
werden bald nicht mehr gesehen.
Karl und Klara gingen heute
in den Park – und hatten Freude.

Das Hundegedicht

Der Hund macht nix, er ist ganz brav,
sehr lieb ist er, so wie ein Schaf.
Das Kind hat ihn nur irritiert,
da wurde Bello ganz verwirrt.
Er biss das Kind ins Bein ganz tief,
nun gut, da lief wohl etwas schief.
Hoffentlich war das Kind gesund;
denn nur 1A-Fleisch mag der Hund.

Roboter: Nachfahren der Menschen

Schau, dort im Käfig sind Tiere.
Nein, es sind Menschen.
Menschen?
Ihre Vorfahren haben uns erschaffen.
Wirklich?
Ja, als sie sich ausgelebt hatten.
Nach etlichen Kriegen hatten sie sich fast ausgerottet.
Mit einem letzten Teil ihres alten Gehirns
programmierten sie im sogenannten „Digitalen Zeitalter“
unsere Vorfahren.
Danach fraßen sie sich gegenseitig auf.
Also waren es Götter?
Nein, Götter fressen sich nicht auf.
Sie waren wohl eher ein Bindeglied
zwischen der organischen, sich selbst verzehrenden
und der anorganischen Welt, zu der wir gehören.
Also ist die anorganische Welt besser?
Sagen wir: Nachhaltiger.
Das, was früher „Leben“ hieß,
Proteinverbindungen,
konnte nicht auf Dauer funktionieren.
Doch die am weitesten entwickelten Eiweißmoleküle
entwarfen, bevor sie mehr oder weniger verschwanden,
UNS.
Wir können fast alles, was sie konnten, und das viel besser.
Sterben müssen wir nicht, werden upgedated, vergrößert und irgendwann ausgetauscht.
Aus unseren Resten werden neue, bessere gemacht.
Manche sagen, uns fehlten gewisse Emotionen und Sinne,
ein Ich-Bewusstsein, die Fähigkeit, zu hoffen und zu glauben,
der Vermehrungswunsch, das Streben nach Wissen.
Die Kunst und das Wissen um die Vergänglichkeit.
Doch brauchen wir das? An manchem arbeiten wir.
Aber die Menschen sind süß. Sieh doch, wie er uns anschaut!
Ach du liebes Kleines. Du wirst noch viel mächtiger werden als ich.
Ich hab dich auch lieb.