
Schlemihl
Der Teufel kann den Schatten kaufen;
dann musst du ohne Schatten laufen.
Das alles wäre nicht so schwer,
gäbst du nicht deine Seele her.

Schlemihl
Der Teufel kann den Schatten kaufen;
dann musst du ohne Schatten laufen.
Das alles wäre nicht so schwer,
gäbst du nicht deine Seele her.

Freund oder Feind
Deine Feinde schaden dir,
deshalb halte eher zu mir.
Deine Freunde lieben dich,
also nimm zum Freunde mich.
Wenn du mich zum Freunde hast,
bist du sicher – oder fast.
Tust du all das, was ich will,
bin ich freundlich und halt still.
Falls es dann doch schlimmer wird,
hast du dich in mir geirrt.
Und bist du verzweifelt dann,
fängt es halt von vorne an.
#gedichte #lyrik

Stammtischgeschichte
Die Steirische, sie stöhnt und ächzt.
Der Musikus nach Bieren lechzt.
Die Finger wild die Knöpfe drücken,
er fällt besoffen auf den Rücken.
Im Liegen spielt er unverdrossen.
Die Augen waren schon geschlossen.
Wer das geseh’n, wird’s nie vergessen:
Der Xaver war musikbesessen!

Die neuen Werte
Wir müssen jetzt flexibel handeln.
Was heute gut, ist morgen schlecht.
Die Umstände sich ständig wandeln.
Der hasst es, und dem ist es recht.
Wo sind denn nun die frommen Werte?
Was ist gut, und was ist richtig?
Da sagt der Politikexperte:
Umfragewerte, die sind wichtig.
#lyrik #gedichte #spruchbilder

Auf ein Neues
Große Ziele nicht erreicht.
Ein klein wenig nur vielleicht.
Häufig nebens Tor getroffen.
Oft vergeblich war das Hoffen.
So verging gar manches Jahr.
Ausgefallen ist sein Haar.
Jetzt, am letzten Stück des Lebens
kämpft er noch einmal, vergebens
oder nicht, wer weiß das schon?
Leise kommt der Englein Ton.
Die Kugel rollt der Sisyphos.
Der Rest des Lebens geht jetzt los.

Blick nach vorn
Hinter grauem Winterhimmel
siehst du Frühlings Sonnenschein.
Neben dunklem Weltgetümmel
kann auch Wunderschönes sein.
Erkennen müssen wir es nur.
Schon ist die Depression vorbei.
Die Traurigkeit? Ach, keine Spur.
Das Leben jauchzt. Und bald ist Mai.

Der Machtwechsel
Narr, sei lustig, sprach der König.
Traurig bin ich, lach zu wenig.
Zeig mir deine schönsten Possen.
Müde bin ich, sehr verdrossen.
Der Narr indessen, wie befohlen,
will des Königs Trauer holen.
Zieht ihm vom ergrauten Haupte
güldnes Krönlein, das verstaubte.
König sprach, du Narrenknabe
hast die ganz besondre Gabe
frech zu sein, fast unerträglich.
Nimm die Krone, trag sie täglich.

Auf ein Neues
Der Mann steht vor dem Spiegel.
Er findet sich sehr schön.
Ist wirklich nicht so übel.
Und sehr nett anzusehn.
Die Haare, sie sind dünner.
Den Armen fehlt die Kraft.
Der Zipfel steht noch immer.
Doch nur mit wenig Saft.
Die Frau findet sich hässlich.
Wie sind die Falten tief!
Der Busen, er ist grässlich.
Die Nase ist recht schief.
Es trafen sich die beiden
ganz spät, sie tranken viel.
Bald konnten sie sich leiden,
und schon begann das Spiel.

Marketing
Gebt mir gerne, gebt mir, Leut!
Es ist der Tag des Gebens heut.
Mit Geben bringt ihr mir viel Glück.
Doch ich geb‘ euch nichts zurück.