Die alte Frau und der junge Mann

Sie fasst ihn immer wieder an
und möchte diesen jungen Mann.
Er ist jung und sie ist schwammig.
„Ist mir egal“, denkt er – „Verdammich“.

Jetzt trinkt er einen großen Schnaps,
isst das Fleisch mit einem Happs,
so kann er’s überstehen.
Sie drängt: „Wir sollten gehen“.

Sie hat ein Haus, ein Bett und Geld,
so ist er nicht auf sich gestellt.
Sein Vater hält ihn viel zu knapp:
Er soll studieren, papperlapapp.

So geht das hin, dann wird es schwer.
Es kommt ein junges Weib daher,
Sie ist frisch und hat Manieren.
Jetzt muss er schuften und studieren.

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Der Beschützer

Im Café zur Sommerzeit
sitzt sie in einem schönen Kleid.
Nebenan hockt ihr Galan,
der strengt sich ganz erheblich an.
Er legt den Arm sehr sanft um sie,
will sie beschützen, weiß nicht, wie.
Besitzergreifend greift er zu,
sie schüttelt sich. “Lass‘ mich in Ruh“,
so denkt sie, sagt es aber nicht,
drum wird er frecher, dieser Wicht.
Sie fragt sich, ob sie glücklich war.
Mit diesem nicht, das wird ihr klar.
Die Frau guckt zweifelnd und verdattert,
in ihrem Hirn es knirscht und rattert.
Er jagt fort einen Wesperich,
mit der Speisekart‘ vom Tisch.
Sie will’s nicht haben, will nur weg,
wie es ihm sagen, diesem Zeck?
Ihre Arme sind verschränket nun,
was kann sie denn jetzt nur noch tun?
Sie lacht und sagt ganz fröhlich dann:
„Ich geh‘ und such‘ mir einen Mann“.

Meine Frau

Ich liebe meine gute Frau,
warum, das weiß ich nicht genau,
ich liebe ihren tiefen Schlaf,
wahrscheinlich bin ich nur ein Schaf.
Ich liebe ihren schönen Po,
ein Schwein bin ich ja sowieso.
Auch liebe ich ihren Verstand,
der mich stets auf das Neue bannt.
Und jeden Tag ich frage mich:
„Warum, warum nur liebt sie mich?“

Fritz und Renate

Fritz liegt auf dem Kanapee,
will gemächlich ruhen.
Seine nervende Renate
findet blöd das und auch fade.
Sie will lieber shoppen gehen,
ratschen, andre Menschen sehen.
Er will seine Ruhe haben,
in dem Pfuhle sich vergraben.
Da beginnt ihr Zorngeschrei;
mit der Ruhe ist’s vorbei.
Fritze sagt mit schlauem Blinken:
„Erst geh’n wir shoppen und dann trinken.“

Der Kohldampf

Sie sagte ihm ganz liebevoll,
dass er sie immer lieben soll.
Er hat sie nicht mal angeblickt,
war auf dem Stuhle eingenickt.
Das nahm sie ihm gar übel sehr,
und kochte ihm kein Essen mehr.
Die Beine blieben auch geschlossen,
das hat ihn dann noch mehr verdrossen.
Am Schluss dann, nach zwei Hungerwochen,
da kam er wieder angekrochen.
Er sprach: „Ich will dich immer lieben,
nur lass‘ mich nicht mehr Kohldampf schieben.“

Schlankheitswahn

Zwei Skelette lagen auf dem Bette,
was das bedeutet, gilt die Wette:
Sie hungerten ein ganzes Jahr
für die Gesundheit, wunderbar.
Wie Bohnenstangen sah’n sie aus,
spindeldürr, es war ein Graus.
Die Knochen klapperten ganz laut
unter der glatten Lederhaut.
Zur Ruhe legten sie sich nieder,
und streckten ihre dünnen Glieder.
Sie wollten nochmal Sex erleben,
es ging nicht mehr, so war das eben.
Die Lust war da, das Fleisch verschwunden,
so haben sie den Tod gefunden.

Klaras Fall

Frau Klara M. lag nackt im Bett. Sie träumte sanft und tief.
Da kam zu ihr ein junger Mann, doch Klara weiter schlief.
Sie wachte auf am nächsten Tag und fühlte sich nicht gut.
Woher das kam, ward schnell ihr klar: Am Türgriff hing ein Hut.
Soweit der Fall, nun die Moral – zumindest wissen wir:
a) War der Mann jetzt ohne Hut und
b) kein Kavalier.