Ramsau bei Berchtesgaden

Kaum noch Bayern sind zu sehen.
Wie soll das nur weiter gehen?
Die Kellner sind hier ziemlich fremd,
die Slowakei liegt voll im Trend.

Wo sind die Bayern hin verschwunden,
hier werden sie kaum mehr gefunden.
Nur Alte gibt’s an manchen Stellen,
vor allen an des Bieres Quellen.

Ausgestorben sind sie nur,
auf der Rotlist der Natur;
die Almen sind schon abgetrieben,
die Berge kann man trotzdem lieben.

die Jungen sind nach München weg,
einfach weg von diesem Fleck.
Sie sind dort, wo’s Arbeit hat,
in Dingolfing siewerden satt.

Wir lieben diese Landschaft weiter,
die Berge, Almen und sind heiter,
auf diesem schönen Gottesland,
mit der Natur aus erster Hand.

Der Bootsführer antwortet

Der Bootsführer antwortet:

„Die Atheisten oder Ungläubigen aller Art haben es einfach. Ihre Gedanken drehen sich ums Diesseits. Sie leben hier und heute. Was davor oder danach war, ist ihnen nicht so wichtig. Die Naturwissenschaften geben ihnen viele Erklärungen. Was sie heute noch nicht erklären können, können sie vielleicht in Zukunft lösen. Irgendetwas war zwischen Urknall und Urknall. Oder wird sein. Vielleicht noch davor oder danach oder in einer anderen Dimension, die wir heute zwar noch nicht verstehen, aber leicht berechnen können. Die Mathematik macht vieles möglich.

Und was das Leben betrifft, so ist es eine Ansammlung spezieller Moleküle, die wieder zerfallen. Die ‚Seele‘ ist eine Erfindung dieser Moleküle.

Diese Menschen haben offenbar kein Problem mit den Grenzen ihrer heutigen Erkenntnismöglichkeit. Alles lässt sich berechnen, früher oder später. Vielleicht gibt es auch ein ‚Nichts‘, wenn es sich denn irgendwann mal berechnen lässt.

Manche von ihnen meinen, dass sie schon ein bisschen, aber vielleicht insgesamt – noch – nichts wissen. Aber das wird schon kommen. Irgendwann werden sie wissen. Oder vielleicht auch nicht. Auch der Atheismus macht vieles möglich.

Vielleicht werden sie ja mehr wissen, wenn sie tot sind. Aber das ist, naturwissenschaftlich gesehen, aus heutiger Sicht unbeweisbar.

Ein bisschen graust es mir vor diesen Menschen.

Jetzt aber zu den Gläubigen:

Wer wirklich ‚glaubt‘, ist sich seiner Sache ja sicher. Wer aber sicher ist, braucht nicht mehr zu suchen.

Also sind gläubige Menschen keine suchenden Menschen mehr. Oder?

Vielleicht müssen wir dabei differenzieren:

• Die Festigkeit des Glaubens
• Der Inhalt des Glaubens
• Glauben nach dem Wort
• Glauben an Symbole

Es gibt ja, extrem gesagt, Menschen, die an ‚Gott den Vater‘, ‚Allah, den Allmächtigen‘ oder ‚Jahwe, den Ewigen‘ glauben und diesbezüglich keinen Zweifel haben. oder auch an Außerirdische oder Engel oder Naturgeister, kosmische Energien, Seelenmeere und Seelenwanderungen, Inkarnationen oder irgendwelche Götter und sich dabei ihrer Sache so ‚sicher‘ sind, dass sie gar versuchen, andere zu überzeugen oder zu bekehren.

Ihre Überzeugungen nehmen sie von Priestern, aus Büchern, von den Eltern oder Lehrern, Missionaren, Heilkundigen, Sehern, Mönchen und Gurus aller Art, oder sogar aus dem Internet oder dem Fernsehen.

Manche studieren sogar Philosophie, Theologie oder Religionswissenschaften und beten dann passiv das daher, was ihnen davon am plausibelsten ist oder bauen auf der Grundlage des von ihnen Erlernten aktiv neue Gedankengebäude auf.

Diese Menschen sind teils Gläubige, teils Ungläubige, aber alle haben sie eines gemeinsam:

Sie wissen nichts.

Der Unterschied zwischen diesen Menschen besteht lediglich darin, dass die Naiven davon glauben, ‚dass sie etwas wissen‘, die Scharlatane oder Heuchler ‚so tun, als ob sie etwas wüssten‘, die Klügeren aber zugeben oder zumindest einräumen, dass sie ‚eigentlich nichts wissen‘.

Den wirklich Gläubigen aber ist das völlig egal, ob sie etwas wissen oder nicht. Sie haben ihren Seelenfrieden gefunden.

Hier fällt mir das Wort ein ‚Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich‘ (Matth. 5, 1-3).

Abgesehen von den verschiedenen Deutungen dieser Passage, vom griechischen Wortlaut her oder aus lutheranischer oder katholischer Sicht, bleibt eines festzuhalten:

Die angehenden Seligen wissen nichts, wollen nichts wissen, wenn überhaupt, dann wissen sie, dass sie nichts wissen, aber sie brüsten sich nicht damit und stellen sich auch niemals über andere.

Die aber glauben, etwas zu wissen und andere zu überzeugen versuchen, stellen sich damit über andere. Solche Menschen sind nach dieser Definition keine ‚Gläubigen‘, sondern eher ‚arme Seelen‘.

Die Gläubigen aber unterscheiden sich grob gesagt in zwei Kategorien:

• Die einen sind mit ihrer Unwissenheit zufrieden und folgen Vorbildern
• Die anderen fragen, wozu sie ihren Verstand haben und fangen an zu suchen. Auch sie können sich an Vorbildern orientieren, aber eben nur zum Teil. Deshalb gehen sie auf diese Bootsreise.“

Allerheiligen (inspiriert von Alex)

An Allerheiligen am Grabe
bringt die Familie schöne Gabe.
Riesengroße Grabgestecke,
damit jeder schnell entdecke,
sichtbar für die Nachbarschaft,
wen der Tod hat hingerafft.
Arme Leute war’n es nicht,
denen es am Geld gebricht.
Nein, hier gibt’s nur reiche Leute,
die sich am Friedhof treffen heute.
Im Wirtshaus wird alsdann gespeist,
von weither kamen sie gereist,
nicht zum Streiten und zum Zanken
sie sich in die Arme sanken.
Die Fetzen werden morgen fliegen,
aber heute herrscht nur Frieden.
Alles ist ganz wunderbar,
auf Wiederschaun im nächsten Jahr.

Und die Seelen schauen stumm
auf dem Gräberfeld herum.

Ein Mitreisender fragt

“Wenn ich nichts weiß, aber suche, so kann ich doch nur im Diesseits suchen mit meinem Verstand.
Das Jenseits ist mir verschlossen, in beide Richtungen, wenn wir das zweidimensional betrachten. Also das Jenseits vor meinem Leben und das Jenseits danach. Ich weiß also weder, woher ich komme, woher alles kommt, noch wohin ich gehe, wohin alles geht.
Natürlich versuchen wir, auch im Jenseits mit dem Verstand zu suchen.
Hilfsmittel sind mir dabei

• die Naturwissenschaften
• die Philosophen und die Gelehrten aller Zeit und ihre Bücher
• die sogenannten ‘heiligen’ und ‘mystischen’ Bücher
• die religiösen ‘Fachleute’ z.B. als Dialogpartner.

Aber ständig stoßen wir dabei an unsere Grenzen, an die Grenzen unserer Erkenntnismöglichkeiten und die Grenzen unseres Menschenverstandes.
Für ein gelöstes Problem tun sich wieder zehn neue, ungelöste auf. Und am Ende müssen wir feststellen, dass wir eigentlich nichts wissen.
Schließlich bleiben

• der Glaube, an was auch immer
• die Hoffnung auf ein Zeichen, auf eine klitzekleine ‘Erkenntnis’
• das Warten auf den Tod und die Hoffnung auf eine ‘Erleuchtung’ danach.

Kann das denn befriedigend sein? ‘Glauben heißt nicht wissen’, heißt es in einem Sprichwort.
Vielleicht kann ich auch mit dem Glauben suchen? Und am Ende auf diesem Weg zum ‘Wissen’ gelangen?”

Gespräch beim Wandern – Nr.1 –

WANDERERGESPRÄCH Nr. 1
„Hallo, kommen Sie auch von hier?“
„Nein, ich komme aus dem Norden.“
„Woher denn, bitteschön?“
„Aus Lübeck.“
„Ah, Lübeck ist eine schöne Stadt. Ich war mal früher dort. Ich kenne es gut. Kennen Sie das Wirtshaus Störtebeker?“
„Nein.“
„Und Sie wollen aus Lübeck sein? Und kennen den Störtebeker nicht? Der Störtebeker war doch mal das berühmteste Haus am Platze. Na ja, er war ziemlich teuer. Nur für die Besserverdienenden, würde man heute sagen. Ich habe dort Muscheln und Austern gegessen. Die besten Austern des Nordens. Nicht mal in der Bretagne sind sie so gut. Und ich war schon oft in der Bretagne. Auch nicht ganz billig, aber es lohnt sich. Und die Kultur erst. Die Dolmen und Menhire. Aber die kann ja nicht jeder kennen.“
„Ach so, es tut mir leid, dass ich Ihren Störtebeker nicht kenne. Lübeck ist ja eine größere Stadt. Da kann man nicht jedes Lokal kennen.“
„Aber ich bitte Sie. Den Störtebeker muss man kennen.“
„Eigentlich kenne ich meine Heimatstadt recht gut. Wann waren Sie denn da?“
„Na, ja, ist schon einige Jahre her. So in den 60er oder 70er Jahren, denke ich.“
„Ach Gott, da ging ich ja noch zur Schule. Das sind ja gut 50 Jahre. In dieser Zeit verändert sich auch die Gastronomie.“
„Na ja. Die Austern in der Bretagne waren auch ganz gut.“
„Und wann waren Sie dort?“
„1986. Das weiß ich sogar ganz genau. Zu unserer Silberhochzeit.“
„Das ist ja auch schon drei Jahrzehnte her. Die Qualität der Meeresfrüchte ist seitdem nicht besser geworden.“
„Na und? Gehören Sie etwa zu den Super-Gutmensch-Umweltverbessern? Ich hoffe nicht. Die Dolmen und Menhire stammen jedenfalls noch aus der Keltenzeit. Und stehen immer noch dort.“
„Ja, ich habe sie bei Asterix und Obelix gesehen“.
„Die waren damals auch da, glaube ich. Wir haben sie gesehen. Aber nur von Weitem.“

