Die Mücke

Professor Lobrecht geht zur Ruh‘,
deckt sich, behaglich lächelnd, zu,
doch als er sanft die Augen schließt,
ein feines Summen ihn verdrießt.

Es kommt ihm immer lauter vor,
ist nun direkt an seinem Ohr,
er fragt sich bang: „Was kann das sein?“
Da tritt urplötzlich Stille ein.

Ganz ruhig ist es, des Schlafes Arm
umfängt Professor Lobrecht warm.
Er atmet tief und träumt fast schon,
da hört er wieder diesen Ton.

Es summt und surrt und singt und schwirrt,
der Herr Professor ist verwirrt.
Er lauscht gespannt und wundert sich,
da fühlt er einen feinen Stich.

„Ein Mückenvieh“, durchfährt es ihn,
sein Schlafbedürfnis ist dahin.
Er macht sich Licht, damit er sieht,
da sticht es ihn ins Augenlid.

Sein rechtes Auge schmerzt und schwillt,
jetzt wird der Herr Professor wild.
Er schlägt darauf und trifft genau:
Sein Augenlid wird grün und blau.

Die Mücke traf er leider nicht,
ruhig summt sie um das Nachttischlicht.
Professor Lobrecht starrt sie an
und macht zur Jagd sich einen Plan.

Springt aus dem Bett im Schlafgewand,
nimmt den Pantoffel in die Hand,
er hebt ihn hoch, schlägt zu, es klirrt,
die Mücke jetzt im Dunklen schwirrt.

Erschrocken ist der arme Mann
und macht die große Lampe an,
da tritt sein linker Fuß fürbass
hinein ins Nachttischlampenglas.

Schon fließt der erste Tropfen Blut,
den Herrn Professor packt die Wut,
er flucht vor Schmerz, die Lippe bebt:
„Jetzt, Untier, hast Du ausgelebt.“

Die Mücke unterdessen fand
ein ruhiges Plätzchen an der Wand,
dort ist es sicher, hell und warm
und viel zu hoch für Lobrechts Arm.

„Das nützt Dir nichts“, ruft Lobrecht laut,
und eh man sich noch recht verschaut,
schlurft er mit schmerzbetäubtem Sinn
leicht humpelnd zur Kommode hin.

Nun schiebt er sie, er ächzt und schwitzt,
zur Wand, dort, wo die Mücke sitzt.
Sein Zorn kennt keinen Weg zurück,
er klettert auf das Möbelstück.

Schon ist er oben, hebt den Schuh,
gleich schlägt der Herr Professor zu.
Er flüstert: „Mir entgehst du nicht“,
da kommt er aus dem Gleichgewicht.

Das Weitere erzählt sich leicht:
Der Schlag die Mücke nie erreicht,
Professor Lobrecht schwankt und fällt,
da gibt es nichts mehr, was ihn hält.

Es fällt der Mann, es fällt der Schuh,
und die Kommode kippt dazu.
Am Boden liegen alle Drei:
Da summt die Mücke leis‘ herbei.

Sie schaut sich die Zerstörung an
und denkt: „Nun seht nur diesen Mann.
Dort liegt er, stöhnt und jammert sehr,
doch gab ein Tröpfchen Blut nicht her.“

Der Schweine-Igel

Ein Igel nahm sich eine Frau,
warum, das weiß man nicht genau;
zumindest galt es nicht als fein,
ein Igel ohne Frau zu sein.

Sehr schnell war dies der Igel leid.
Er dachte traurig an die Zeit,
als er noch Junggeselle war,
und nicht nur Teil von einem Paar.

Auch junge Igel kamen an,
die sahen ihn nur dann und wann.
Nach anderem stand ihm der Sinn:
Gertrud, der jungen Igelin.

Er Gertrud zur Geliebten nahm,
von der er nie genug bekam.
Im Rausche war der Nimmersatt,
da fuhr ihn – peng – ein Auto platt.

Moral:
Wer sich ein Liebchen hat genommen,
kann leicht unter die Räder kommen.

Der Schweine-Igel

Ein Igel nahm sich eine Frau,
warum, das weiß man nicht genau;
zumindest galt es nicht als fein,
ein Igel ohne Frau zu sein.

Sehr schnell war dies der Igel leid.
Er dachte traurig an die Zeit,
als er noch Junggeselle war,
und nicht nur Teil von einem Paar.

Auch junge Igel kamen an,
die sahen ihn nur dann und wann.
Nach anderem stand ihm der Sinn:
Gertrud, der jungen Igelin.

Er Gertrud zur Geliebten nahm,
von der er nie genug bekam.
Im Rausche war der Nimmersatt,
da fuhr ihn – peng – ein Auto platt.

