Der Räuber

Der Räuber kam um Mitternacht,
es war eine Gewitternacht.
Als er zur Flucht sich setzt in Marsch,
traf ihn ein Blitz an seinem Kopf.

(Reimt sich nicht, weil er den gestohlenen
goldenen Kugelschreiber hinters Ohr geklemmt
und nicht, wie eigentlich geplant, in die
hintere Gesäßtasche gesteckt hatte.)

Nach dem Atomkrieg

Die drohenden Schatten steigen
von den Bergen, aus dem Meer.
Die tosenden Winde schweigen,
und die Erde ist nun leer.

Verschwunden ist
der Menschen Zahl.
Kein Grashalm sprießt
mehr in dem Tal.
Kein Tier hier springt,
kein Vogel singt.
Kein Lied erklingt.
Kein…
Kain.
Es stinkt.

Die Seelen der Toten weinen
durch die Räume, durch die Zeit.
Die Glaubenden sich vereinen,
und sie spüren Ewigkeit.

Die alte Mauer

Auf einer alten Mauer,
wo ich vor Jahren saß,
sitz‘ ich auch heut‘ voll Schauer
neben verdorrtem Gras.

Die Farben längst verschwunden,
alles bleich, feucht und schwer,
Visionen leichter Stunden,
wo kommen sie nur her?

Die Lieder längst verhallten,
manch liebe Stimme auch,
aus dunklen Mauerspalten
dringt modrig-dumpfer Hauch.

Er steigt, die Erde fliehend,
denn seine Zeit ist knapp,
und fällt, als Nebel ziehend,
dann matt und leer herab.

Einzelne Blätter fallen,
verbraucht und welk und braun,
es ist das Los von allen,
ich wag‘ nicht hinzuschau‘n.

Wie viele mussten sühnen
ein Leben lang, voll Schmach,
und mancher ward beschienen
vom Glück – auch er zerbrach.

Ein kühler Wind erhebt sich,
und ich sitz‘ hier –allein.
Bitterkeit überfällt mich,
der Abend bricht herein.

Dort bei der alten Mauer,
wo er vor Jahren saß,
ja, sieh nur hin, genauer:
Über ihm wächst schon Gras.