Waldgedanken

Oktobersonne am Waldessaum.
Heiß ist es, man glaubt es kaum.

Hat das Klima sich erhitzt?
Fragen manche ganz gewitzt.

Nein, es war schon immer so.
Klimawandel? Ach, i wo!

Wer hat Recht, wir werden sehn –
doch heute ist die Welt sehr schön!

Späte Pilze stehen stumm
in dem feuchten Moos herum.

Äschen in dem Kraftwerksgraben,
die sich an Herbstes Fliegen laben.

Lieber Gott, lass diese Sonne
auf uns scheinen noch ein Weilchen,
dann ist das Leben eine Wonne.
Vom Ganzen sind wir nur ein Teilchen.

Früher war alles viel besser

(Eines meiner Gedichte aus ca. 1980, leider teilweise noch heute aktuell. Manche wollen nicht lernen.)

Früher war alles viel besser,
das Essen, das Leben, der Krieg.
Wie plätscherten klar die Gewässer,
und stolz kämpfte man für den Sieg.

Man floh noch des Schullehrers Rute,
und träumte so froh in der Not.
Die Schurken erhielten die Knute,
wir ehrten, weil hungrig, das Brot.

Man achtete noch die Gesetze
und diente ganz brav und loyal,
verschloss seine Ohren der Hetze
von links, wie’s der Führer befahl.

Und wie ging es dann an das Aufbau‘n,
wir nahmen die Schippe zur Hand!
Da könnte man heute glatt draufhau‘n,
sieht man das Gesindel im Land.

Im Kopf habe sie leere Flausen,
sind rot oder grün nebenbei.
Zu zwölft sie in Bruchbuden hausen,
sie stinken, sind dreckig – und frei.

Und dann erst die ganzen Kanaken,
der farbige Abschaum im Land.
Man sollte am Kragen sie packen,
dann stellen wir sie an die Wand.

Falls Krieg kommt, so muss es ihn geben,
wir werden ihn schon übersteh‘n.
Die Kinder, falls sie es erleben,
sie werden es später dann seh’n:

Denn früher war alles viel besser,
das Essen, das Leben, der Krieg.
Wie plätscherten klar die Gewässer,
und stolz kämpfte man für den Sieg.

Herr von Hagen im Bett

Herr von Hagen kam zu Bette
in der Nacht, so gegen vier.
Dort empfing ihn seine Nette.
Glücklich war er nur mit ihr.

Sie hatte lange schon geschlafen
und ihn dabei nicht vermisst,
weil im alten Ehehafen
das nun mal nicht anders ist.

Dennoch sie sich sehr empörte:
„Du bist ein böser, schlechter Mann.“
Weil sich das halt so gehörte,
fing sie laut zu keifen an.

Herr von Hagen ward ganz stille,
lächelte leis innerlich:
„Meine Liebe, meine Gute,
was wär ich bloß ohne dich.“

Verschiedene Sichtweisen

Der Gläubige wird Atheist,
der Ketzer gerne predigt.
Der Asoziale wird sozial,
der Soziale asozial.
Vernunft ist lang erledigt.
Die Natur braucht viel Zement,
und Plastikzeug kommt ungehemmt.
Vom Wasser haben wir genug.
Menschenmüll, ein schöner Zug.
Die Waffen sind ganz wichtig.
Alles läuft sehr richtig.
Die Politik wird menschlich.
Begreifen wir es endlich?