Moral:
Wer sich ein Liebchen hat genommen,
kann leicht unter die Räder kommen.

Das Opfer

Frau Piefke hat ein neues Kleid.
Frau Knettelbrecht wird blass vor Neid,
geht zur Frau Schulz voll Hinterlist,
die Freundin von der Piefke ist,
erzählt ihr dann ganz nebenbei,
wie falsch doch die Frau Piefke sei,
die jüngst, vermeintlich unerkannt,
Frau Schulz ein “böses Weib“ genannt,
im Bäckerladen dort am Eck,
sie selbst war Zeugin, auch Frau Heck.

Frau Schulz trifft dies als schwerer Schlag,
besucht Frau Heck am nächsten Tag,
die es bestätigt und beschwört,
was die Frau Knettelbrecht gehört.

So spricht Frau Schulz Frau Piefke an:
„Was hast du mir nur angetan?“
Die Piefke aber lügt nicht schlecht:
„Es war doch die Frau Knettelbrecht,
die mit der Heck ganz fürchterlich
gelästert hat dort über dich.“

Frau Schulz ist nun gar traurig sehr,
versteht die ganze Welt nicht mehr,
geht still nach Hause, voller Weh,
und kocht sich eine Tasse Tee.

Die Piefke und die Knettelbrecht,
die beide gleichermaßen schlecht,
sind tags darauf und auch Frau Heck
im Bäckerladen dort am Eck.
Sie tratschen hier in einem fort
über die Schlechtigkeit im Ort,
und einig sind sich alle drei,
wie böse die Frau Schulz doch sei.

 

Zur Gerechtigkeit: Bei Männern soll es Ähnliches geben

 

Das Opfer - Gedichte von Berndt Baumgart
Das Opfer – Illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart

Eduard der Schneckerich

Eduard der Schneckerich
gern zu den jungen Schnecken schlich.
Ganz langsam kroch er, leis und sacht
zu ihnen hin – meist in der Nacht.

Jedoch die Schnecken waren schlau:
Sie kannten Eduard genau,
misstrauten seinem Schneckenschleim
und gingen ihm nicht auf den Leim.

So schneckte er in einem fort,
er schneckte hier, er schneckte dort,
bis eine ihm zu spät entwich –
und die ist jetzt Frau Schneckerich.

Humorvolle illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart
Illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart

Das gar unordentliche Schnabeltier

Nicht jeder kennt das Schnabeltier,
es ist nun mal kein Fabeltier
und selten nur im Zoo zur Hand,
wo manche Tierart Zuflucht fand.

Es ist ein lebendes Fossil,
kein Vogel und auch kein Reptil,
und wenn man es genau beäugt,
wird klar, dass es die Jungen säugt.

Nun wendet gleich der Kenner ein:
„Es wird ein Säugetier wohl sein.“
Doch falsch, Herr Zoologe Meier:
Das Schnabeltier legt nämlich Eier.

Dazu es einen Schnabel hat,
recht entenähnlich, breit und platt;
kurz, dass im Tiersystem es man
nicht richtig unterordnen kann.

Was nicht sein darf, das kann nicht sein:
Schnell ordnete das Tier man ein
als Teil der Monotremata –
denn schließlich ist es nun mal da.

Gar manche hassen wie die Pest,
was sich nicht eingruppieren lässt;
sie halten es voll Abscheu nur
für einen Fehler der Natur.

Ganz wurscht ist dies dem Schnabeltier,
viel älter ist es schon als wir,
lebt ordnungslos, doch vielleicht weit
noch nach des Menschen Erdenzeit.

Gedichte von Berndt Baumgart - Illustriert von Nadia Baumgart
Das gar unordentliche Schnabeltier – Illustrierte Gedichte

Mehr Aquarelle hier: https://nadiapittura.com/2015/03/10/nadia/

Der Grasfrosch

Ein Grasfrosch klagte ungemein:
Er wollte gern ein Laubfrosch sein.
Nach Höherem war ihm der Drang;
„Gras“ viel zu niedrig für ihn klang.

So tat zum Froschkönig er springen,
um seine Klage vorzubringen.
Der König quakte hin und her;
denn eine Lösung fiel ihm schwer.

Mir auch!

Dann sprach der König zu dem Kleinen:
„Wenn ich dich sehe, möcht‘ ich meinen,
dass du durchaus ein Laubfrosch seist
und dieses selbst nur noch nicht weißt.“

Da sprang der Grasfrosch fröhlich fort,
vertrauend auf des Königs Wort.
(Bei Menschen soll es ähnlich sein –
sie bilden sich gern Größe ein).

Der Grasfrosch - Illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart
Der Grasfrosch – Illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart