Herbstnebel am Inn

Graue Gänse
Dunkle Wolken
Keine Sterne und kein Mond
Brachvogelschwärme
Kraniche in der Nacht
Traurige Schwäne
Der Seeadler schläft
Die Natur ruht
Die Blätter fallen in der Windstille

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Herbstnebel am Inn

Graue Gänse
Dunkle Wolken
Keine Sterne und kein Mond
Brachvogelschwärme
Kraniche in der Nacht
Traurige Schwäne
Der Seeadler schläft
Die Natur ruht
Die Blätter fallen in der Windstille

Die Jugend

Die Schule nervt und auch die Alten.
Sie sind blöd und haben Falten.
Schwafeln von den Nazijahren,
Die sie selbst nicht mehr erfahren.

Was wollen diese Deppen nur?
Uns belehren, keine Spur.
Ihr wisst doch nichts von dieser Zeit.
Eure Welt ist schon Vergangenheit.

Wir wollen hier und heute leben,
die Welt verstehen, vieles geben
von dem, was wir umsonst bekommen.
Wir sind nicht heilig, keine Frommen.

Wir rasen mit 300 Sachen,
und lassen es ganz kräftig krachen.
Manchmal kommt der Tod ins Haus,
wir aber machen uns nichts draus.

Die Haut ist glatt, die Lippen rot.
Wir sind lebendig und nicht tot.
Alles ist kräftig, alles stark,
in den Muskeln, bis ins Mark.

Das Herz ist stark und auch der Magen,
wir können noch zehn Bier vertragen.
Und ein Riesensteak dabei,
uns Jungen ist das einerlei.

Die erste große Liebe zart,
der Zipfel, er ist ständig hart,
und zärtlich krault man das Genick,
auch den Hals, das Lendenstück.

Wir warten freudig auf die Zukunft
und den nächsten Wiegentag.
Möchten schnell „erwachsen“ sein,
weil man die Jugend nicht mehr mag.

Die Frauen sind so schön und bunt
gertenschlank und kerngesund.
Der Geigenhimmel kunterbunt,
wir sind jung, der Jugendfund.

Die Welt ist schön, wir lachen nur,
sind ohne Angst, nein, keine Spur.
Die Taschen sind zwar immer leer,
der Papa hilft; das Amt gibt mehr.

Wir freu‘n uns auf die große Liebe
und auf die kleine, nach dem Triebe.
Wir lassen laufen unsren Sex,
und leben diese Welt auf Ex.

Der Arbeitgeber melkt uns immer,
er nimmt uns unsren Lebensschimmer.
Ohne ihn, wir könnten uns schön laben,
leben, saufen, Urlaub haben.

Die Bank gibt uns noch ganz viel Kohle,
viel Kredit, zu unsrem Wohle.
Für das Auto und das Haus.
Nur wird oft leider nichts daraus.

So geh’n sie hin, die schönen Jahre,
bis endlich liegst du auf der Bahre.
Und hinter dir, da lag das Leben.
Hast du richtig gehandelt eben?

Hättest du nicht mehr lernen sollen,
mehr geben denen, die nichts haben?
Der Gerechtigkeit den Tribut zollen,
gib‘ ihnen ein paar gute Gaben.

