Nichts ist am Kopf so wunderbar,
als dass bewachsen er mit Haar.
Der Satz ist umso mehr von Sinn,
je weniger im Kopfe drin.
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Der Frosch
Es saß ein Frosch auf einem Stein,
dann sprang er in das Wasser rein.
Nun schwamm er in den Fluten
für dreieinhalb Minuten.
Dann saß er wieder auf dem Stein.
Wie schön wär‘ es, ein Frosch zu sein!
Das Klassentreffen
Sie sahen sich nach vielen Jahren.
Freudig hatten sie erfahren,
dass die alte Klasse sich
treffen wollte.
Fürchterlich
eng war es in dem Lokal.
Leicht geschrumpft war ihre Zahl
-im Gegensatz zu manchem Bauch.
Die alte Lehrerin kam auch.
Sie tranken Bier, sie tranken Wein,
es klopfte: Stimmung kam herein
und sprach: „Ich bitte, seid nicht gram,
ich fand den Weg nicht“-
wundersam
bestaunte man die traute Runde
und vernahm die frohe Kunde,
wenn gleich auch aus fremdem Munde
(und zu reichlich später Stunde),
dass man noch der kerngesunde
alte Kerl von früher sei.
Nach Hause ging man um halb zwei.
Der Stier
Es war einmal ein junger Stier,
der stierte voller Liebesgier
auf eine schöne, bunte Kuh.
Sie blinzelte ihm freundlich zu,
so dachte er in seinem Wahn,
bis er sich umgewandt und dann
den großen, alten Bullen sah,
gleich hinter sich, gefährlich nah.
Es war der Mann der schönen Kuh,
-der junge Stier verschwand im Nu.
Unterschiede
Einst nannte er sie „lieber Schatz“,
„mein süßer Fratz“ und „kleiner Spatz“,
doch machte mancher liebe Satz
schon bald ganz andren Worten Platz:
Erst blieb es noch beim lauten „Du“,
dann kam spezielleres hinzu:
„Hau ab“, „halts Maul“, „lass mich in Ruh“,
und schließlich: „Dusselige Kuh“.
Wie anders war es umgekehrt!
Sie hatte immer ihn verehrt,
sprach ihn mit „mein Gebieter“ an,
-und ab und zu als “Hampelmann“.
Der Tod im Leben
Neuen Ufern zuzustreben
ist sehr schön, wenn man’s noch kann.
Auf die Zukunft hin zu leben,
hält uns in des Lebens Bann.
Doch es kommt manchmal die Zeit,
wo der Tag zum Jahre wird.
Dann, wenn gar nichts mehr passiert,
bist Du schon in der Ewigkeit.
Armageddon
Auf den Bergen brennt der Schnee,
und die Erde bebt.
Die Luft erglüht, ein Feuer rast,
wohl dem, der nie gelebt.
Ein Gifthauch aus den Wolken fällt,
und gelb verdorrt das Gras.
Das Ende allen Seins ist nah,
von dem man einstmals las.
Aus Abrahams und Jakobs Stamm
erlebt es keiner mehr.
Die Welt ist tot, die Zeit vorbei,
es bleibt ein Flammenmeer.
Da stürmt die Ordnungsmacht herbei
und kühlt den heißen Stein.
Es jauchzt und singt ein Engelschor
zu einem neuen Sein.
Der Auerochse
Der Auerochse oder Ur
war wirklich wie ein Ochs so stur.
Ihm hing die Welt um Halse raus,
da starb er schlicht und einfach aus.
Das Skelett
Einst lag in einem Fürstenbett
ein altes adliges Skelett.
Es ruhte, weiß und totenbleich,
auf Daunenfedern, mollig-weich.
Dort lag es viele hundert Jahre,
ersehnte seine harte Bahre
und auch sein kühles, dunkles Grab,
in das man es dann endlich gab.
Merke:
Auch das weichste Himmelbett
taugt nun mal nicht für ein Skelett.