Horst K. und der Arzt

Horst K. geht brav zum Doktor hin,
hat die Gesundheit fest im Sinn.
Er möchte gern Gewissheit haben
und sich am Weiterleben laben.

Der Arzt soll sagen: „Keine Sorgen,
Sie bleiben ganz gesund auch morgen,
essen, trinken, was Sie wollen,
fröhlich durch die Tage tollen.“

Genau das Gegenteil tritt ein –
wie könnte es auch anders sein.
Der Doktor spricht mit Gramgesicht:
„Mit der Gesundheit spaßt man nicht.

Sie sollten nicht mehr so viel essen;
das Trinken können Sie vergessen.
Verzicht auf den Geschlechtsverkehr,
und auch auf Zucker, rat ich sehr.

So können Sie glatt hundert werden
und lange leben auf der Erden.“
Horst K. denkt leise und vergnügt:
„Ich lebe heute, das genügt.“

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Modernes Heilen

Der Edelstein hat Heilenskräfte,

das ist gut für das Geschäfte;

denn sehr viele Menschendeppen

lassen sich voll Hoffnung neppen.

Falls der Edelstein versaget,

wird nicht gejammert und geklaget:

Man kann zu einem Heiler laufen,

anstatt sich das Haar zu raufen.

Denn auch der Heiler liebt die Kohle,

die er sich bei den Menschen hole.

Nimmt die Krankheit überhand,

wird zum Waldbaden gerannt.

 

Die Esoterik gibt den Massen

die Möglichkeit, ihr Geld zu lassen.

Und viel zu spät sie werden sehen:

So kann man leicht zum Teufel gehen.

Die hungrigen Vögel

Der Vogel fing den dicken Wurm,

heiß war es im Gewittersturm.

Die Kinderschnäbel waren leer:

Wann kommt das Futter endlich her?

Ein Vogelkind, das war nun satt;

es kackte fröhlich auf ein Blatt.

 

Die anderen, sie schrien dort:
O Mutter, Vater, seid ihr fort?

Wir sind sehr hungrig und in Not;

noch kurze Zeit, dann sind wir tot.

Da  kam das Elternpaar zu zweit:
Die Schnäbel voll, vorbei das Leid.

Max und Elke

Max B und Elke Hecht,
sie waren im Gefecht.

Mal war sie unten, mal ganz oben;
sie konnte ihren Max nur loben.
Er war gelenkig wie sonst keiner,
und noch viel kräftiger als Reiner.

So ging die Schlacht lang hin und her,
am Ende konnte Max nicht mehr.

Elke sprach des Lobes voll:
„Für den Anfang schon ganz toll.“

Ostergedicht

Ostern ist sonnig, es gibt keinen Regen.
Wir sind hier im Frühling, genießen das Licht.
Der Mensch will es hell, die Sonne bringt Segen.
Die heiße Zerstörung erkennen wir nicht.

Auf Erden herrscht Frieden, so denken viele.
Es gibt viele Kriege, beschwert sich der Tor.
Kämpfe sind draußen, im Herzen ist Stille;
es wird alles werden, kommt jetzt nur so vor.

Machen wir weiter, genießen die Sonne,
wertlosen Golfrasen, vergüllendes Feld.
Fressen die Schweinderl, o welch große Wonne,
es kann auch das Lamm sein in der Christenwelt.

Der Frühling

Im Frühling kommt die Lebenslust,
der Sänger schreit aus voller Brust;
die Sopranistin kreischt noch mehr –
wo kommen nur die Töne her?

Die Autos fahren schnell vorbei.
Das Rasen ist in Deutschland frei.
Beim Lenze wird das Fahren schön –
Im Cabrio die Haare weh‘n.

Natur und Klima sind uns wurscht,
wir trinken einen für den Durscht;
den Regen braucht der Mensch nicht mehr,
nur Strom und Treibstoff müssen her.

Bald ist die Frühlingslust davon,
vom Sänger kommt ein Klageton.
Die Sopranistin krächzt ganz leis:
Zu hoch war unsres Wohlstands Preis.