Wanderergespräch Nr. 2

WANDERERGESPRÄCH Nr. 2

„Hallo,Sie haben eine große Kamera. Sind Sie von der Presse?“
„Nein, ich fotografiere nur zum Spaß.“
„Zum Spaß? Warum zum Spaß? Ist das eine Spiegelreflexkamera?“
„Nein, es ist eine Bridgekamera. Aber sie ist sehr einfach zu bedienen und recht leistungsstark. Ich fotografiere damit gerne Blumen, Tiere und die Natur. Das macht mir Freude.“
„Eine Spiegelreflexkamera ist immer besser. Es gibt gar nichts Besseres. Ich habe heute nur eine ganz kleine Digitalkamera für die Hosentasche dabei. Aber zu Hause habe ich mehrere Spiegelreflexkameras mit riesigen Objektiven.“
„Ach so, nun, mir reicht meine Bridgekamera. Sie hat einen 65fachen optischen Zoom und war recht preiswert. Damit gelingen mir manchmal tolle Schnappschüsse.“
„Ach, papperlapapp. Eine Spiegelreflexkamera ist immer besser, natürlich auch teurer. Und für Zoomaufnahmen braucht man ein Stativ.“
„Ich wollte aber keine Spiegelreflexkamera und keine Wechselobjektive. Das ist mir alles viel zu umständlich. Meine Bridgekamera ist genau das Richtige für mich. Ich habe ein Stativ, aber ich fotografiere alles aus der Hand. Manchmal verwackelt es, aber meistens klappt es.“
„Sie können halt nicht richtig fotografieren. Fotografieren ist eine Kunst.“
„Meine Fotos werden regelmäßig in der Presse als Leserfotos veröffentlicht. Auch habe ich schon einen Fotowettbewerb gewonnen.“
„Ja, von diesen neumodischen Bridgekameras habe ich auch mehrere. Aber meine Fotoausrüstung hat über 40.000 EUR gekostet.“
„Toll, und was machen Sie damit?“
„Ich bin in einem ganz exklusiven Fotografenclub. Darin dürfen nur maximal 10 Personen sein. Alles ältere Herren und alles Künstler. Sehr exklusiv.“
„Ich bin beeindruckt. Und weiter?“
„Wir treffen uns einmal im Monat, tauschen unsere Erfahrungen aus und zeigen uns die besten Fotos.“
„Und was noch?“
„Was noch? Wir essen etwas, trinken ein wenig, rauchen Zigarre, und dann freuen wir uns auf das nächste Treffen.“
„Ach so.“
„Eine meiner besten modernen Kameras ist eine Nikon Z7. Kostet schlappe 5000 EUR. Natürlich habe ich auch Linhof Kameras. Die kommen mit Zubehör auf bis zu 10.000 EUR. Davon können Normalsterbliche nur träumen.“
„Sie sind also ein toller Mann?“
„Na ja, ich bin bescheiden. Man muss ja nicht alles gleich so heraushängen.“
„Nun, wenn nichts mehr steht, dann muss es ja hängen. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag und noch viele schöne Fotogespräche.“
„Was? Wie bitte?“

Die alte Frau und der junge Mann

Sie fasst ihn immer wieder an
und möchte diesen jungen Mann.
Er ist jung und sie ist schwammig.
„Ist mir egal“, denkt er – „Verdammich“.

Jetzt trinkt er einen großen Schnaps,
isst das Fleisch mit einem Happs,
so kann er’s überstehen.
Sie drängt: „Wir sollten gehen“.

Sie hat ein Haus, ein Bett und Geld,
so ist er nicht auf sich gestellt.
Sein Vater hält ihn viel zu knapp:
Er soll studieren, papperlapapp.

So geht das hin, dann wird es schwer.
Es kommt ein junges Weib daher,
Sie ist frisch und hat Manieren.
Jetzt muss er schuften und studieren.

Der Beschützer

Im Café zur Sommerzeit
sitzt sie in einem schönen Kleid.
Nebenan hockt ihr Galan,
der strengt sich ganz erheblich an.
Er legt den Arm sehr sanft um sie,
will sie beschützen, weiß nicht, wie.
Besitzergreifend greift er zu,
sie schüttelt sich. “Lass‘ mich in Ruh“,
so denkt sie, sagt es aber nicht,
drum wird er frecher, dieser Wicht.
Sie fragt sich, ob sie glücklich war.
Mit diesem nicht, das wird ihr klar.
Die Frau guckt zweifelnd und verdattert,
in ihrem Hirn es knirscht und rattert.
Er jagt fort einen Wesperich,
mit der Speisekart‘ vom Tisch.
Sie will’s nicht haben, will nur weg,
wie es ihm sagen, diesem Zeck?
Ihre Arme sind verschränket nun,
was kann sie denn jetzt nur noch tun?
Sie lacht und sagt ganz fröhlich dann:
„Ich geh‘ und such‘ mir einen Mann“.

Der erste Mitreisende erwidert:

„Das ist aber viel auf einmal!

Ich habe verstanden:
Niemand weiß etwas. Unser Verstand bringt uns aber dazu, etwas zu suchen. Suchen können wir jedoch nur im Diesseits. Das Jenseits ist uns verschlossen.

Dabei, so habe ich gehört, macht das Jenseits aber die viel größere Zeit aus. Das erscheint mir plausibel. Die meiste ‚Zeit‘ waren wir nicht da und werden wir nicht da sein.

Andererseits aber scheinen offenbar viele Menschen gar nicht an ein ‚Jenseits‘ zu glauben. Also: Alles, was vor mir war und was nach meinem Tode sein wird, ist unbedeutend, spielt keine Rolle. Jedenfalls nicht für mich. Ich bin, erdgeschichtlich gesehen, sozusagen eine ‚Eintagsfliege‘.

Das kann ich einfach nicht glauben. Bin ich so unbedeutend? Ist alles, was ich denke und fühle, wo ich herkomme und hingehe, irrelevant? Wozu habe ich meinen Verstand? Was bedeutet die Liebe – nicht nur die sexuelle, sondern die Liebe insgesamt?

