Small Talk im Café

Bei nettem Small Talk im Café,
in das ich gerne öfter geh‘,
musst‘ ich mich zusammenreißen,
dauernd auf die Lippen beißen.

Andere sich ständig lobten,
lügend sich die Balken bogen.
Heldentaten sie erzählten,
und die Leute dabei quälten.

Dann zwei Stunden so vergingen,
gräuslich mir die Ohren klingen,
und der Kopf tat mir sehr weh,
bei meinem Small Talk im Café.

Hoffnung

Am Himmel sieht man Vogelschwärme.
Bei mir, da rumpeln die Gedärme.
So hat die Welt stets zwei Gesichter,
und voller Sorgen ist der Dichter.

Solange noch die Vögel schwärmen
und alles flutscht in den Gedärmen,
wenn alle Kriege endlich enden,
wird sich die Welt zum Guten wenden.

Roulade

Heute gibt es Rindsroulade,
die ist gut und schmeckt nicht fade.
Schöne Knödel, dunkle Sauce,
und das Rotkraut aus der Dose.

Delikates Seelenessen;
Politik will ich vergessen.
Gut gefüllt ist jetzt der Magen.
Einen Schnaps könnt ich vertragen.

Nicht, dass man mich falsch verstehe;
es geschieht das, was geschehe.
Völkermord und Bomben fallen.
Hoffnungslosigkeit bei allen.

Bei vielen kommt die Frage hoch:
Ist Krieg und Tod des Menschen Joch?
Dichter hat die Schreibblockade.
Manchmal hilft die Rindsroulade.

Rezept zur Freude

Sei freundlich stets zu jedermann;
denn so man nur gewinnen kann.
Zeig‘ deine Zähne, weiß und schön.
Sei brav und lass dich niemals gehn.

Wenn alle sagen „Der ist lieb“,
bist du ein rechter Herzensdieb.
Es geht dir gut auf dieser Welt,
auch, wenn dir manches nicht gefällt.

Du hast nur Freunde, keinen Feind,
und jeder gut es mit dir meint.
Dann sinkst du fröhlich in das Grab.
So gut wie dich es keinen gab!

Kochen oder nicht

Ich schneide jetzt die Zwiebel,
doch dabei wird mir übel,
und meine Tränen fließen.
Jetzt muss ich auch noch niesen.

Gut kochen für das Leben,
es ist mir nicht gegeben.
Warum soll ich mich stressen?
Ich geh‘ im Gasthaus essen.

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Der alte Feldweg

Bin hier seit zwölfhundert Jahren,
vor mir war es ein Römerweg.
Kutschen sind auf mir gefahren,
hinten kommt aus Holz ein Steg.

Ritter, Bauern und Kanonen,
befuhren mich zu ihrer Zeit.
Heute fliegen oben Drohnen;
der Krieg bringt immer Menschenleid.

Wenn die Heutezeit vergangen,
werde ich nur ein Feldweg sein.
So, wie Tiere auf mir sprangen,
wird es im neuen Frieden sein.

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