Wanderergespräch Nr. 3

„Sind Sie auch hier in Urlaub?“
„Nein, ich lebe mit meinem Mann hier schon seit drei Jahren“.
„Ach so. Schade. Da kennen Sie sich ja hier aus.“
„Ja, ein bisschen schon. Wieso schade?“
„Na ja, Sie sind eine schöne Frau und würden mir gefallen. Ich mache nämlich alleine hier Urlaub. Meine Frau ist zu Hause geblieben. Aber Sie haben ja einen Mann.“
„Danke für das Kompliment. Ja, ich bin vergeben. Wo kommen Sie denn her?“
„Aus Emmendingen. Sie wissen natürlich nicht, wo das ist.“
„Es ist in der Nähe von Freiburg. Ich habe dort eine Zeitlang gelebt und studiert.“
„Ach so, eine schöne Frau und auch noch gebildet. Ist Ihr Mann auch gebildet und ist er noch rüstig?“
„Ja, ich habe einen sehr netten Mann, er ist kräftig und einige Jahre jünger als Sie.“
„Na ja, ich war Vizemeister im Diskuswerfen.“
„Sehr interessant, ist wahrscheinlich 50 Jahre her.“
„Sie belieben zu scherzen. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Aber ich bin immer noch sportlich, tanze, spiele Golf und ab und zu Tennis.“
„Ich bin sehr beeindruckt.“
„Ja, und ich habe viel Geld. War in der Entsorgungsbranche und hatte eine große Firma.“
„Verstehe. Und dann kommen Sie hierher, in diese preiswerte Gegend, zum Urlaubmachen? Warum nicht in der Schweiz oder auf den Seychellen?“
„Ach, schöne Frau. Da war ich doch schon. Ich habe die ganze Welt gesehen. Mache jedes Jahr eine Kreuzfahrt, manchmal auch zwei. Da gibt es schönen Luxus und viele nette Frauen.“
„Nehmen Sie denn Ihre Frau nicht mit?“
„Nein, sie ist eher bieder.“
„Was heißt bieder? Liebt sie keinen Urlaub und keinen Luxus?“
„Doch, schon, aber nicht mit mir.“
„Das klingt aber nicht gut. Sie müsste doch auf einen Mann wie Sie stolz und gerne bei ihm sein.“
„Im Laufe der Jahre verändern sich halt die Interessen. Sie interessiert sich für andere Sachen als ich.“
„Wofür interessiert sie sich?“
„Na ja, sie liebt die Natur, Vögel, Schmetterlinge. Sie malt und spielt Klavier. Tanzen mit mir mag sie nicht, essen und trinken können wir zusammen; aber dann liebt sie diese seltsame südliche Musik. Alles seltsam und ein wenig widerlich.“
„Also finden Sie die Sachen, die Ihre Frau liebt, widerlich?“
„Nein, natürlich nicht. Wie ich schon sagte, im Laufe der Zeit gehen halt die Interessen auseinander.“
„Ok, mein Mann und ich müssen uns auch immer zusammenraufen. Aber irgendwann klappt das. Dann finden wir einen Kompromiss.“
„Sie glückliche, schöne Frau. Wenn ich mal so fragen darf – nun gut, Sie sind ja noch nicht alt, aber ganz jung auch nicht mehr, ist denn im Bett auch noch alles gut?“
„Bei uns eigentlich schon. Im Laufe der Zeit wird es etwas weniger, aber trotzdem ist es schön. Bei Ihnen nicht?“
„Ich weiß nicht, was meine Frau will. Sie träumt wahrscheinlich von jüngeren Männern. Aber ich nehme ab und zu Viagra (im Vertrauen). Dann bin ich stundenlang knochenhart, aber ihr scheint das nicht zu genügen.“
„O weh. Hoffentlich wird das bei uns auch nicht so, wenn wir älter sind.“
„Was heißt älter? Ich bin total fit und suche eine junge, knackige Frau.“
„Ich muss weiter. Viel Spaß bei der Suche.“

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Advent

Adventsgedöns, Marktgeschrei,
den Kindern ist es wohl dabei,
denken Alte und sind froh,
doch die Kinder finden’s grässlich.
Weihnachtsbäume, ach wie hässlich.
Was soll das Advendsgetue?
Warum müssen wir dabei sein?
Was soll das ganze Jesus-Getue?
Wir würden lieber Spiele spielen.
Alte, lasst uns ganz in Ruhe.
So denken sie, die jungen Bösen,
der Herrgott wird sie gern erlösen.

Die Jugend

Die Schule nervt und auch die Alten.
Sie sind blöd und haben Falten.
Schwafeln von den Nazijahren,
Die sie selbst nicht mehr erfahren.

Was wollen diese Deppen nur?
Uns belehren, keine Spur.
Ihr wisst doch nichts von dieser Zeit.
Eure Welt ist schon Vergangenheit.

Wir wollen hier und heute leben,
die Welt verstehen, vieles geben
von dem, was wir umsonst bekommen.
Wir sind nicht heilig, keine Frommen.

Wir rasen mit 300 Sachen,
und lassen es ganz kräftig krachen.
Manchmal kommt der Tod ins Haus,
wir aber machen uns nichts draus.

Die Haut ist glatt, die Lippen rot.
Wir sind lebendig und nicht tot.
Alles ist kräftig, alles stark,
in den Muskeln, bis ins Mark.

Das Herz ist stark und auch der Magen,
wir können noch zehn Bier vertragen.
Und ein Riesensteak dabei,
uns Jungen ist das einerlei.

