Der Schweine-Igel

Ein Igel nahm sich eine Frau,
warum, das weiß man nicht genau;
zumindest galt es nicht als fein,
ein Igel ohne Frau zu sein.

Sehr schnell war dies der Igel leid.
Er dachte traurig an die Zeit,
als er noch Junggeselle war,
und nicht nur Teil von einem Paar.

Auch junge Igel kamen an,
die sahen ihn nur dann und wann.
Nach anderem stand ihm der Sinn:
Gertrud, der jungen Igelin.

Er Gertrud zur Geliebten nahm,
von der er nie genug bekam.
Im Rausche war der Nimmersatt,
da fuhr ihn – peng – ein Auto platt.

Moral:
Wer sich ein Liebchen hat genommen,
kann leicht unter die Räder kommen.

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Die Erfindung des WC

Vor vielen Jahren saß ein Mann
vergnügt auf der Toilette,
tat, was er musste, und sodann
zog er die Spülungskette.

Er zog recht kräftig, fest und kurz,
wie er es einst erlernte,
doch kam darauf kein Wassersturz,
der rasch sein Werk entfernte.

Sobald er dieses Pech erkannt,
stieg er auf des Beckens Rand,
damit er nun aus nächster Nähe,
den Wasserkasten sich besähe.

Er fiel und brauchte einen Halt,
die Hände suchend fassten
die Kette, die nun mit Gewalt
herunterriss den Kasten.

Er fiel genau auf seinen Fuß –
Es kam nun auch der Wasserguss;
der arme Mann rief Ach und Weh,
gebrochen war sein großer Zeh.

Wie es bei jedem Missgeschick:
Die Sache wurde schnell publik;
und seitdem nennt man jenen Ort
Weh-Zeh, mit diesem Doppelwort.

Das Opfer

Frau Piefke hat ein neues Kleid.
Frau Knettelbrecht wird blass vor Neid,
geht zur Frau Schulz voll Hinterlist,
die Freundin von der Piefke ist,
erzählt ihr dann ganz nebenbei,
wie falsch doch die Frau Piefke sei,
die jüngst, vermeintlich unerkannt,
Frau Schulz ein “böses Weib“ genannt,
im Bäckerladen dort am Eck,
sie selbst war Zeugin, auch Frau Heck.

Frau Schulz trifft dies als schwerer Schlag,
besucht Frau Heck am nächsten Tag,
die es bestätigt und beschwört,
was die Frau Knettelbrecht gehört.

So spricht Frau Schulz Frau Piefke an:
„Was hast du mir nur angetan?“
Die Piefke aber lügt nicht schlecht:
„Es war doch die Frau Knettelbrecht,
die mit der Heck ganz fürchterlich
gelästert hat dort über dich.“

Frau Schulz ist nun gar traurig sehr,
versteht die ganze Welt nicht mehr,
geht still nach Hause, voller Weh,
und kocht sich eine Tasse Tee.

Die Piefke und die Knettelbrecht,
die beide gleichermaßen schlecht,
sind tags darauf und auch Frau Heck
im Bäckerladen dort am Eck.
Sie tratschen hier in einem fort
über die Schlechtigkeit im Ort,
und einig sind sich alle drei,
wie böse die Frau Schulz doch sei.

 

Zur Gerechtigkeit: Bei Männern soll es Ähnliches geben

 

Die Viren

Zwei Viren trafen einen Mann

am Morgen in der Straßenbahn.

Der Herr sah frisch und munter aus

und fuhr zur Arbeit von zu Haus.

Die Viren sprachen : “Ach wie fein,

bei jenem nisten wir uns ein.“

 

Gesagt, getan. Kaum war’s gesprochen,

sind sie ihm in den Hals gekrochen.

Dort blieben sie den ganzen Tag,

bis abends er im Bette lag.

Indes, so sei man noch belehrt,

hatten die Viren sich vermehrt.

Es waren nicht mehr nur die zwei,

sondern zweitausend oder drei-.

 

Des Nachts nun fingen diese an

zu kriechen durch den armen Mann,

in die Beine, Arme, Hände,

durch Adern und durch Zellenwände,

ins Gehirn und in den Bauch,

wie es bei den Viren Brauch;

sie schwammen hin, sie schwammen her

-und es wurden immer mehr!

 

Ein neuer Tag nimmt seinen Lauf.

Der Wecker schrillt. Der Mann wacht auf,

will die Glieder wohlig strecken

und erkennt mit großem Schrecken,

dass er krank geworden ist,

was ihn ärgert und verdrießt.

Es schmerzt der Kopf, und er hat Fieber,

den ganzen Tag im Bette blieb er.

 

Unterdessen sind die Viren

gewandert bis in Herz und Nieren,

haben, wie es musste kommen,

vom ganzen Mann Besitz genommen;

waren in der zweiten Nacht

auf der Höhe ihrer Macht,

die sie dergestalt genossen,

dass neue Viren ihr entsprossen.

 

Am nächsten Tag, ach große Not,

da fühlt der Mann sich schon halb tot;

er ächzt und stöhnt, kann kaum noch leben,

geschweige denn die Glieder heben,

also dass zum guten Schluss

dann der Doktor kommen muss.

Dieser gibt ihm mancherlei:

Teuren Rat und Arzenei.

 

Wie man weiss,  sind Viren nun

gegen Medizin immun.

Tabletten, Pulver, Spritzen, Saft

geben ihnen neue Kraft,

sind für sie nur Leckerbissen,

die sie hoch zu schätzen wissen.

Und unser Mann, so ist das eben,

blieb weiter krank, die Viren –leben.

 

Es geht der Krug, wer kennt das nicht,

so lang zum Wasser, bis er bricht.

Genauso war die Sache hier:

Die Viren fraßen voller Gier,

was nur das war, mit Genuss,

schwelgten in dem Überfluss,

bis sie Maß und Ziel vergaßen

und sich gegenseitig fraßen.

 

Gesund fuhr wieder unser Mann

Am Morgen in der Straßenbahn.

Er sah recht blass und kränklich aus,

ob vom Aufenthalt zu Haus

oder vom Behandlungspreis,

das nur der Arzt zu sagen weiß.