Das Kind blickt trotzig, zornig, wollend,
die Mutter hält es sanft zurück.
Nun tritt es noch, die Augen rollend,
rutscht gar von ihrem Schoß ein Stück.
Doch sieh‘ nur an, was jetzt geschieht,
wie sie das wilde Ding erzieht:
Ein Mutterwort ins Ohr hinein
-schon strahlt das Kind wie Sonnenschein.
Archiv des Autors: Berndt-Baumgart
Klaras Fall
Frau Klara M. lag nackt im Bett. Sie träumte sanft und tief.
Da kam zu ihr ein junger Mann, doch Klara weiter schlief.
Sie wachte auf am nächsten Tag und fühlte sich nicht gut.
Woher das kam, ward schnell ihr klar: Am Türgriff hing ein Hut.
Soweit der Fall, nun die Moral – zumindest wissen wir:
a) War der Mann jetzt ohne Hut und
b) kein Kavalier.
Das Drehteufelchen
Es dreht und wirbelt sich im Kreis
herum, herum.
Vom Schauen wird es mir im Kopf
ganz dumm, ganz dumm.
Der Mund steht auf, doch bleibt sein Schrei
so stumm, so stumm.
Stimmungen
Man lebt halt so, von Tag zu Tag
und fragt sich, was man wirklich mag;
sitzt in Gedanken, schwer und still,
denkt: „Ist es dieses, das ich will?
Oder was andres, oder auch
vielleicht nur einen vollen Bauch?“
Und wie man sitzt, und wie man denkt,
wird einem Lebenskraft geschenkt.
Sie kommt ganz einfach, weiß nicht, wie,
ist plötzlich da – jetzt spürt man sie,
steht auf und reckt sich das Gebein:
„Wie schön kann doch das Leben sein.“
Die Henne und das Ei
Unten auf der Hühnerleiter
steht ein Huhn und kommt nicht weiter.
Gerne möchte es hinan,
Eierlegen ist sein Plan;
doch fehlen, und dies macht verdrossen,
der Leiter fast schon alle Sprossen.
Nun sinnt das Huhn, fällt es auch schwer,
(denn denken kann es nicht so sehr),
wie es zum Nest sich hochbewegen
wohl könnte, um sein Ei zu legen.
Es schwingt die Flügel, flattert, gackert,
-schon kommt das Ei – umsonst gerackert.
Spaziergang in der Stadt
Durch die Stadt ging ich heute
Was ich bald schon bereute
Denn ich sah viele Leute
Diese Meute
Heute.
Der Hürdenläufer
Ein Hürdenläufer lieber schlief,
anstatt dass er fleißig lief;
und so tat er einst ein Rennen
statt durchlaufen glatt verpennen.
Den Siegeskranz nahm er nicht wichtig:
Doch ausgeschlafen war er richtig!
Der Unfug
Blödsinn war ihm nicht genug:
Da wurde aus dem Unfug Fug;
doch fand er, solcherart entstellt,
kein Plätzchen mehr auf dieser Welt,
trat nur ganz kümmerlich und schlecht
als Teil noch auf in „Fug und Recht“.
Er sah: So konnte das nicht bleiben
– nun geht er wieder Unfug treiben.
Das Mondgedicht
Am Himmel oben zieht er
gemächlich seine Bahn;
aus seiner Höhe sieht er
die Erde staunend an
und denkt: „Von all den Affen,
die sich gezeigt auf ihr,
ward nicht so viel geschaffen
wie von dem Menschentier,
das in den paar Sekunden,
die es auf Erden rennt,
sehr viel herausgefunden
und doch so wenig kennt.
Wie ist die Menschenmasse
so klug und doch so dumm.
Bald bringt sich diese Rasse
wahrscheinlich selber um.“
Dies denkt der Mond und weiter
hellt er in seinem Lauf
als stiller Wegbegleiter
die Nacht der Erde auf.