Herbst am See

Herbst am See – Illustriertes Gedicht von Berndt Baumgart

Herbst am See

Es glitzern Sonnenstrahlen in dem See.

Libellen leicht und rastlos darauf schwirren.

Doch lassen wir uns dadurch nicht beirren:

Auf fernen Bergen funkelt schon der Schnee.

#gedichte #autor #illustriertegedichte #libellen

Entscheidung am Morgen

Ein Gedicht von Berndt Baumgart

Entscheidung am Morgen

Einst wachte ich des nächtens auf.

Es war zur zweiten Stunde.

Beginnt schon jetzt der Tageslauf?

Ich schlaf‘ noch eine Runde!

#gedichte #gedicht #illustriertegedichte

Der Tageslauf

Der Tageslauf

Der Tageslauf

Wir warten auf die nächste Wolkenlücke.

Das Laufen brauchen täglich wir zum Glücke.

Und dreh‘n wir manchmal nur die kleine Runde,

So ist es doch des Tages schönste Stunde.

#gedichte #lyrik #glück

Modernes Theater – Fünfte Szene – In einem Ministerium

Modernes Theater – Fünfte Szene – In einem Ministerium

Ministerialdirigent Dr. Weber, Referatsleiterin Frömel, Referent Kühn, Hilfsreferent Scholz, Aktenbote, Minister

Ministerialdirigent 

„Frau Frömel, meine Herren, ich habe Sie an diesem Montagmorgen schon zu Dienstbeginn zur Besprechung eingeladen. Wie Sie wissen, haben wir seit letzter Woche eine neue Landesregierung. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Wir alle sind Beamte und…Entschuldigung Frau Frömel, …und Beamtinnen, nein natürlich nicht ‚und‘, sondern Beamte ODER Beamtinnen, ach, ich komme ganz durcheinander…“

Frau Frömel 

„Ist schon gut, Herr Dr. Weber. Belassen Sie es ruhig bei der männlichen Form. Ich habe kein Problem damit.“

Ministerialdirigent 

„Danke, Frau Frömel. Das macht es mir leichter. Als Beamte haben wir alle einen Diensteid geschworen. Sie wissen, was das bedeutet. Gewissenhaft sollen wir unsere Amtspflichten erfüllen. Das haben wir immer getan und werden wir auch weiterhin tun. 

Natürlich haben wir auch als Beamte eine politische Meinung. Viele gehören auch zu einer Partei, obwohl wir, wie Sie wissen, uns bei politischer Betätigung zurückhalten müssen. Wir können unsere politische Überzeugung äußern, aber nur außerhalb des Dienstes. Im Dienst sind wir zur Neutralität verpflichtet. 

Warum ich das alles sage? Alle pfeifen es von den Dächern: Unser neuer Minister gehört einer anderen Partei an als ich. Ich weiß also nicht, wie es in unserer Abteilung weiter gehen wird.“

Referent Kühn 

„Heißt das, Sie werden unsere Abteilung, in der sie neun Jahre gedient haben, verlassen?“

Hilfsreferent Scholz 

„11 Jahre. Es waren 11…“

Frau Frömel 

„Herr Scholz, Sie sind nicht an der Reihe. Es ist nicht Ihre Aufgabe, Herrn Kühn zu korrigieren.“ 

Ministerialdirigent 

Lacht. „Lassen Sie es gut sein, Frau Frömel. Ganz so unrecht haben beide Herren nicht. Ich war, das heißt, ich bin neun Jahre lang Ihr Abteilungsleiter, aber davor habe ich schon zwei Jahre den seinerzeit schwer erkrankten Herrn Altmeier, Gott hab ihn selig, als Abteilungsleiter vertreten. Macht insgesamt 11 Jahre. Da hat Herr Scholz schon Recht. 

Also, was ich sagen wollte. Ich war, das heißt, bin ja Vorsitzender in der Kommission zur Verwaltungsreform. Und unser neuer Minister war immer entschieden gegen unsere Kommissionsvorschläge. Daher könnte es sein, dass…“

Es klopft an der Tür.

„Herein. Es ist fürchterlich, dass sich gerade heute meine langjährige Vorzimmerdame Frau Wagner, krank gemeldet hat. Frau Halm, die sie vertreten soll, soll eigentlich schon da sein. Ist sie aber offenbar noch nicht. Es ist unerträglich. Diese Unordnung. Alles ist aus den Fugen geraten.“

Die Tür geht auf.

Amtsbote 

„Bitte um Entschuldigung, Herr Dr. Weber. Hier ist ein sehr dringendes Schreiben vom Ministerbüro. Ich habe Weisung, es Ihnen sofort auszuhändigen.“ Macht einen tiefen Bückling und händigt das Schreiben aus.

Ministerialdirigent

„Danke. Geben Sie schon her. Er nimmt das Schreiben und faltet es auf. Seine Gesichtszüge entgleisen. Solch eine Unversch…Was machen Sie noch hier? Danke, Sie können gehen.

