Gespräch beim Wandern – Nr.1 –

WANDERERGESPRÄCH Nr. 1
„Hallo, kommen Sie auch von hier?“
„Nein, ich komme aus dem Norden.“
„Woher denn, bitteschön?“
„Aus Lübeck.“
„Ah, Lübeck ist eine schöne Stadt. Ich war mal früher dort. Ich kenne es gut. Kennen Sie das Wirtshaus Störtebeker?“
„Nein.“
„Und Sie wollen aus Lübeck sein? Und kennen den Störtebeker nicht? Der Störtebeker war doch mal das berühmteste Haus am Platze. Na ja, er war ziemlich teuer. Nur für die Besserverdienenden, würde man heute sagen. Ich habe dort Muscheln und Austern gegessen. Die besten Austern des Nordens. Nicht mal in der Bretagne sind sie so gut. Und ich war schon oft in der Bretagne. Auch nicht ganz billig, aber es lohnt sich. Und die Kultur erst. Die Dolmen und Menhire. Aber die kann ja nicht jeder kennen.“
„Ach so, es tut mir leid, dass ich Ihren Störtebeker nicht kenne. Lübeck ist ja eine größere Stadt. Da kann man nicht jedes Lokal kennen.“
„Aber ich bitte Sie. Den Störtebeker muss man kennen.“
„Eigentlich kenne ich meine Heimatstadt recht gut. Wann waren Sie denn da?“
„Na, ja, ist schon einige Jahre her. So in den 60er oder 70er Jahren, denke ich.“
„Ach Gott, da ging ich ja noch zur Schule. Das sind ja gut 50 Jahre. In dieser Zeit verändert sich auch die Gastronomie.“
„Na ja. Die Austern in der Bretagne waren auch ganz gut.“
„Und wann waren Sie dort?“
„1986. Das weiß ich sogar ganz genau. Zu unserer Silberhochzeit.“
„Das ist ja auch schon drei Jahrzehnte her. Die Qualität der Meeresfrüchte ist seitdem nicht besser geworden.“
„Na und? Gehören Sie etwa zu den Super-Gutmensch-Umweltverbessern? Ich hoffe nicht. Die Dolmen und Menhire stammen jedenfalls noch aus der Keltenzeit. Und stehen immer noch dort.“
„Ja, ich habe sie bei Asterix und Obelix gesehen“.
„Die waren damals auch da, glaube ich. Wir haben sie gesehen. Aber nur von Weitem.“

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Mensch und Krokodil

Es kämpften einst zwei Krokodile
um die Vorherrschaft beim Fressen.
Bei Menschen sind es viel zu viele;
so müssen sie einander essen.

Sabine und Ruth

„Das Leben ist schwer“, klagt Sabine.
„Da hast du Recht“, entgegnet Ruth.
„Warum ich das denn nur verdiene?
Den anderen geht es so gut.“

Dabei verzog sich ihre Miene,
verächtlich zog den Mund die Ruth.
„Immer nur dieselbe Schiene,
wie blöd das dumme Leben tut.“

Sie fuhren fort, sich zu bedauern,
jammerten ganz laut und weit,
steckten in den dicken Mauern
der Beschränktheit unsrer Zeit.

Der Sinn des Lebens

Die Welt dreht sich noch eine Weile,
für Menschen gibt es keine Eile.
Unser Dasein ist nur kurz,
kürzer als ein Fliegenfurz.

Was sollten wir nun in der Zeit
tun bei der Gelegenheit
unsres Lebens, das so knapp;
denn bald schon liegen wir im Grab.

Dichten, musizieren, ficken,
kontemplieren, Sterne blicken,
denken, glauben und studieren,
niemals in der Kälte frieren,
immer wieder Neues lernen,
Zecken aus der Haut entfernen,
manchmal saufen,
etwas raufen,
Gutes tun,
ein wenig ruhn,
später zu den Sternen fliegen,
aber niemals uns bekriegen.

Der Kalfaktor

Der „calfactor“ war recht drollig;
er machte es im Winter mollig,
ihn gab es in den alten Zeiten.
Er war brav, man konnt‘ ihn leiden.

Heißmacher in der heut’gen Zeit,
gibt’s gar viele weit und breit,
die, schaut man mit erschrocknen Augen,
nicht einmal zum Kalfaktor taugen.