
Das Ende des Lesens


Kaum jemand kennt den Gänsesäger,
denn Gänse sägen kann nicht jeder.
Sein Schnabel ist gesägt und spitz,
und Fische frisst er – ohne Witz.
Der Schnabel vorn nach unten geht,
was beim Hinschaun man versteht.
Des Weibchens Schopf ist bräunlich-wild,
wie man es sieht auf manchem Bild.
Das Männchen schwimmt in stolzer Pracht:
Kopf, Rücken, schwarz – so wie die Nacht.
Unten weiß, ganz wie ein Schwan,
wir mögen dich, du Sägemann.

Größer, weiter, länger, mehr:
Die Welt verneigt sich vor Rekorden.
Normales zählt heut nicht so sehr.
Immer schriller schrein die Horden.
Wo wird das alles hin uns führen?
Was ist noch wert das kleine Glück?
Das, was wir in uns selber spüren,
gibt uns die Menschlichkeit zurück.
Ich will froh in die Zukunft schauen,
lass mir das Leben nicht versauern.
Auf Träumen meine Brücken bauen,
und so mag es noch lange dauern.

Wir flüchteten in die Natur.
Vom Himmel sah‘n wir keine Spur.
Es war trübe und auch kalt.
Wir fühlten müde uns und alt.
Da, schau mal hin, was ist denn das?
Ein Rotkehlchen sitzt auf dem Gras.
Es blinzelte uns freundlich zu.
Verflogen war der Frust im Nu.

Zwei Freunde gingen spazieren
und klagten einander ihr Leid.
Im Laufen und beim Parlieren
die Trauer verging und die Zeit.

Der frühe Vogel fängt den Wurm,
bei Regen, Schnee und auch bei Sturm.
Der späte Vogel frisst ihn auf –
voll Unrecht ist des Lebens Lauf!

Es liegt ein Mann am Chiemseestrand
und hält das Bierglas in der Hand.
Doch bald fällt ihm das Trinken schwer:
Der Mann ist voll, das Bierglas leer.
