Die Vögel fliegen hin und her
und haben regen Flugverkehr.
Der Reim ergäbe keinen Sinn,
flögen die Vögel her und hin.
Archiv des Autors: Berndt-Baumgart
Der Sinn des Lebens
Die Welt dreht sich noch eine Weile,
für Menschen gibt es keine Eile.
Unser Dasein ist nur kurz,
kürzer als ein Fliegenfurz.
Was sollten wir nun in der Zeit
tun bei der Gelegenheit
unsres Lebens, das so knapp;
denn bald schon liegen wir im Grab.
Dichten, musizieren, ficken,
kontemplieren, Sterne blicken,
denken, glauben und studieren,
niemals in der Kälte frieren,
immer wieder Neues lernen,
Zecken aus der Haut entfernen,
manchmal saufen,
etwas raufen,
Gutes tun,
ein wenig ruhn,
später zu den Sternen fliegen,
aber niemals uns bekriegen.
Schlankheitswahn
Zwei Skelette lagen auf dem Bette,
was das bedeutet, gilt die Wette:
Sie hungerten ein ganzes Jahr
für die Gesundheit, wunderbar.
Wie Bohnenstangen sah’n sie aus,
spindeldürr, es war ein Graus.
Die Knochen klapperten ganz laut
unter der glatten Lederhaut.
Zur Ruhe legten sie sich nieder,
und streckten ihre dünnen Glieder.
Sie wollten nochmal Sex erleben,
es ging nicht mehr, so war das eben.
Die Lust war da, das Fleisch verschwunden,
so haben sie den Tod gefunden.
Der Kalfaktor
Der „calfactor“ war recht drollig;
er machte es im Winter mollig,
ihn gab es in den alten Zeiten.
Er war brav, man konnt‘ ihn leiden.
Heißmacher in der heut’gen Zeit,
gibt’s gar viele weit und breit,
die, schaut man mit erschrocknen Augen,
nicht einmal zum Kalfaktor taugen.
Der Besuch
Das Haus wird voll am hellen Tag.
Gewimmel, Krach ist da;
für einen, der die Stille mag,
zu schamlos, und zu nah.
Man findet sich als warme Haufen
zum Schwatz in jeder Ecke.
Nichts fühlt der Geist, die Stunden laufen,
der Mensch bleibt auf der Strecke
Holger und die Arbeit
Holger ging gern ins Büro,
und schuftete dort täglich.
Die Arbeit machte ihn sehr froh,
sein Glück war schier unsäglich.
Niemals war der Holger krank,
doch sein Gehalt war klein.
Er war sehr fleißig, Gott sei Dank,
und sein Gemüt war rein.
Hobbyzeug und Urlaubskram
war’n ihm unerheblich.
Und wenn das Vergnügen kam,
klopfte es vergeblich.
Der Job war seines Lebens Sinn.
Doch seine Firma ging bankrott.
So gingen seine Jahre hin,
und bald schon war der Holger tot.
Späte Liebe
In der Abenddämmerung gingen
die beiden spazieren.
Hand in Hand und jeder allein.
Sie blieben stehen
und sahen sich an.
Ihr Blick war Sprache.
Sie gingen weiter.
Zusammen.
Lebensweisheit Nr. 8
In Diskussionen hört man oft: „Das ist allgemeingültig“.
Da werde ich sofort nachdenklich.
Ich frage:
1. Was ist „allgemein?“
2. Was ist „gültig“?
Diese beiden Fragen erfordern Definitionen zur Beantwortung.
Aber die Antworten sind sehr unterschiedlich.
Daher gilt: Bisher wurde noch nichts Allgemeingültiges gefunden. Qed
Das Schwingen
Die Mutter mahnt ihr Töchterlein,
es solle auf der Hut stets sein
vor männlichen Gefahren
und Freunden, jung an Jahren.
Die Tochter glaubt das alles nicht,
und bald schon zu der Mutter spricht:
„Ach bitte, lass‘ mich gehen.
Ich möchte Klaus heut sehen.“
Da sagt die Mutter sorgenvoll,
worauf die Tochter achten soll.
Vor allen andren Dingen
besonders auf das Schwingen.
„Er schwingt dich auf das Motorrad,
und rüstet bald zur nächsten Tat:
Beim Tanzen schwingt er weiter,
dir wird ganz leicht und heiter.
Er schwingt dich hin, er schwingt dich her;
Dann küsst er dich, er atmet schwer,
und bald schwingt dich der Bube
aufs Bett in seiner Stube.“
Die Mutter fragt ihr Töchterlein:
„War denn die Zeit mit Klaus auch fein,
und – schwang er? Bitte sage!“
Ja…das war hier die Frage.