Spätherbstgedanken

In trübem Wetter leben wir,
doch manche sind ganz gerne hier.
Wir lieben jeden Sonnenstrahl,
der selten hier ist, allemal.
Träumen von der Sommerhitze,
lieben die Gewitterblitze.
Auch Frühlingswärme wäre schön;
jetzt ist Nebel nur zu sehn.
Es hilft kein Jammern und kein Schrein:
Wir müssen halt zufrieden sein.

Der Frieden

Wir gehen in ein Wunderland,
voll Drohnen und Raketen.
Gewehre haben wir zur Hand,
um Frieden wir stets beten.

Die Friedenszeit ist wunderbar,
ach, lasst sie uns genießen.
Das Ende kommt bald, ganz und gar.
Auf uns die Blumen sprießen.

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#gedichte

Das Reisen

Wir sind klug und wir sind weise,

der Herrgott schickt uns auf die Reise.

Mancher reist in weite Fernen

und schaut zu des Südens Sternen.

Andere zu Hause bleiben,

die Nase an der Scheibe reiben.

Einige fahr‘n kurze Strecken,

schau‘n nur über Heimathecken.

Doch mit dem Sparticket zu reisen,

das gefällt nicht mal uns Weisen.

So reisen wir das ganze Leben,

solange uns die Zeit gegeben.

Und wenn einst die Reise endet,

ist unser kleines Los vollendet.

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Das Zitieren

Heute wird sehr viel zitiert –
und die Meinung scheint fundiert.

Einstein, der ist sehr beliebt;
denn den klugen Hauch er gibt.
Shakespeare, Dante und Rousseau
funktionieren ebenso.

Mao, Lenin, Seneca,
auch Picasso war schon da.
Charlie Chaplin mit viel Lust,
Plato, Goethe und auch Proust.

Eh man den Verstand verliert,
nimmst du den, der grad regiert.
Wer die Schule hat geschwänzt,
heute so beim Smalltalk glänzt.

Andre denken, du seist klug
Du zitierst – das ist genug.

Neulich war ich sehr verwirrt,
da hat jemand mich zitiert!

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#gedichte

Flohschicksal

Die Flöhe springen hin und her,
sie haben keine Heimat mehr.
Der Blitz hat ihren Hund getroffen-
Ein neues Flohnest sie erhoffen.

„Wir nisten uns beim Menschen ein“,
sagt eine Flohfrau, „das wär‘ fein.“
Gesagt, getan, sie springen hin,
ein warmes Plätzchen sie im Sinn.

Beim Menschen fängt das Kratzen an.
„Was juckt mich da, mich armen Mann?
Es wird doch keine Zecke sein?“
„Nein“, denkt die Flohfrau, „dreimal nein.“

Traurig diese Sache endet.
Ein Flohspray jenen Spuk beendet.
„Beim Hund war’s schöner“, sagen alle.
Der Mensch ist schlecht, in jedem Falle.

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#gedichte

Die Scheidung

Scheidungen in diesem Land

sind den Menschen wohlbekannt.

Hält die Ehe dreizehn Jahr,

ist es schon ganz wunderbar.

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Mancher Mann an diesem Ort

Läuft nach einem Jahre fort.

Auch bei Frauen ist es gleich;

flüchten aus dem Ehereich.

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Daher denke ich mir sehr:

Niemand braucht die Ehe mehr.

Warum muss die Hochzeit sein?

Ist es besser nicht allein?

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Ich verleb´ ein Single-Jahr;

ach, ist das nicht wunderbar!

Kommt die Neue, ist es klar:

Ich sag´ wieder gerne „Ja“.

#gedichte

Der Ehrenbürger

Der Ehrenbürger

Er ist klug und auch sehr rund.

Trinkt nicht viel, ist recht gesund.

Hat im Dorfe viel getan,

manches kam auch ganz gut an.

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Also sprach der große Rat:

„An dem Sepp wird nicht gespart.

Große Ehren kriegt er hier,

keine Steuer, freies Bier“.

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Straße wird benannt nach ihm,

alle Leute grüßen ihn.

Er ist aller Ehren wert,

sitzt ganz vorn beim Kurkonzert.

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So geht seine Zeit dahin.

Nette Bürger mögen ihn.

Andren ist er einerlei.

Und sein Grab ist kostenfrei.