Das Zitieren

Heute wird sehr viel zitiert –
und die Meinung scheint fundiert.

Einstein, der ist sehr beliebt;
denn den klugen Hauch er gibt.
Shakespeare, Dante und Rousseau
funktionieren ebenso.

Mao, Lenin, Seneca,
auch Picasso war schon da.
Charlie Chaplin mit viel Lust,
Plato, Goethe und auch Proust.

Eh man den Verstand verliert,
nimmst du den, der grad regiert.
Wer die Schule hat geschwänzt,
heute so beim Smalltalk glänzt.

Andre denken, du seist klug
Du zitierst – das ist genug.

Neulich war ich sehr verwirrt,
da hat jemand mich zitiert!

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#gedichte

Friedensbitte

Das Maß ist voll, das Leid ist groß.

Was ist nur auf dem Erdball los?

Wann wird denn endlich Frieden sein,

wo Menschen sich des Lebens freun?

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Die Zeichen stehen nicht so gut.

Der Krieg in Schützengräben ruht.

Ein schwerer Panzer explodiert.

Der Mütter Leid zu Tränen rührt.

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Die weiße Friedenstaube stirbt.

Trump’s Austernfrühstück schnell verdirbt.

In Gaza sterben Kinderlein.

Wer mag sich da des Lebens freun?

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Wir hoffen weiter, Tag für Tag.

Es sich zum Bess´ren wenden mag.

Den Frieden gib uns, lieber Gott.

Es sind schon viel zu viele tot.

#gedichte #frieden

Die Scheidung

Scheidungen in diesem Land

sind den Menschen wohlbekannt.

Hält die Ehe dreizehn Jahr,

ist es schon ganz wunderbar.

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Mancher Mann an diesem Ort

Läuft nach einem Jahre fort.

Auch bei Frauen ist es gleich;

flüchten aus dem Ehereich.

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Daher denke ich mir sehr:

Niemand braucht die Ehe mehr.

Warum muss die Hochzeit sein?

Ist es besser nicht allein?

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Ich verleb´ ein Single-Jahr;

ach, ist das nicht wunderbar!

Kommt die Neue, ist es klar:

Ich sag´ wieder gerne „Ja“.

#gedichte

Der richtige Weg

Der Krieg jetzt vor der Haustür steht.

Ist es für Frieden schon zu spät?

Wer will denn für die Heimat sterben?

Die Kriegeslust von früher erben?

Der Pazifist zu Hause sitzt,

bis ihn des Mörders Klinge ritzt.

Das Militär mit dem Gewehr

stirbt auf dem Schlachtfeld, das ist schwer.

Was sollten wir am besten tun?

Voll Angst in unsrem Lande ruhn?

Kann der Diplomat vermitteln?

Schmeichelnd und mit Ehrentiteln?

Doch niemand weiß den Königsweg.

Wir stehen schwankend auf dem Steg.

Fragen: „Was ist Gottes Wille?“

Und verharren in der Stille.

Der Spatz

Der Spatz im Frühlingssonnenschein

hüpft munter in den Tag hinein.

Er pickt nach allem, was er mag,

verbringt so jeden Sonnentag.

Anders lebt der Spatz bei Regen:

Fliegen kommen ihm entgegen.

Der Ehrenbürger

Der Ehrenbürger

Er ist klug und auch sehr rund.

Trinkt nicht viel, ist recht gesund.

Hat im Dorfe viel getan,

manches kam auch ganz gut an.

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Also sprach der große Rat:

„An dem Sepp wird nicht gespart.

Große Ehren kriegt er hier,

keine Steuer, freies Bier“.

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Straße wird benannt nach ihm,

alle Leute grüßen ihn.

Er ist aller Ehren wert,

sitzt ganz vorn beim Kurkonzert.

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So geht seine Zeit dahin.

Nette Bürger mögen ihn.

Andren ist er einerlei.

Und sein Grab ist kostenfrei.

Plötzlich und unerwartet

Den Vulkan, man sieht ihn schon

mit einer großen Eruption.

Die Menschen haben keine Bang,

man kennt ja den Vulkan schon lang.

Doch plötzlich fliegt der Deckel fort,

und ganz verschwunden ist der Ort.

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Die liebe Familie

Ein Mensch kam spät am Abend heim.

Die Wohnung leer, er war allein.

Niemand ging ihm auf die Nerven,

wollte auf das Bett sich werfen.

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Doch plötzlich ging die Türe auf,

es kamen rein in schnellem Lauf

alle von der Großfamilie,

ach, es waren wirklich viele.

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Jetzt unser Mensch laut schrie: „O weh,

lasst mich in Ruh‘, und ich gesteh‘,

es wär‘ schön, wenn ihr verschwändet,

den Besuch bei mir beendet.“

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Sie kamen nah ans Bett heran,

es wimmerte der arme Mann.

Ein Messer blitzt mit glattem Stahl,

jetzt ist es aus, vorbei die Qual.

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Das Messer hielt sein totes Weib,

ein Zittern ging durch seinen Leib,

und langsam wurde es ihm klar,

dass es ein schlimmer Albtraum war.

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