Ist ein Mensch kein Geisteslicht,
heißt es: „Der ist nicht ganz dicht“,
was so ungefähr besagt,
dass im Hirn ein Loch ihn plagt.
Will man diesen Schaden richten
und fängt Verse an zu dichten,
merkt man leider allzu früh,
dass vergebens ist die Müh;
und der weise Mann verzichtet:
Man wird nicht Dichter, wenn man dichtet.
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Das Skelett
Einst lag in einem Fürstenbett
ein altes adliges Skelett.
Es ruhte, weiß und totenbleich,
auf Daunenfedern, mollig-weich.
Dort lag es viele hundert Jahre,
ersehnte seine harte Bahre
und auch sein kühles, dunkles Grab,
in das man es dann endlich gab.
Merke:
Auch das weichste Himmelbett
taugt nun mal nicht für ein Skelett.
Der tolle Eber
Ein Eber dünkte sich sehr schlau
und wurde untreu seiner Frau.
Er rannte eines Morgens schon
mit einer jüngern Sau davon.
Doch schnell fing man ihn wieder ein
und schlachtete das geile Schwein.
Moral:
Wär er bei seiner Sau ergraut,
wär er jetzt nicht im Sauerkraut.
Die Vergangenheit
Eine große Seligkeit
liegt in der Vergangenheit.
Alles, was mal früher war,
ist so fern und wunderbar.
Ehemals war alles schön,
die Fehler sind nicht mehr zu sehn.
Doch schärfe einmal deinen Blick:
Wo war denn damals dieses Glück?
Wie heute – lag’s schon weit zurück.
Da kann man nichts machen
Der Mensch frisst sich voll
wenn er kann.
Er frisst den anderen etwas weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.
Der Mensch säuft sich voll
wenn er kann.
Er säuft den anderen etwas weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.
Der Mensch fickt mit anderen Menschen herum
wenn er kann.
Er nimmt die Menschen den anderen weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.
Der Mensch schießt andere Menschen tot
wenn er kann.
Er nimmt die Menschen den anderen weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.
Der Mensch verleugnet sein eigenes Ich
wenn er kann.
Er nimmt das Ich sich selber weg.
Aber das will er natürlich nicht.
Das ist halt so.
Da kann man nichts machen.
Vom Wesen des Menschen
Der Mensch sei gut, nicht Bösewicht,
er schade seinem Nächsten nicht,
zerstöre Pflanzen nicht und Tier,
dann ist es schön auf Erden hier.
Doch war der Mensch bisher noch immer –
schlimmer.
Drei Limericks
Nach langem und gründlichem Wählen
tat sich Bauer Toni vermählen.
Die liebliche Frau
ist hübsch und auch schlau
nur kann sie Kartoffeln nicht schälen.
Im Isartal liegt ohne Hose
so manches Pärchen im Moose.
Man lernt dort zu zwein
Physik und Latein
und trinkt dabei Bier aus der Dose.
Es gab eine Ehe in Stade
die war schon verbraucht und auch fade.
Der Mann dann entwich,
indem er verblich.
Die Frau fand das blöd, doch nicht schade.
Ein wirklich ausgefallenes Haar
Ein junges, zartes Menschenhaar
Dem Kopfe ferngeblieben war.
Mochte nicht mehr luftig wallen,
war buchstäblich ausgefallen,
schwamm mit Lust und ohne Mühe
mit den Nudeln in der Brühe.
Dem Kopfe war dies völlig schnuppe:
Ein Haar ist immer in der Suppe.
Lobrecht als Kind
Professor Lobrecht war als Knabe
in der Schule nicht sehr gut,
er versetzte seine Lehrer
und die Eltern oft in Wut.
Hatte ständig dumme Streiche,
recht makabre meist im Sinn,
manchmal schwänzte er die Schule,
manchmal ging er gar nicht hin.
Und ein jeder, der ihn kannte,
sagte Schlechtes ihm voraus,
doch der kleine Herr Professor
machte sich recht wenig draus.
Heute ist Professor Lobrecht
in der Wissenschaft begehrt.
Die alten Lehrer gern bekunden,
wie sie ihn schon als Kind verehrt.