Die erste große Liebe zart,
der Zipfel, er ist ständig hart,
und zärtlich krault man das Genick,
auch den Hals, das Lendenstück.

Wir warten freudig auf die Zukunft
und den nächsten Wiegentag.
Möchten schnell „erwachsen“ sein,
weil man die Jugend nicht mehr mag.

Die Frauen sind so schön und bunt
gertenschlank und kerngesund.
Der Geigenhimmel kunterbunt,
wir sind jung, der Jugendfund.

Die Welt ist schön, wir lachen nur,
sind ohne Angst, nein, keine Spur.
Die Taschen sind zwar immer leer,
der Papa hilft; das Amt gibt mehr.

Wir freu‘n uns auf die große Liebe
und auf die kleine, nach dem Triebe.
Wir lassen laufen unsren Sex,
und leben diese Welt auf Ex.

Der Arbeitgeber melkt uns immer,
er nimmt uns unsren Lebensschimmer.
Ohne ihn, wir könnten uns schön laben,
leben, saufen, Urlaub haben.

Die Bank gibt uns noch ganz viel Kohle,
viel Kredit, zu unsrem Wohle.
Für das Auto und das Haus.
Nur wird oft leider nichts daraus.

So geh’n sie hin, die schönen Jahre,
bis endlich liegst du auf der Bahre.
Und hinter dir, da lag das Leben.
Hast du richtig gehandelt eben?

Hättest du nicht mehr lernen sollen,
mehr geben denen, die nichts haben?
Der Gerechtigkeit den Tribut zollen,
gib‘ ihnen ein paar gute Gaben.

Wanderergespräch Nr. 2

WANDERERGESPRÄCH Nr. 2

„Hallo,Sie haben eine große Kamera. Sind Sie von der Presse?“
„Nein, ich fotografiere nur zum Spaß.“
„Zum Spaß? Warum zum Spaß? Ist das eine Spiegelreflexkamera?“
„Nein, es ist eine Bridgekamera. Aber sie ist sehr einfach zu bedienen und recht leistungsstark. Ich fotografiere damit gerne Blumen, Tiere und die Natur. Das macht mir Freude.“
„Eine Spiegelreflexkamera ist immer besser. Es gibt gar nichts Besseres. Ich habe heute nur eine ganz kleine Digitalkamera für die Hosentasche dabei. Aber zu Hause habe ich mehrere Spiegelreflexkameras mit riesigen Objektiven.“
„Ach so, nun, mir reicht meine Bridgekamera. Sie hat einen 65fachen optischen Zoom und war recht preiswert. Damit gelingen mir manchmal tolle Schnappschüsse.“
„Ach, papperlapapp. Eine Spiegelreflexkamera ist immer besser, natürlich auch teurer. Und für Zoomaufnahmen braucht man ein Stativ.“
„Ich wollte aber keine Spiegelreflexkamera und keine Wechselobjektive. Das ist mir alles viel zu umständlich. Meine Bridgekamera ist genau das Richtige für mich. Ich habe ein Stativ, aber ich fotografiere alles aus der Hand. Manchmal verwackelt es, aber meistens klappt es.“
„Sie können halt nicht richtig fotografieren. Fotografieren ist eine Kunst.“
„Meine Fotos werden regelmäßig in der Presse als Leserfotos veröffentlicht. Auch habe ich schon einen Fotowettbewerb gewonnen.“
„Ja, von diesen neumodischen Bridgekameras habe ich auch mehrere. Aber meine Fotoausrüstung hat über 40.000 EUR gekostet.“
„Toll, und was machen Sie damit?“
„Ich bin in einem ganz exklusiven Fotografenclub. Darin dürfen nur maximal 10 Personen sein. Alles ältere Herren und alles Künstler. Sehr exklusiv.“
„Ich bin beeindruckt. Und weiter?“
„Wir treffen uns einmal im Monat, tauschen unsere Erfahrungen aus und zeigen uns die besten Fotos.“
„Und was noch?“
„Was noch? Wir essen etwas, trinken ein wenig, rauchen Zigarre, und dann freuen wir uns auf das nächste Treffen.“
„Ach so.“
„Eine meiner besten modernen Kameras ist eine Nikon Z7. Kostet schlappe 5000 EUR. Natürlich habe ich auch Linhof Kameras. Die kommen mit Zubehör auf bis zu 10.000 EUR. Davon können Normalsterbliche nur träumen.“
„Sie sind also ein toller Mann?“
„Na ja, ich bin bescheiden. Man muss ja nicht alles gleich so heraushängen.“
„Nun, wenn nichts mehr steht, dann muss es ja hängen. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag und noch viele schöne Fotogespräche.“
„Was? Wie bitte?“

Die alte Frau und der junge Mann

Sie fasst ihn immer wieder an
und möchte diesen jungen Mann.
Er ist jung und sie ist schwammig.
„Ist mir egal“, denkt er – „Verdammich“.

Jetzt trinkt er einen großen Schnaps,
isst das Fleisch mit einem Happs,
so kann er’s überstehen.
Sie drängt: „Wir sollten gehen“.

Sie hat ein Haus, ein Bett und Geld,
so ist er nicht auf sich gestellt.
Sein Vater hält ihn viel zu knapp:
Er soll studieren, papperlapapp.

So geht das hin, dann wird es schwer.
Es kommt ein junges Weib daher,
Sie ist frisch und hat Manieren.
Jetzt muss er schuften und studieren.