Der Professor im Supermarkt

Oft schon war Professor Lobrecht
in den Supermarkt gegangen,
wo der Mensch nicht mehr bedient wird
und dann warten muss in Schlangen.
Er genoss die große Auswahl,
die er dort zu finden wusste
und die Leichtigkeit des Kaufens,
weil er nicht bezahlen musste.
Manchmal fragte er sich freilich,
was die Warteschlangen sollten,
und warum die vielen Leute
nicht sogleich nach Hause wollten.
Doch schon hatte der Professor
wieder tiefere Gedanken,
ging, mit Waren in den Taschen,
einfach durch die Kassenschranken.

Niemand hemmte seine Schritte,
keiner hielt den Armen auf,
und so nahm denn das Verhängnis
eines Tages seinen Lauf:
Eine starke Hand ihn packte,
als er vor dem Ausgang stand.
Später man bei dem Professor
ein ganzes Warenlager fand.

Als kurz darauf ein strenger Richter
ihn fragte, ob er auch bereute,
da hörte man ihn murmelnd fragen:
„Ach, bezahlen müssen dort die Leute?“

Der Mönch

Es wollten sich vor vielen Jahren
ein Mönch und eine Nutte paaren.
Der Mönch legte die Nutte
auf seine braune Kutte,
nachdem er diese ausgetan
und fing gleich mit der Arbeit an.
Gar bald schon war das Werk geschafft
und unser Mönchlein abgeschlafft.
Dies rief hervor der Nutte Hohn,
die jetzo heischte ihren Lohn.
Der Mönch hingegen, frei und frank
erklärte: „Leider bin ich blank.
Kein einz’ger Cent ist mir beschieden:
Gib dich mit Gottes Lohn zufrieden.“

Abschließend sei nur noch erwähnt,
dass Gott die Haftung abgelehnt.

Moral für Dienstleister:
Vertraue keinem Mönche nicht,
sofern es ihm am Geld gebricht.

An die armen Reichen

Das Geld ist ohne jede Frage
auf Erden eine große Plage.
Gar manche sind nun von Natur
human und gut und sinnen nur
darauf, die andern zu erlösen
vom schnöden Mammon, diesem bösen.
Lasst sie gewähren, jene Narren,
gebt ihnen Steine, Schmuck und Barren,
das Bargeld in Papier und Rollen,
wenn sie Erlöser spielen wollen.
Erleichtert euch von all dem Tand
und gebt ihn jenen in die Hand,
die sich dazu berufen glauben,
euch dieses Unglücks zu berauben.

Und kennt ihr keinen solchen hier,
dann gebt das Zeug ganz einfach mir.

Der Falter

In einem Zimmer fliegt ein Falter,
die Lampe leuchtet nicht.
Er flattert auf den Lampenschalter
und hätte gerne Licht.

(Doch sein Gewicht reicht nicht).

Dies sieht der Mann. Mit Faust, geballter,
schlägt er hernieder auf den Schalter.

(In Richtung Falter).

Nun ist es in dem Zimmer heller.
Der Falter freut sich. Er war schneller.

Die Mücke

Professor Lobrecht geht zur Ruh‘,
deckt sich, behaglich lächelnd, zu,
doch als er sanft die Augen schließt,
ein feines Summen ihn verdrießt.

Es kommt ihm immer lauter vor,
ist nun direkt an seinem Ohr,
er fragt sich bang: „Was kann das sein?“
Da tritt urplötzlich Stille ein.

Ganz ruhig ist es, des Schlafes Arm
umfängt Professor Lobrecht warm.
Er atmet tief und träumt fast schon,
da hört er wieder diesen Ton.

Es summt und surrt und singt und schwirrt,
der Herr Professor ist verwirrt.
Er lauscht gespannt und wundert sich,
da fühlt er einen feinen Stich.

„Ein Mückenvieh“, durchfährt es ihn,
sein Schlafbedürfnis ist dahin.
Er macht sich Licht, damit er sieht,
da sticht es ihn ins Augenlid.

Sein rechtes Auge schmerzt und schwillt,
jetzt wird der Herr Professor wild.
Er schlägt darauf und trifft genau:
Sein Augenlid wird grün und blau.

Die Mücke traf er leider nicht,
ruhig summt sie um das Nachttischlicht.
Professor Lobrecht starrt sie an
und macht zur Jagd sich einen Plan.

Springt aus dem Bett im Schlafgewand,
nimmt den Pantoffel in die Hand,
er hebt ihn hoch, schlägt zu, es klirrt,
die Mücke jetzt im Dunklen schwirrt.

Erschrocken ist der arme Mann
und macht die große Lampe an,
da tritt sein linker Fuß fürbass
hinein ins Nachttischlampenglas.