Der Amtsbote geht rückwärts zur Tür und verlässt das Zimmer.

Frau Frömel, meine Herren, ich bin soeben darüber unterrichtet worden, dass ich ab sofort nicht mehr Ihr Abteilungsleiter bin. Die offiziellen Formalitäten kämen später. Also, was mache ich hier eigentlich noch?“

Es klopft erneut, und die Tür geht auf.

Ministerialdirigent 

Schreit, als die Tür langsam aufgeht: „Nicht schon wieder. Was soll denn dieser Terror…“

Minister 

„Aber, aber, mein lieber Herr Dr. Weber. Sie müssen nicht so nervös sein. Die Welt geht doch nicht unter. Ich wollte es nicht versäumen, Ihnen gleich heute früh persönlich meine Aufwartung zu machen. Es warten herausfordernde Aufgaben auf Sie!

 Er schaut die anderen Personen im Zimmer an.

Ich bin froh, Frau Frömel, dass sie in die Fußstapfen von Herrn Dr. Weber treten werden. Hoffentlich sind sie nicht zu groß für Sie! 

Er lacht. 

Grüße Sie auch, Herr Kühn. Sie werden – vielleicht – na, wir werden sehen. Und Sie, Herr…“

Hilfsreferent Scholz 

„Scholz, Herr Minister.“

Minister 

„Ach ja, der Herr Scholz. Für Sie wird sich schon etwas finden, nicht wahr, Frau Frömel?“

Frau Frömel 

Zerknirscht: „Selbstverständlich, Herr Minister.“

Ministerialdirigent 

Schüttelt die ganze Zeit den Kopf und weiß nicht, was er mit den Händen tun soll. 

„Herr Minister, das war mir schon klar, aber dass es jetzt, in dieser Form, ich weiß nicht…“ 

Er schüttelt weiterhin den Kopf.

Minister 

Klopft dem Ministerialdirigenten auf die Schulter. 

„Wird schon werden. Wir sehen uns. Ich muss weiter.“

 Er verlässt das Zimmer.

Frau Frömel 

„Herr Dr. Weber, bitte entschuldigen Sie. Ich durfte es Ihnen ja bisher nicht sagen…“

Ministerialdirigent 

Schreit: „Raus. Raus. Alle Raus. Verschwinden Sie sofort. Die Besprechung ist beendet!“

Alle gehen, und der Ministerialdirigent stützt sich schwer atmend auf seinen Schreibtisch.

#theater #modernestheater #gesellschaft #ministerium

Der machtlose Dichter

Gedichte von Berndt Baumgart
Der machtlose Dichter – Ein Gedicht von Berndt Baumgart

Der machtlose Dichter

Schweinepest und Affenpocken

die Menschen zu der Impfung locken.

Leer der Gashahn, leer der Tank.

Die Teurung macht die Menschen krank.

Klimaschutz und Kriegsgeschrei:

Mit der Freude ist‘s vorbei.

Doch der Dichter auf Papier

schreibt mit voller Inbrunst hier!

Er schreibt alles, was ihm passt.

Am Ende kommt er in den Knast.

Das Sauggedicht

Das Sauggedicht

Das Kind saugt an der Mutterbrust.

Dem Säugling bringt das höchste Lust.

Die Mücke saugt das Blut heraus.

Aus Mensch und Tier, o welch ein Graus.

Die Spinne saugt die Mücke leer.

Das Blut darin, es schmeckt ihr sehr.

Der eine saugt im Herbste Laub.

Der andre, er saugt lieber Staub.

Gesaugt wird auf der ganzen Welt.

Auch, wenn es manchem nicht gefällt.

Den Blutsauger im Menschenreich

Erkennt man später, nicht sogleich.

Oft hast du arglos ihn gewählt.

Bald bist du leer und ausgehöhlt.

Bleib demokratisch, klug und stur.

Und hüte dich vor Diktatur!

Der kleine Unterschied

Gedicht von Berndt Baumgart
Der kleine Unterschied – Ein Gedicht von Berndt Baumgart

Der kleine Unterschied

In dem Grab sind alle unten,

Und oben edler Marmorstein.

Aus dem Leben sie verschwunden,

Doch wollen sie bedeutend sein.

Den einen krönt ein Stein voll Stolz,

Der andre hat ein Kreuz aus Holz.

Im Tode sind sie alle gleich?

So läuft es nicht im Menschenreich.

Und deshalb herrscht, du glaubst es nie,

Auch auf dem Friedhof Hierarchie.

Der Gartenfreund

Der Gartenfreund
Der Gartenfreund – Ein Gedicht von Berndt Baumgart

Der Gartenfreund

Schnecken und Zecken

Sind Gartenfreunds Leid.

An Hummeln und Bienen

Er gern sich erfreut.

So ist es im Leben

Der Seiten gibt’s zwei.

Es muss beides geben

Und bald ist’s vorbei.