Der Unterschied

Alle sind gleich, grässliche Gedanken.
Arm ist reich, keine Schranken.
Dumm ist weise, töricht klug.
Niemand hat zu wenig, niemand genug.
Frau ist Mann und Mann ist Frau.
Man nimmt das heut nicht mehr genau.

Noch gibt es welche, die im Licht
und andre, die im Schatten stehn.
Teils unverschuldet, teils auch nicht,
dem geschieht’s recht, dem aus Versehn.
Es schreit nur, der von unten schielt,
sich ungerecht behandelt fühlt.

Sieh’s doch so an, wie es ist:
Ob du oben, unten bist,
hängt teils von dir ab, teils auch nicht.
Tu deinen Teil, mehr kannst du nicht.
Und, was immer auch geschieht:
Ein Hoch dem kleinen Unterschied.

Der schlaue Bauer

Der alte Bauer ist ein Schlauer.
Er liebt sein Vieh, das Feld, das Geld.
Die Bäurin aber liebt den Knecht.
Das ist dem Bauern gar nicht recht.

Drum suchen sie den Kompromiss:

Der Bauer vögelt die Kuh,
die Bäurin den Knecht immerzu.

Und schon hat‘s a Ruh auf dieser Welt.
Doch beim Bauern bleibt das Geld.

 

Brauchen und Wollen

Der Mensch braucht Luft.
Die Luft braucht Wald.
Der Wald braucht Bäume.

Die Bäume werden abgeholzt.

Der Mensch braucht Luft.
Der Mensch will Verkehr.
Der Verkehr braucht keine Bäume.

Die Bäume werden abgeholzt.

Der Mensch braucht Luft.
Der Mensch braucht Brot.
Der Mensch braucht Träume.

Die Träume werden abgeholzt.

 

Das Mondgedicht

Am Himmel oben zieht er
gemächlich seine Bahn;
aus seiner Höhe sieht er
die Erde staunend an
und denkt: „Von all den Affen,
die sich gezeigt auf ihr,
ward nicht so viel geschaffen
wie von dem Menschentier,
das in den paar Sekunden,
die es auf Erden rennt,
sehr viel herausgefunden
und doch so wenig kennt.
Wie ist die Menschenmasse
so klug und doch so dumm.
Bald bringt sich diese Rasse
wahrscheinlich selber um.“

Dies denkt der Mond und weiter
hellt er in seinem Lauf
als stiller Wegbegleiter
die Nacht der Erde auf.