Erster Test für die Bootsreise

Der Bootsführer erzählt:

„Die Dunkelheit der menschlichen Geschichte ist die Dunkelheit, die allen gemeinsam ist. Sie reicht vom Land der Toten bis an das sonnige Land des diesseitigen Lebens und geht nach unserem kurzen Dasein als Mensch sofort wieder nahtlos weiter bis in die Unendlichkeit, wieder als Land der Toten, zu dem ich dann auch gehören werde.

Im Grunde sind wir fast immer nur im Land der Toten. Es ist viel größer als unser diesseitiges Leben.

Vielleicht sind wir sogar immer nur im Land der Toten, merken es nur nicht, wenn die blendende Sonne des Lebens auf uns scheint. Dann fangen wir an, wie kältestarrende Würmer, Insekten oder Reptilien erst langsam und dann immer wilder hin- und herzuzappeln, fangen an zu leben, suchen uns selbst, suchen Partner, versuchen, uns fortzupflanzen, bis die helle Sonne im Land der Toten weiterwandelt und die nächste Generation zum Zappeln bringt.

Aus diesem Gesichtspunkt ist es gar kein Leben an sich, sondern nur eine kurze Unterbrechung des Todes, die wir ‚Leben‘ nennen.

Oder: anders ausgedrückt, die riesige Zeit des Todes wäre das eigentliche Leben, unser Zappeln unter der Sonne ist nur ein vorübergehender Zustand, der uns alle einmal (oder vielleicht auch mehrfach) trifft.

Was sich in dieser kurzen Sonnenzeit abspielt, ist vielleicht eine Metamorphose, wie wir sie von den Insekten kennen: Geburt, Leben und Tod sind Stadien wie Raupe – Puppe – Imago (z.B. beim Schmetterling), und dann geht es weiter zur nächsten Insektengeneration.

Das Eigentümliche dabei ist, dass wir uns während der Raupen- und Puppenzeit nicht mehr an die Zeit des vollentwickelten Insekts erinnern können und die Zeit des Schmetterlings gleichzeitig ersehnen und fürchten. Denn wenn wir als Schmetterling voll aufgeblüht sind, geht die Sonne des Lebens weiter, und ganz schnell folgt der Tod.

Aber was kümmert uns das, solange wir im Diesseits leben?

Damit sind wir auch schon bei der persönlichen Dunkelheit.

Unser persönliche Dunkelheit, also unser Gelerntes aus dem uns unbekannten Dunkel davor, ist sozusagen nur ein Spezialfall der geschichtlichen Dunkelheit, die jeden Einzelnen betrifft.

Vor dem Leben hat also jeder seine eigene, pränatale Dunkelheit: die Toten vor ihm haben ihn in die Metamorphose geschickt. Nach dem Tode geht es selbst erneut ins Totenreich, mit oder ohne Betrachtung der nächsten Generation.

So interessant dieser Vergleich aus dem Insektenreich auch ist, so wirft er sofort auch zahlreiche neue Fragen auf:

– Was geschieht mit den alten, abgestorbenen Schmetterlingen?

Sie zerfallen zu Staub, so wie auch die neuen zu Staub zerfallen werden.

Demnach wären nur die Stadien ‚Raupe, Puppe, Schmetterling‘ das ‚Leben‘. Der Rest wäre Staub.

– Woher kommt der organische Staub?

– Welche Rolle aber spielt die Sonne, die das alles erst ermöglicht?

Uns als Insekten könnte das natürlich egal sein. Wir sind ja nur Insekten. Das ‚Reich der Toten‘ interessiert viele nicht. Für sie gibt es nur Staub.

Aber seltsamerweise reicht das vielen von uns nicht; denn wir haben einen fragenden und suchenden Verstand mitbekommen.

Wir fragen uns immer nach dem ‚Woher‘ und ‚Wohin‘, nach den Ursachen, dem Sinn und nach einem ‚Urgrund‘ – oder auch nach einem Schöpfer.“

Meine Frau

Ich liebe meine gute Frau,
warum, das weiß ich nicht genau,
ich liebe ihren tiefen Schlaf,
wahrscheinlich bin ich nur ein Schaf.
Ich liebe ihren schönen Po,
ein Schwein bin ich ja sowieso.
Auch liebe ich ihren Verstand,
der mich stets auf das Neue bannt.
Und jeden Tag ich frage mich:
„Warum, warum nur liebt sie mich?“