Vier Schlingpflanzen, vierfach verschlungen,
wucherten kräftig im Auenwald.
Das Mastodon hat sie alle verschlungen.
Dann war es satt, und die Pflanzen kalt.
Die Frau aus dem Wald
Bin Waldbaden-Nutte,
das Flittchen vom Wald.
Halt Männern die Rute
und mach sie dann kalt.
Ich werfe die Netze,
bin psychosozial;
der Staat und Gesetze,
die können mich mal.
Ich predige Ruhe –
Du brauchst Akzeptanz.
Das Wissensgetue
ist schlecht für den Schlaf.
Gib mir nur viel Kohlen,
ich bin stets in Not.
Auf ganz leisen Sohlen
holt dich bald der Tod.
Moderne Waldesoterik
Weg vom Denken, hin zum Fühlen;
am feuchten Fels die Stirne kühlen.
Den Zweck und allen Sinn verlieren,
nichts mehr wissen, nur noch spüren.
Achtsam durch das Leben gehen,
Geister hören, Elfen sehen .
Winde in Baumesblättern rauschen,
schmecken, tasten, fühlen lauschen.
Der Wald ist Lichtung für den Geist,
niemand weiß, was das wohl heißt.
Und hilft dir nicht der schöne Wald,
geh in die Psychiatrie recht bald.
Der Jungbrunnen
Faltig, ohne Körperwärme
stolpern die Alten in die Therme.
Freudig strahlen ihre Augen,
wenn sie der Therme Wärme saugen.
Die Wärme kriecht in die Gedärme,
und es gibt keine Schnakenschwärme.
Jetzt könnten sie sich leicht bewegen
und nicht des Körpers Trägheit pflegen.
Doch stehn sie still und unbeweglich,
morgens, abends und ganztäglich.
Sie glotzen völlig unerträglich
bis die Badezeit vorbei.
Der Therme ist das einerlei.
Dann verlassen sie die Soße,
pinkeln kräftig in die Hose.
Die Falten hängen noch herum,
sie fühlen sich sehr jung, kurzum
nach Heilwasser die Seele schreit –
zum Abendbrot ist‘s nicht mehr weit.
Das Murmeltier
Das Murmeltier hat es sehr schwer:
Es murmelt hin, es murmelt her.
Der Murmelwächter gellend pfeift,
wenn der Fuchs im Grase streift.
Bei Gefahr springt es ins Loch,
und dort murmelts immer noch.
Die Menschen sind zu ihm nicht nett –
Sie wollen Murmeltierens Fett.
Es soll gut für vieles sein,
Rheuma, Gicht und Zipperlein.
Manche sind gar so vermessen,
dass sie das arme Tierchen essen.
Nie kann es in Frieden leben,
es geht ihm wie den Menschen eben.
Bewegung und Ruhe
Der Mond geht immer auf die Reise,
ständig auf dieselbe Weise.
Das Denkmal steht hingegen stumm
auf demselben Fleck herum.
Das schöne Wetter
Sieht man die Sonn‘ am Himmel steh‘n,
sagt die Menschheit: „Es ist schön“.
Schlecht ist‘s aber, wenn es regnet,
und unser Gott die Erde segnet.
Die Sonne trocknet alles aus;
nicht mal die Würmer kommen raus.
Die Dürre bringt die große Not
und am Ende auch den Tod.
Der Regen macht es nass und frisch,
doch die Menschen schützen sich.
Alles wächst, gedeiht und sprießt;
Herr Müller aber schnäuzt und niest.
Aus Beton der Fortschritt stammt.
Homo Sapiens ist verdammt.
Kriegswaffen sind in unsrer Hand.
Und wo bleibt nur der Verstand?
Einzel- und Doppelgänger
Der Einzelgänger geht allein;
denn er mag gern einsam sein.
Den Doppelgänger gibt’s am Ende
zweimal auf dem Erdgelände.
Der Burgherr
Die Burg ist hoch, die Burg ist wild;
den Burgherrn hebt man auf den Schild.
Doch nichts mehr ihn am Leben hielt,
nachdem er seine Burg verspielt.