Modernes Theater – Sechste Szene – Eine Schulklasse

Modernes Theater – Sechste Szene – Eine Schulklasse

Modernes Theater – Sechste Szene – Eine Schulklasse

Kinder/Jugendliche von ca. 14 – 16 Jahren. Frau Müller, die Lehrerin. Es ist Sozialkunde oder Gemeinschaftskundeunterricht, wie es in manchen Bundesländern heißt.

Frau Müller 

„Guten Morgen. Wie Ihr wisst, haben wir heute Sozialkunde. Demnächst gibt es eine Klassenarbeit. Hoffentlich habt Ihr in letzter Zeit gut aufgepasst. Ich kann, beziehungsweise darf Euch leider keinen Hinweis geben, was drankommen wird, obwohl ich es Euch zuliebe sehr gerne täte.“

Schülerin Pamela 

„Ach bitte, Frau Müller. Einen klitzekleinen Hinweis können Sie uns bestimmt geben. Wir verraten Sie auch nicht.“

Frau Müller 

„Nein, ich darf nicht. Es geht nicht. Aus. Aber wer heute gut aufpasst, wird profitieren.“

Schüler Thomas 

„Na also, Frau Müller. Das ist doch schonmal gut.“

Frau Müller 

„Thomas, das will ich nicht gehört haben. Ich will heute mit Euch einige Themen kurz streifen, aber nicht vertiefen. Dafür reicht die Zeit nicht. Erstes Thema: Die Demokratie. Wir alle leben in einem demokratischen Land, wie Ihr wisst. Was bedeutet Demokratie, ganz kurz, ohne langes Geschwafel.

Schüler Peter 

„Demokratie kommt aus dem Griechischen. Es bedeutet, dass das Volk regiert.“

Frau Müller 

„Genauso ist es. Kann das jemand noch etwas präzisieren?“

Schüler Klaus 

„Mein Vater sagt immer, das Volk hätte nie regiert. Regiert hätten schon seit immer nur diejenigen, die die Macht und das Geld hatten.“

Frau Müller 

„Lieber Klaus, jetzt siehst du mich einigermaßen entsetzt. In der Demokratie hat doch gerade das Volk die Macht. Die gesamte Staatsgewalt ist auf die Souveränität der Bevölkerung zurückzuführen. Wir reden dabei von der ‚Volkssouveränität‘. Dadurch sind alle Organe und Entscheidungen legitimiert. Direkt oder indirekt. Also: Die Regierung regiert, weil das Volk sie gewählt hat. Und die gesamte Macht hat das Volk dem Staat übergeben. Der Staat hat also das Gewaltmonopol. Hast du das verstanden?“

Schüler Klaus 

„Ja, Frau Müller. Also dadurch, dass die Erwachsenen alle vier Jahre Parteien für den Bundestag wählen, haben wir Demokratie. Und haben dabei alle Rechte an den Staat und die Regierung abgetreten.“

Frau Müller

„Hat dir das auch dein Vater gesagt? Erinnerst du dich noch an die Gewaltenteilung? Darüber haben wir mal gesprochen?“

Schüler Klaus 

„Hm…hm. Das war doch das von Arm und Reich…“

Frau Müller 

„Gut, dass du wenigstens das behalten hast: ‚Ob Mann, ob Frau, ob arm, ob reich, vor dem Gesetz sind alle gleich‘. Das meintest du doch, nicht wahr?“

Schüler Klaus 

„Aber mein Vater sagt immer, nur die Reichen bekommen Recht. Und…“

Frau Müller 

„Schluss, jetzt ist es genug. Ich will nichts mehr von dir und den Sprüchen deines Vaters hören. Dass der sich nicht schämt! Wer weiß, was die Gewaltenteilung bedeutet? „

Schüler Peter 

„Legislative, Exekutive, Judikative. Die gesetzgebende, die ausführende und die rechtsprechende Gewalt.“

Frau Müller 

„Genau. Wenigstens einer, der aufgepasst hat. Und diese drei Gewalten sind völlig unabhängig voneinander. Das ist ein Grundprinzip der Demokratie.“

Schülerin Pamela 

„Aber was ist mit den Medien, Fernsehen, Zeitungen? Mit Facebook, Instagram, Twitter? Zu welcher Gewalt gehören die?“

Frau Müller 

„Das ist noch nicht unser Stoff. Das wird auch in der Klassenarbeit nicht kommen. Wir reden bei den Medien von der sogenannten ‚Vierten Gewalt‘. Die Medien sind frei und sollen die Regierung gewissermaßen kontrollieren. Aber natürlich verantwortungsvoll.“

Schülerin Pamela 

„Was heißt verantwortungsvoll, Frau Müller?“

Frau Müller 

„Nicht hetzerisch. Also nicht wie die BILD-Zeitung, zum Beispiel.“

Schüler Peter 

„Und warum wird diese Zeitung nicht verboten?“

Frau Müller 

„Ihr müsst sie ja nicht lesen! Lest lieber die ZEIT, oder eine andere richtige Zeitung. Oder schaut ein gutes Fernsehprogramm an.“

Schülerin Pamela 

„Aber Facebook, Twitter, Instagram, Telegram sind gut, oder?“

Frau Müller 

„Ach, Pamela, das geht jetzt wirklich zu weit. Wir sprechen heute auch von der ‚Fünften Gewalt‘ und meinen damit die Sozialen Medien. Es stellt sich inzwischen die Frage, ob diese zu viel Macht haben…“

Schülerin Pamela 

„Aber die können sie doch nicht wirklich verbieten. Das schauen doch alle. Das wäre nicht demokratisch, denke ich…“

Frau Müller 

„Was demokratisch ist, habt Ihr bei mir gelernt. Ende, aus. Konzentriert Euch auf die nächste Klassenarbeit. Das Weitere werdet Ihr im nächsten Schuljahr lernen. Dann habt Ihr zum Glück Herrn Henkel als Sozialkundelehrer. Den könnt Ihr dann weiter nerven.“

Die Glocke läutet. Ende der Stunde.

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