Die heuchlerische Helferin

„Hallo, wie geht’s, hast du noch Schmerzen?“
„Nein danke, mir geht es sehr gut.“
„Hast es am Magen und am Herzen,
bist bald schon tot, ich weiß das gut.“

„Warum, wieso, mir geht es prächtig,
ich hab dir damals nur erzählt
von meinen Schmerzen, die mich mächtig
gepeinigt haben und gequält.“

„Schau nur, ich hab das nicht vergessen,
bist eine arme, kranke Frau.
Und ich empfehle dir den Doktor,
den ich gut kenne und genau.

Er ist mein Freund, wird sich beeilen
die Krankheit finden, er ist toll.
Bestimmt kann er dich ganz schnell heilen,
sei frohgemut, vertrau‘ ihm voll.

Und hilft das nicht, werd‘ ich dir schicken,
den Herrn Psychiater aus der Stadt.
Der wird dir dann die Seele flicken,
er ist der Beste, den man hat.“

Jetzt fasst sie mir noch an die Wange,
was soll das, wofür hält sie sich?
Mir wird es langsam Angst und Bange,
o weh, ich leide fürchterlich.

Ich will sie schlagen, will sie töten,
die Hexe, dieses böse Weib.
O Gott, Dein Rat ist nun vonnöten,
wer schafft mir dieses Biest vom Leib?

Dann meine Augen freundlich winken:
„Mir geht es gut, doch wie geht‘s dir?
Du kannst kaum laufen und musst hinken,
Ich helf‘ dir morgen um halb vier.“

„Danke, dir, ich muss jetzt weiter,
hab Termine, muss nach dort.
Werde schnell gesund, bleib heiter“,
-und schon war das Weibsbild fort.

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Das Opfer

Frau Piefke hat ein neues Kleid.
Frau Knettelbrecht wird blass vor Neid,
geht zur Frau Schulz voll Hinterlist,
die Freundin von der Piefke ist,
erzählt ihr dann ganz nebenbei,
wie falsch doch die Frau Piefke sei,
die jüngst, vermeintlich unerkannt,
Frau Schulz ein “böses Weib“ genannt,
im Bäckerladen dort am Eck,
sie selbst war Zeugin, auch Frau Heck.

Frau Schulz trifft dies als schwerer Schlag,
besucht Frau Heck am nächsten Tag,
die es bestätigt und beschwört,
was die Frau Knettelbrecht gehört.

So spricht Frau Schulz Frau Piefke an:
„Was hast du mir nur angetan?“
Die Piefke aber lügt nicht schlecht:
„Es war doch die Frau Knettelbrecht,
die mit der Heck ganz fürchterlich
gelästert hat dort über dich.“

Frau Schulz ist nun gar traurig sehr,
versteht die ganze Welt nicht mehr,
geht still nach Hause, voller Weh,
und kocht sich eine Tasse Tee.

Die Piefke und die Knettelbrecht,
die beide gleichermaßen schlecht,
sind tags darauf und auch Frau Heck
im Bäckerladen dort am Eck.
Sie tratschen hier in einem fort
über die Schlechtigkeit im Ort,
und einig sind sich alle drei,
wie böse die Frau Schulz doch sei.

 

Zur Gerechtigkeit: Bei Männern soll es Ähnliches geben