Schon fließt der erste Tropfen Blut,
den Herrn Professor packt die Wut,
er flucht vor Schmerz, die Lippe bebt:
„Jetzt, Untier, hast Du ausgelebt.“

Die Mücke unterdessen fand
ein ruhiges Plätzchen an der Wand,
dort ist es sicher, hell und warm
und viel zu hoch für Lobrechts Arm.

„Das nützt Dir nichts“, ruft Lobrecht laut,
und eh man sich noch recht verschaut,
schlurft er mit schmerzbetäubtem Sinn
leicht humpelnd zur Kommode hin.

Nun schiebt er sie, er ächzt und schwitzt,
zur Wand, dort, wo die Mücke sitzt.
Sein Zorn kennt keinen Weg zurück,
er klettert auf das Möbelstück.

Schon ist er oben, hebt den Schuh,
gleich schlägt der Herr Professor zu.
Er flüstert: „Mir entgehst du nicht“,
da kommt er aus dem Gleichgewicht.

Das Weitere erzählt sich leicht:
Der Schlag die Mücke nie erreicht,
Professor Lobrecht schwankt und fällt,
da gibt es nichts mehr, was ihn hält.

Es fällt der Mann, es fällt der Schuh,
und die Kommode kippt dazu.
Am Boden liegen alle Drei:
Da summt die Mücke leis‘ herbei.

Sie schaut sich die Zerstörung an
und denkt: „Nun seht nur diesen Mann.
Dort liegt er, stöhnt und jammert sehr,
doch gab ein Tröpfchen Blut nicht her.“

Der Schweine-Igel

Ein Igel nahm sich eine Frau,
warum, das weiß man nicht genau;
zumindest galt es nicht als fein,
ein Igel ohne Frau zu sein.

Sehr schnell war dies der Igel leid.
Er dachte traurig an die Zeit,
als er noch Junggeselle war,
und nicht nur Teil von einem Paar.

Auch junge Igel kamen an,
die sahen ihn nur dann und wann.
Nach anderem stand ihm der Sinn:
Gertrud, der jungen Igelin.

Er Gertrud zur Geliebten nahm,
von der er nie genug bekam.
Im Rausche war der Nimmersatt,
da fuhr ihn – peng – ein Auto platt.

Moral:
Wer sich ein Liebchen hat genommen,
kann leicht unter die Räder kommen.

Der Schweine-Igel

Ein Igel nahm sich eine Frau,
warum, das weiß man nicht genau;
zumindest galt es nicht als fein,
ein Igel ohne Frau zu sein.

Sehr schnell war dies der Igel leid.
Er dachte traurig an die Zeit,
als er noch Junggeselle war,
und nicht nur Teil von einem Paar.

Auch junge Igel kamen an,
die sahen ihn nur dann und wann.
Nach anderem stand ihm der Sinn:
Gertrud, der jungen Igelin.

Er Gertrud zur Geliebten nahm,
von der er nie genug bekam.
Im Rausche war der Nimmersatt,
da fuhr ihn – peng – ein Auto platt.

Moral:
Wer sich ein Liebchen hat genommen,
kann leicht unter die Räder kommen.

Die Erfindung des WC

Vor vielen Jahren saß ein Mann
vergnügt auf der Toilette,
tat, was er musste, und sodann
zog er die Spülungskette.

Er zog recht kräftig, fest und kurz,
wie er es einst erlernte,
doch kam darauf kein Wassersturz,
der rasch sein Werk entfernte.

Sobald er dieses Pech erkannt,
stieg er auf des Beckens Rand,
damit er nun aus nächster Nähe,
den Wasserkasten sich besähe.

Er fiel und brauchte einen Halt,
die Hände suchend fassten
die Kette, die nun mit Gewalt
herunterriss den Kasten.

Er fiel genau auf seinen Fuß –
Es kam nun auch der Wasserguss;
der arme Mann rief Ach und Weh,
gebrochen war sein großer Zeh.

Wie es bei jedem Missgeschick:
Die Sache wurde schnell publik;
und seitdem nennt man jenen Ort
Weh-Zeh, mit diesem Doppelwort.

Eduard der Schneckerich

Eduard der Schneckerich
gern zu den jungen Schnecken schlich.
Ganz langsam kroch er, leis und sacht
zu ihnen hin – meist in der Nacht.

Jedoch die Schnecken waren schlau:
Sie kannten Eduard genau,
misstrauten seinem Schneckenschleim
und gingen ihm nicht auf den Leim.

So schneckte er in einem fort,
er schneckte hier, er schneckte dort,
bis eine ihm zu spät entwich –
und die ist jetzt Frau Schneckerich.

Humorvolle illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart
Illustrierte Gedichte von Berndt Baumgart