Die Atheisten argumentieren mit den Naturwissenschaften und mit den Philosophen. Neulich habe ich eine Rede von einem gewissen ‚Philipp Möller‘ gehört, der von vielen beklatscht und als ‚kluger Kopf‘ bezeichnet wurde. Eine atheistische Stiftung hat ihn sogar in ihren Beirat aufgenommen.

Ich habe seine Rede mehrfach angehört und bin aus ihm nicht klargekommen:

Er vergleicht Gott mit der ‚Zahnfee‘ – es sei ebenso absurd, an ihn zu glauben, wie an sie. ‚Beweisen‘ könne man beide nicht.

Seiner Ansicht nach ist also jeder Mensch, der sich Gedanken über sich selbst, das Diesseits und das Jenseits macht, sich nicht einfach mit den oberflächlichen ‚Erkenntnissen‘ der heutigen Naturwissenschaften zufriedengibt und nach einem Gott sucht, ein kindliches Gemüt, das an die ‚Zahnfee‘ glaubt.
Welch kindliches Gemüt ist dieser Herr Möller, muss ich da sagen!“

Der erste Mitreisende fährt fort:

„Klar, dieser ‚Herr Möller‘ spielt den Naiven. Er wirft in den wenigen Minuten seines Redebeitrages öffentlichkeitswirksam und populistisch alles zusammen – Religion, Philosophie, Staat – zimmert daraus ein diffuses Gebäude aus ‚Aufklärung und Humanität‘ und endet in einem Aufruf zur ‚Ethik für die Menschen und alle anderen Tiere‘. Er spricht vom Glauben ans ‚Diesseits anstatt dem Jenseits‘ und hält es mit dem Motto: ‚lieber Heidenspaß anstatt Höllenqual‘.

Er kommt vom Glauben an das Gute und Böse und die Bekämpfung der ‚Anderen‘ in den Religionen zu Epikur (seltsam: Platon und Aristoteles lässt er weg, sind wohl zu unbedeutend) über Kant, Nietzsche und Feuerbach zum Papst, zur Steuerung der katholischen Kirche durch den Vatikan, zur Kirchensteuer in Deutschland und Verwendung derselben, zu unseren Politikern und den ‚Werten des christlichen Abendlandes‘ (die ja erst gegen die Religionen erkämpft werden mussten) bis hin zur Homophobie und Islamophobie. In 2000 Jahren habe sich das Christentum von den alten Mythologien und einer ‚primitiven Herdenkultur‘ zu seiner heutigen Form entwickelt.

Unser Bootslenker hat vorhin über die Atheisten gesagt (oder war es über die Ungläubigen oder hat er beide auf einen Haufen geworfen?):

‚Ein bisschen graust es mir vor diesen Menschen‘.

Ja, so kam mir die Rede des ‚Herrn Möller‘ vor. Ein bisschen graust es mir vor diesem und allen anderen, die ihm begeistert zuklatschen.

Ich denke, die Menschen sind ‚Rosinenpicker‘. Unsere derzeitige Bundeskanzlerin Merkel hat diesen Ausdruck nach der Volksabstimmung im Vereinigten Königreich zum EU-Austritt verwendet. Die ‚EU-Nein-Sager‘ wollen nicht mehr dazugehören, aber trotz des Austritts keine Nachteile daraus haben. Die anderen EU-Bürger, die (noch) dazugehören, wollen aber aus ihrer EU-Mitgliedschaft nach Möglichkeit ausschließlich Vorteile haben. Der Begriff der ‚Solidarität‘ ist zum Fremdwort geworden.

War unsere ganze bisherige Menschengeschichte ein Fehler? Sind und waren alle Religionen unnötig oder sogar schädlich? Was ist mit der Geschichte der Religionen und der Philosophie? Können wir uns aus dieser und aus der Menschengeschichte insgesamt nur die uns passenden ‚Rosinen‘ herauspicken?

Haben denn so viele Menschen keine Lust mehr zu denken? Gewiss, wir können uns Begriffe heraussuchen, die uns gerade in den Kram passen, wie z.B. ‚Demokratie‘, ‚Humanismus‘, ‚Humanität‘, ‚Aufklärung‘, ‚Ethik‘, und diese in oberflächlichster Art und Weise hinausposaunen. Das Ganze wird einigermaßen rhetorisch geschickt mit lustigen Wortspielen garniert, und schon haben wir die Klatscher auf unserer Seite, und auch in den sozialen Netzwerken kommt es gut an.

Ich stelle mir die Frage, wie es mit unserer Bildung weitergeht. Was soll aus unseren Kindern und Enkeln werden? Oder ist das bei unserer Bootsfahrt nicht so wichtig?“