Nachtgedanken

Rassismus, Dummheit, Angstgedanken
bringen unser Land zum Schwanken.
Wo sollen wir die Lösung suchen?
In dem großen Wohlstandskuchen?
In der Bildung, in der Liebe?
In dem Religionsgetriebe?
Bei den politischen Parteien,
die ihre laute Wahrheit schreien?
Auch aus des Seelendoktors Gründen
will man uns das Glück verkünden.
Vielleicht könnten wir schlicht beginnen,
bevor uns wird die Zeit verrinnen,
und den Erdball wir verlieren,
die Anderen zu respektieren.

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Der Sinn des Lebens

Die Welt dreht sich noch eine Weile,
für Menschen gibt es keine Eile.
Unser Dasein ist nur kurz,
kürzer als ein Fliegenfurz.

Was sollten wir nun in der Zeit
tun bei der Gelegenheit
unsres Lebens, das so knapp;
denn bald schon liegen wir im Grab.

Dichten, musizieren, ficken,
kontemplieren, Sterne blicken,
denken, glauben und studieren,
niemals in der Kälte frieren,
immer wieder Neues lernen,
Zecken aus der Haut entfernen,
manchmal saufen,
etwas raufen,
Gutes tun,
ein wenig ruhn,
später zu den Sternen fliegen,
aber niemals uns bekriegen.

Erfolg

Erfolg, die höchste aller Leitern,
wechselt ständig ihr Gesicht.
Sie zerbricht, hört auf, geht weiter,
nur – man weiß es vorher nicht.

Ein Werk, das eben man begonnen,
wird sofort Vergangenheit.
Bevor der Augenblick zerronnen,
liegt er fern schon unsrer Zeit.

Hast einen Gipfel du erklommen,
stehst du schon am nächsten Berg.
Trotz Schätzen, die du grad bekommen,
bleibst du doch für viele – Zwerg.

Das Große, das du kannst erreichen,
wird recht klein, blickst du zurück.
Jede Tat muss neuen weichen –
Bringt Erfolg denn gar kein Glück?

So lang du neue Ziele siehst,
bringst du deine Welt ins Lot.
Jede Hoffnung , die du fliehst,
bringt im Leben dir den Tod.

 

Stimmungen

Man lebt halt so, von Tag zu Tag
und fragt sich, was man wirklich mag;
sitzt in Gedanken, schwer und still,
denkt: „Ist es dieses, das ich will?
Oder was andres, oder auch
vielleicht nur einen vollen Bauch?“
Und wie man sitzt, und wie man denkt,
wird einem Lebenskraft geschenkt.
Sie kommt ganz einfach, weiß nicht, wie,
ist plötzlich da – jetzt spürt man sie,
steht auf und reckt sich das Gebein:
„Wie schön kann doch das Leben sein.“

Rückblick aus dem Altersheim

Früher war alles viel besser,
das Essen, das Leben, der Krieg.
Wie plätscherten klar die Gewässer,
und stolz kämpfte man für den Sieg.
Man floh noch des Schullehrers Rute
und träumte so froh in der Not;
die Schurken bekamen die Knute,
man ehrte, weil hungrig, das Brot.
Man achtete noch die Gesetze
und diente stets treu und loyal,
verschloss seine Ohren der Hetze
von links, wie’s der Führer befahl.
Und dann ging es hart an das Aufbau’n,
fest nahm man die Schippe zur Hand;
mit ihr könnte heute man draufhau’n,
sieht man das Gesindel im Land.
Im Kopf haben sie hohle Flausen,
sind rot oder grün nebenbei;
zu zwölft sie in Bruchbuden hausen,
sie stinken, sind dreckig und frei.
Und dann erst die ganzen Kanaken,
der farbige Abschaum im Land,
man sollte am Kragen sie packen,
dann stellen wir sie an die Wand.
Wenn Krieg kommt, so muss es ihn geben,
wir werden ihn schon übersteh’n;
die Kinder, falls sie es erleben,
sie werden nach hinten dann seh’n;
denn:
Früher war alles viel besser,
das Essen das Leben, der Krieg.
Wie plätscherten klar die Gewässer,
und stolz kämpfte man für den Sieg.

Da kann man nichts machen

Der Mensch frisst sich voll
wenn er kann.
Er frisst den anderen etwas weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.

Der Mensch säuft sich voll
wenn er kann.
Er säuft den anderen etwas weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.

Der Mensch fickt mit anderen Menschen herum
wenn er kann.
Er nimmt die Menschen den anderen weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.

Der Mensch schießt andere Menschen tot
wenn er kann.
Er nimmt die Menschen den anderen weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.

Der Mensch verleugnet sein eigenes Ich
wenn er kann.
Er nimmt das Ich sich selber weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.

Gute Vorsätze

Ein jeder sollte danach streben,
dass seine Welt in Ordnung ist,
soll glücklich und zufrieden leben,
wenn es den Nachbarn auch verdrießt.

Die kleinen Schläge überwinden,
die größeren mit Mut bestehn,
in seiner Seele Ruhe finden
und festen Schritts durchs Leben gehn.

Soll dabei stets und allerorten
versuchen, Gutes gern zu tun,
mit Taten helfen und mit Worten,
in diesem Streben niemals ruhn.

Dem Bettler eine Münze geben,
dem Zaghaften ein Pfeiler sein,
dem Traurigen das Haupt anheben,
dem Schuldigen die Tat verzeihn.

Wer dann noch täglich seine Pflichten
und all sein Werk mit Freude tut,
nach dem kannst du dich gerne richten,
vor ihm, da ziehe deinen Hut!