Konkurrenzen

Ich bin sehr reich, sagte der Franz.
Ich bin sehr klug, entgegnete Hans.
Ich habe drei Frauen, erwiderte Glen.
Ich bin noch viel besser, behauptete Ben.
Ich kenne die Welt, betonte der Gunter,
da blitzten acht Augen, aggressiv-munter.

Ich bin hochsensibel, bekannte Marie.
Da schwiegen die Männer, und still wars wie nie.

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Verantwortung

Die Welt frisst sich tot,
einige leiden Not.
Andere sind nur am Schmatzen,
bis sie eines Tages platzen.
Dann explodiert auch der Planet,
man glaubt es nicht, wie schnell das geht.
Nun kehrt wieder Ruhe ein,
wie schön, Beobachter zu sein.

Nachtgedanken

Rassismus, Dummheit, Angstgedanken
bringen unser Land zum Schwanken.
Wo sollen wir die Lösung suchen?
In dem großen Wohlstandskuchen?
In der Bildung, in der Liebe?
In dem Religionsgetriebe?
Bei den politischen Parteien,
die ihre laute Wahrheit schreien?
Auch aus des Seelendoktors Gründen
will man uns das Glück verkünden.
Vielleicht könnten wir schlicht beginnen,
bevor uns wird die Zeit verrinnen,
und den Erdball wir verlieren,
die Anderen zu respektieren.

Sabine und Ruth

„Das Leben ist schwer“, klagt Sabine.
„Da hast du Recht“, entgegnet Ruth.
„Warum ich das denn nur verdiene?
Den anderen geht es so gut.“

Dabei verzog sich ihre Miene,
verächtlich zog den Mund die Ruth.
„Immer nur dieselbe Schiene,
wie blöd das dumme Leben tut.“

Sie fuhren fort, sich zu bedauern,
jammerten ganz laut und weit,
steckten in den dicken Mauern
der Beschränktheit unsrer Zeit.

Der Sinn des Lebens

Die Welt dreht sich noch eine Weile,
für Menschen gibt es keine Eile.
Unser Dasein ist nur kurz,
kürzer als ein Fliegenfurz.

Was sollten wir nun in der Zeit
tun bei der Gelegenheit
unsres Lebens, das so knapp;
denn bald schon liegen wir im Grab.

Dichten, musizieren, ficken,
kontemplieren, Sterne blicken,
denken, glauben und studieren,
niemals in der Kälte frieren,
immer wieder Neues lernen,
Zecken aus der Haut entfernen,
manchmal saufen,
etwas raufen,
Gutes tun,
ein wenig ruhn,
später zu den Sternen fliegen,
aber niemals uns bekriegen.

Der Kalfaktor

Der „calfactor“ war recht drollig;
er machte es im Winter mollig,
ihn gab es in den alten Zeiten.
Er war brav, man konnt‘ ihn leiden.

Heißmacher in der heut’gen Zeit,
gibt’s gar viele weit und breit,
die, schaut man mit erschrocknen Augen,
nicht einmal zum Kalfaktor taugen.